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Montag, 23.07.2018

Kroatiens griechische Trauminsel

Statt in der Ägäis wurde die Fortsetzung vom „Mamma Mia“ in der Adria gedreht. Auf der Insel Vis erinnern sich die Bewohner gerne daran.

Von Thomas Roser

Bei der Premiere von „Mamma Mia 2“ in London waren auch die Abba-Urgesteine Benny Anderson (r.) und Björn Ulvaeus dabei.
Bei der Premiere von „Mamma Mia 2“ in London waren auch die Abba-Urgesteine Benny Anderson (r.) und Björn Ulvaeus dabei.

© dpa

Eine einsame Möwe zieht krächzend über den türkisfarbenen Fluten ihre Bahn. Gelassen schaukeln die Schaluppen im Hafen von Komiza. Und viele Müßiggänger auf den Kneipenterrassen unter den imposanten Palmen an der „Riva“ des verschlafenen Fischerorts auf der kroatischen Insel Vis freuen sich aufs abendliche Kino: Denn „Mamma Mia – Here We Go Again“ läuft auch im Freiluftkino von Komiza. Zehn Jahre nach Teil eins flimmert nun die Rückkehr der Mamma-Mia-Protagonisten auf die griechische Filminsel Kalokairi über die Leinwand.

Nirgendwo war das Warten darauf größer als auf Vis: Denn die Fortsetzung des Kassenschlagers wurde auf Kroatiens am weitesten vom Festland entfernter Insel gedreht. Vor allem die Bewohner von Komiza erinnern sich gerne und mit Wehmut an die wochenlange Invasion der Hollywood-Stars im letzten Spätsommer.

Die Filmstars hätten normal und entspannt gewirkt. „Ganz anders als auf dem roten Teppich“, vor allem, wenn sie mit Badelatschen in den Cafés gesessen hätten, erzählt die Familienmutter Ivanka Mardesic, die in ihrem Laden an der Riva Besuchern selbst gemachte Zitronenmarmelade, eingelegte Kapern, Johannisbrotmehl oder Olivenöl verkauft. Pierce Brosnan, einer der Hauptdarsteller, habe „ noch besser als im Film ausgesehen“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Nur Colin Firth schien laut Ivanka vor Starallüren nicht gefeit – und eine Sonderbehandlung zu erwarten: „Aber auch wenn die Queen auftauchen würde, ließen sich die Leute hier kaum aus dem Häuschen bringen.“ Nein, ein Foto von Brosnan als Gast auf seiner Terrasse habe er nicht, erzählt Boris Simic, der umgängliche Wirt des Riva-Restaurants Konoba Koluna: „Er ist ein sympathischer Kerl, ein Supertyp. Ich wollte ihn hier seinen Wein genießen lassen – und nicht belästigen.“

Auch steuerliche Anreize für Filmproduktionen in Kroatien sollen für die Mamma-Mia-Macher ein Anlass gewesen sein, die Filmtrauminsel Kalokairi von der griechischen Ägäis in die kroatische Adria zu verlegen. Entsetzt auf den Umzug reagierten die Bewohner von Skopelos, der griechischen Insel, die als Kulisse des ersten Mamma-Mia-Films 2008 diente. Die Inselbewohner seien „verärgert“, hielt Bürgermeister Christos Vailoudis mit seiner Empörung nicht hinter dem Berg: „Der Film war sehr wichtig für uns und den Tourismus.“

Doch eine bessere Wahl als Komiza hätten die Filmemacher kaum treffen können. Da die von Bunkern ausgehöhlte Insel zu Zeiten des zerfallenen Jugoslawien gesperrt war, ist ihr trotz malerischer Strände und unberührter Buchten der Massentourismus erspart geblieben. Die frühere Fischkonservenfabrik von Komiza diente als Maskenraum, Garderobe und Kantine. Am Anlegesteg der Barjak-Bucht unweit von Komiza wurde eine Kulissenstadt aufgebaut, vor der ein Großteil der Außenaufnahmen gedreht wurde.

„Es gibt hier niemanden, der an den Dreharbeiten nicht verdient hätte“, sagt Ivanka. Die Hollywood-Gäste könnten gerne wiederkommen. „Wir fanden es alle schade, als sie gingen.“

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