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Freitag, 09.03.2018

Kuhstall mit Wasserbett und W-Lan

Die Kühe von Christian Kalbhenn bekommen einen luxuriösen Stall. Die bisherige Unterkunft ist belastet.

Von Andreas Neubrand

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Christian Kalbhenn im Rohbau seines neuen Kuhstalls in Haßlau. In zwei Wochen sollen die ersten Tiere in den komfortablen Stall einziehen, denn die alten Ställe müssen zügig zurückgebaut werden.
Christian Kalbhenn im Rohbau seines neuen Kuhstalls in Haßlau. In zwei Wochen sollen die ersten Tiere in den komfortablen Stall einziehen, denn die alten Ställe müssen zügig zurückgebaut werden.

© Dietmar Thomas

Roßwein/Haßlau. Noch ist wenig zu sehen von dem, was die Kühe in naher Zukunft erwartet. Im Dach fehlen die Fenster, die Wände sind nicht verkleidet. Elektrokabel hängen aus der Wand. Doch schon in 14 Tagen sollen die 380 Kühe von Christian Kalbhenn umziehen. Der Grund für den schnellen Umzug liegt in den beiden alten Ställen, die noch aus den 1960er- und 1970er- Jahren stammen. „Da ist unter anderem Asbest verbaut, die Ställe müssen wir sehr vorsichtig zurückbauen“, sagt Kalbhenn. „Wir mussten extra ein Artenschutzgutachten erstellen lassen und haben strenge Auflagen vom Landratsamt erhalten, unter denen wir zurückbauen können.“ Deswegen müssen die Kühe in den neuen Stall, auch wenn er noch nicht fertig ist. „Wenn die Tiere einziehen, dann werden noch die Lüftungstore und die Lichtfenster fehlen“, so der Landwirt. „Aber die können wir auch einbauen, wenn die Tiere schon im Stall sind.“

Wie der letzte wird der Neubau ein Außentemperaturstall. Dies bedeutet, dass die Temperatur im Stall nur ein paar Grad über der Außentemperatur liegt. Dies sei für Kühe optimal. Außerdem plant der Landwirt, den Stall mit Wasserbett und W-Lan auszustatten. „Das Wasserbett ist gut für die Knie und Gelenke der Tiere“, erklärt Kalbhenn. „Wenn die Kühe auf dem harten Betonboden knien müssten, dann würden sich ihre Gelenke entzünden und das wollen wir vermeiden.“ Auch für das Internet im Kuhstall hat er eine Erklärung. „Die Tiere laufen im Stall herum, wie es ihnen gefällt, und sehen sich auch noch ziemlich ähnlich. Wenn ich jetzt eine bestimmte Kuh suche, weil ich sie besamen lassen will, dann kann ich sie mit der App Cowlocator finden“, erzählt er. Auf dem Display seines Smartphones erscheinen der Umriss seines Kuhstalls und ein Eingabefeld. Wenn dort eine Nummer eingegeben wird, erhält er den genauen Standort der Kuh. „Früher habe ich eine halbe Stunde oder länger gesucht, wenn ich ein bestimmtes Tier gebraucht habe“, so Kalbhenn.

Das ist nicht die einzige Innovation in dem Landwirtschaftsbetrieb Kalbhenn/Gröbner. „Wir versuchen uns auch an mobileren Nackenzügen für die Kühe, damit sie sich im Genick nicht verletzen“, so Kalbhenn. Viele Kühe haben im Genick und auf dem Hinterkopf kahle Stellen oder kleinere Wunden. „Dies passiert, wenn die Tiere ständig an die Nackenzüge stoßen“, erklärt er. Diese Stangen sind nötig, damit die Tiere nach hinten austreten, wenn sie einen Fladen absondern. „Leider sind Kühe, was die Reinlichkeit angeht, nicht besser als Schweine“, erklärt der Landwirt. „Im unteren Stall testen wir ein Modell aus Glasfiber und im oberen ein Kunststoffrohr. Die angenehmere Variante für das Tier übernehmen wir später.“

