erweiterte Suche
Donnerstag, 18.09.2014

Aller guten Dinge sind drei

Die Anthropologin und Kulturmanagerin Nanette Jacomijn Snoep wird neue Direktorin der drei Völkerkundemuseen in Sachsen.

Von Birgit Grimm

Nanette Jacomijn Snoep Foto; SKD
Nanette Jacomijn Snoep Foto; SKD

Drei Direktorenstellen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wurden in diesem Jahr neu besetzt – alle drei mit Frauen. Jüngster Neuzugang in der lange von Herren dominierten Direktorenrunde ist die Niederländerin Nanette Jacomijn Snoep. Sie leitet ab 2015 die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Völkerkundemuseen in Leipzig, in Dresden und in Herrnhut.

In Paris, wo sie seit 25 Jahren lebt, wurde sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, nach Sachsen zu kommen. Sie arbeitet derzeit am Musée du Quai Branly, dem französischen Nationalmuseum für außereuropäische Kunst. „Ich habe Ja gesagt, weil die SES eine große Tradition und großartige Sammlungen besitzen.“ Diese Traditionen zu bewahren und zu stärken und die wunderbaren Sammlungen für ein breites Publikum zu erschließen, hat sie sich vorgenommen.

In Frankreich hat Frau Snoep das mit Erfolg praktiziert. Sie stammt aus Utrecht und hat in Paris Anthropologie und Kulturmanagement studiert, diverse Lehraufträge erfüllt, fleißig geforscht und publiziert. Ab 1999 baute sie das Musée du Quai Branly mit auf. 2006 wurde es eröffnet. „Jetzt haben wir etwa zwei Millionen Besucher im Jahr. Davon hat vor fünfzehn Jahren noch niemand zu träumen gewagt“, sagt sie. Für das Haus entwickelte sie 2011 als Kuratorin die Schau „Menschenzoos – die Erfindung des Wilden“, die ein Riesenerfolg wurde, auch in Bonn und Madrid, wo sie später zu sehen war.

Das Musée du Quai Branly verbindet den klassischen völkerkundlichen Ansatz mit der künstlerischen Interpretation der Objekte. Diesen Ansatz gab es in Dresden schon einmal in den 1990er-Jahren. Nanette Jacomijn Snoep wird ihn aufgreifen. „Völkerkundemuseen können in der globalisierten Welt eine wichtige Rolle spielen, um traditionelle Grenzen zu öffnen, neue Wege des Denkens zu beschreiten. Auch im Kampf gegen den Rassismus können sie eine Rolle spielen.“ Der außereuropäischen Kunst weist Snoep dabei eine Schlüsselstellung zu. Über konkrete Ideen für die Völkerkunde in Sachsen wollte sie gestern am Telefon noch nicht sprechen: „Es ist noch zu früh. Ich möchte zunächst meine Kollegen in Leipzig, Dresden und Herrnhut kennenlernen, möchte hören, was ihnen wichtig ist, und die Sammlungen im Detail kennenlernen. Wir müssen zuerst die Bestände erschließen und digital erfassen, bevor wir daran gehen, ihr großartiges Potenzial weiter für das Publikum zu erschließen. Ich finde es sehr interessant, dabei mit den anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen zusammenzuarbeiten und die europäische Kunst in den postkolonialen Diskurs einzubringen. Wir werden auch mit Universitäten zusammenarbeiten, nicht nur in Dresden und in Sachsen, sondern weltweit. Es gibt viel zu tun. Die SES sind weltbedeutende Sammlungen, aber sie sind noch nicht weltbekannt.“

In Leipzig findet sie im Grassimuseum eine relativ neue Ausstellung vor. In Dresden muss sie mit den schwierigen Bedingungen im Japanischen Palais klarkommen. Dort dümpeln die Besucherzahlen der Völkerkunde vor sich hin. Das Haus steht quasi im Schatten der berühmten Kunstmuseen im Schloss, im Zwinger und im Albertinum. Wenn das Publikum ans andere Elbufer wandert, dann vor allem ins Volkskunstmuseum. „Wir werden die Objekte so ins Licht rücken, dass sie zu den Menschen sprechen und thematische Ausstellungen machen, in denen moderne Kunst und Exponate aus den anderen Museen der SKD in einen Dialog mit den ethnologischen Objekten treten.“ In Paris sei es auch gelungen, ein großes Publikum für die Ethnologie zu gewinnen, das bisher den Louvre favorisierte. „Es ist möglich, den Menschen die Augen zu öffnen, da bin ich mir sicher. Aber es wird ein langer Weg.“

Auf diesem Weg wird Nanette Jacomijn Snoep von vier Männern begleitet. Ihr Ehemann und die drei Söhne – sie sind zwölf, sechs und zwei Jahre – sind schon sehr gespannt auf das Abenteuer Sachsen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.