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Freitag, 07.09.2018

Künstler beleben alte Kunstschmiede-Werkstatt in Zittau

Die tschechisch-deutsche Gemeinschaftsausstellung am Sonntag soll erst der Anfang der Wiederbelebung sein.

Von Jan Lange

David Nadge bei den Vorbereitungen zum Tag des offenen Denkmals,
David Nadge bei den Vorbereitungen zum Tag des offenen Denkmals,

© Rafael Sampedro

Zittau. Mehrere Mal ist Jörg David Nadge in den vergangenen Wochen in Berlin gewesen, um Gemälde, Installationen, Fotografien und Zeichnungen für die Gruppenausstellung an diesem Sonntag abzuholen. In der ehemaligen Werkstatt des Zittauer Kunstschmieds Adolph Pelz auf der Franz-Könitzer-Straße werden die Exponate zu sehen sein. Und das nur am Denkmaltag.

Auch wenn es nur eine „Eintagsfliege“ ist, betreiben der
45-jährige Diplom-Designer und seine Frau Eliška einen enormen organisatorischen Aufwand. Nun hoffen sie, dass am Sonntag viele Besucher vorbeischauen. Zu den ausstellenden Künstlern gehört auch Roland Fuhrmann. Der Berliner Künstler erlangte vor allem durch seine Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum internationale Anerkennung und Bekanntheit. Seine Objekte sind beispielsweise im Bundesinnenministerium und im Patentamt Berlin zu bestaunen. Für die Gruppenausstellung in Zittau, die unter dem Motto „Ästhetik des Zerfalls“ steht, stellt er seine Installation „Fest der Schönheit“ zur Verfügung.

Nadge kennt Roland Fuhrmann vom gemeinsamen Studium. Auch die meisten anderen Künstler sind ehemalige Kommilitonen. Oder Bekannte seiner Schwiegereltern Alena Cinatlova und Professor Jindrich Cinatl, wie Nadge erklärt. Die Eltern seiner Frau sind seit Anfang 2018 Eigentümer der Franz-Könitzer-Straße 36, wie auch der beiden Nachbarhäuser 34 und 38. Die in Frankfurt/Main lebenden Tschechen haben bei Besuchen bei ihrer Tochter Gefallen an Zittau gefunden. Und wollen sich nun hier ihren neuen Wohnsitz schaffen. Das wird mindestens zwei bis drei Jahre dauern, glaubt Nadge, denn die Häuser stehen seit vielen Jahren leer und sind entsprechend heruntergekommen. Behutsam soll die alte Bausubstanz wieder auf Vordermann gebracht und Bausünden der vergangenen Jahre beseitigt werden.

Im ersten Obergeschoss sind die künftigen Wohnräume der Schwiegereltern geplant, eine Etage tiefer werden eine Werkstatt und ein Begegnungsraum entstehen. Hier soll dann auch wieder Kunst zu sehen sein – eigene von Alena Cinatlova, aber auch Werke von Freunden und ehemaligen Mitstudenten. Die Ausstellung am Sonntag ist also ein Vorgeschmack auf die kommende Nutzung des Hauses.

Jörg David Nadge wird mit seiner Familie aber nicht einziehen, sie erwarben vor zwei Jahren ein eigenes Haus an der Äußeren Weberstraße, gegenüber der Firma Digades. „Wir wollten Berlin verlassen“, erzählt der 45-Jährige. Da seine Frau auch nach einem Studienplatz Ausschau hielt, diesen schließlich an der Hochschule Zittau/Görlitz fand, verschlug es Familie Nadge in die Oberlausitz. Sie sind von Zittau und sind von der Stadt und der Umgebung angetan. Das hiesige Dreiländereck sei spannend und total in Bewegung, findet Nadge. Ganz anders als die Dreiländerecke im Westen der Republik, fügt er hinzu. „Wir brauchen nicht Dresden, wir haben doch Liberec vor der Tür“, sagt er.

Das Wohn- und Geschäftshaus Franz-Könitzer-Straße 34/36 ist am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.