Die Landwirtschaft innovativ betreiben, das hat Kalbhenn schon immer gereizt. „Wir waren einer der ersten Betriebe, der einen Melkroboter angeschafft hat. Da kann die Kuh hingehen und sich melken lassen, wann sie will. Den Rest des Tages kann sie fressen oder sich hinlegen.“

Drei Millionen Euro wollen Kalbhenn und seine beiden Geschäftspartner Maria und Gerhart Gröbner für die neue Anlage investieren. Denn bei dem neuen Stall soll es nicht bleiben. Bei den vier Silokammern wurde das Volumen verdoppelt und die Grünanlage sollen neu gepflanzt werden.

Dass der Bau einer so großen Anlage auch auf Widerstand stößt, ist unvermeidlich. „Vor eineinhalb Jahren haben wir eine Bürgerversammlung einberufen, um den Bürgern von Haßlau zu erklären, was wir hier machen“, so Kalbhenn. „Viele konnten wir damit überzeugen, aber natürlich nicht alle.“ Wenn der Ausbau des Hofes abgeschlossen ist, will er sich 2019 erneut der Diskussion stellen. „Natürlich kommt es bei einem Hof dieser Größe zu Lärm und Geruchsbelästigung. Besonders, wenn der Wind ungünstig weht“, sagt er. „In dem Fall würden wir die Gülletanks abdecken, obwohl wir nicht dazu verpflichtet sind. Aber ein gutes Zusammenleben mit den Nachbarn ist uns wichtiger.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. PS

    "Außentemperaturstall" - interessant. Da steckte wohl im Rinderoffenstall doch ein kleines Körnchen Wahrheit?

  2. AsbestrückbauNurDurchProfis!!!

    D. Rückbau d. Asbestställe sollte keinesfalls durch Bauern erfolgen, sondern durch ausgewiesene Profifirmen. Ich bezweifele, dass d. Bauern wirklich adäquate Schutzanzüge haben u. wirklich Fachleute ersetzen können. E. Kontamination der Bauern und der Kühe mit Asbestfasern ist dringend zu vermeiden. Das sollten wirklich Profis machen. Kühe werden vor dem Ausbruch von Asbestose längst geschlachtet, Fleisch und Lebensmittel schon lange verbraucht sein. Bei d. Bauern kann die Krankheit nach vielleicht zwanzig Jahren ausbrechen u. keiner wird mit Sicherheit das auf eine unsachgemäße Renovierung oder lange Aufenthalte in Asbestställen bei renitenten Kühen zurückführen können. Die WLAN-Datenübertragung finde ich zu experimentell, weil der langfristige Einfluss der elektromagnetischen Strahlung auf die Rinder und deren Gesundheit nicht richtig erforscht ist. Lebensmittelproduktion muss einfach, sicher u. tiergerecht sein. Kühe gehören auf nitratregulierte(z.B. Brennnesseln)Weiden.

  3. Andreas

    @PS es war nicht alles Schlecht was es vor 60 Jahren in der Landwirtschaft gab.Der Rinderoffenstall ist eine überdachte und – im ursprünglichen Sinn – nur zur Wetterseite hin mit einer Schutzwand versehene Stallung zur Freilaufhaltung (mit freiem Zugang zu Tränke und Futterplatz) von Rindern. Das geriet natürlich wie so vieles in Vergessenheit und wird nun seit ein paar Jahren Neu Erfunden. @2AsbestrückbauNurDurchProfis!!!-Die WLAN-Datenübertragung finde ich zu experimentell, weil der langfristige Einfluss der elektromagnetischen Strahlung auf die Rinder und deren Gesundheit nicht richtig erforscht ist. Was unterscheidet dich von dem Rindvieh?Hast wohl auch zu viel W-Lan um dich rum gehabt???

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