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Samstag, 11.08.2018

Androiden in der Autofabrik

In der Gläsernen Manufaktur werden die letzten Szenen für den Kurzfilm „Falter“ gedreht.

Von Emeli Glaser

Harriet und Peter Meining sind die Regisseure des Science-Fiction-Films „Falter“. Die Dreharbeiten enden am Sonntag, unterstützt wird das Projekt von der Mitteldeutschen Medienförderung und der Kulturstiftung Sachsen.
Harriet und Peter Meining sind die Regisseure des Science-Fiction-Films „Falter“. Die Dreharbeiten enden am Sonntag, unterstützt wird das Projekt von der Mitteldeutschen Medienförderung und der Kulturstiftung Sachsen.

© Robert Michael

Wird man in einer technologisierten Zukunft den Menschen von künstlicher Intelligenz unterscheiden können? Der Roman „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari und der Film „Her“ des Regisseurs Spike Jonze zeigen: Die Frage nach der zukünftigen Beziehung von Mensch und Technologie treibt unsere Gesellschaft um. Und sie ist auch das Thema eines aktuellen Filmprojekts in Sachsen.

Die Dresdner Regisseure Harriet und Peter Meining widmen sich in ihrem Science-Fiction-Film „Falter“ der digitalen Zukunft. Dresdner Orte wie der Flughafen und der Club Altes Pumpenhaus wurden dafür als futuristische Kulissen hergerichtet. Mit dem knappen Budget von etwa 70 000 Euro wollte man für den 25-minütigen Streifen lokale Drehorte maximal nutzen. Derzeit werden noch letzte Szenen im Studio der Gläsernen Manufaktur fertiggestellt. Der Rundbau verwandelt sich im Film in einen Androiden-Showroom, eine Art Geschäft für humanoide Roboter.

Die Hauptfigur Falter, gespielt von Andrè Hennicke, ist ein einsamer Mann mittleren Alters. Er kauft sich einen künstlichen Partner namens Dave. Sie bauen eine enge Beziehung auf; doch die Frage bleibt: Was ist hier echt? Michael Kranz findet an der Rolle des Dave spannend, die Nuancen zwischen menschlichem Verhalten und dem des Androiden zeigen zu können.

Deutschland produziert kaum Science- Fiction-Filme. Hauptdarsteller Andrè Hennicke, der im Erzgebirge geboren wurde, ist deshalb angetan von der ungewöhnlichen Idee eines experimentellen Scifi-Kurzfilms aus einer Stadt wie Dresden. Schon als Kind in der DDR las er Bücher wie „Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy“ des polnischen Science-Fiction-Autors Stanislav Lem und schrieb bald eigene Geschichten, um in einem imaginären Raumschiff dem Alltag zu entfliehen.

Den Regisseuren Harriet und Peter Meining war es wichtig, dass die Zukunft im Film nicht per se düster und dystopisch ist, wie es im Science-Fiction der letzten Jahre häufig der Fall ist. Stattdessen stellen sie Fragen und entwickeln tastend eine eigene Bildästhetik, die melancholisch und still sein kann, aber auch offen. Das Kammerspiel will große Fragen auf reduzierte Formen herunterbrechen.

Mit Themen wie den neuen Medien und der Digitalisierung beschäftigen sich die in Dresden verwurzelten Künstler Harriet und Peter Meining bereits seit Längerem. Als Kollektiv norton.commander inszenierten sie bis 2014 experimentelle Performances an deutschen Bühnen, oft in Dresden. Zuletzt war 2013 „Tanz den Tod“ im Festspielhaus Hellerau zu erleben und „Der Totmacher“ am Societätstheater. Dabei arbeiteten sie futuristisch und intermedial. Seit der Gründung des Produktionsstudios MauserFilm im vergangenen Jahr widmen sie sich vollständig dem unabhängigen Filmemachen. „Falter“ ist ihr Debütprojekt.