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Donnerstag, 06.07.2017

Kritik am Ersatz für die Bahnlinie

Der neue Busverkehr zwischen Meißen und Döbeln ist gar nicht erfolgreich, sagt ein Kreisrat. Wird hier getrickst?

Von Marcus Herrmann

Die Lösung, die Regionalbahn zwischen Döbeln und Meißen zugunsten eines Ersatzbusverkehrs einzustellen, sei der falsche Weg, sind Kritiker sicher. Einer von ihnen fordert ein Umdenken.
Die Lösung, die Regionalbahn zwischen Döbeln und Meißen zugunsten eines Ersatzbusverkehrs einzustellen, sei der falsche Weg, sind Kritiker sicher. Einer von ihnen fordert ein Umdenken.

© André Braun

Döbeln. Die Zahlen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) vom Frühjahr dieses Jahres ließen so manchen neutralen Beobachter staunen: Nach dem umstrittenen Ende der Regionalbahn 110 zwischen Meißen, Nossen und Döbeln erfreue sich der Ersatz durch Busse großer Beliebtheit. Die Fahrgastzahlen seien im vergangenen Jahr auf 115 500 gestiegen. Im Zugverkehr waren es dagegen zuletzt 89 650 Fahrgäste – macht ein sattes Plus von 25000. Ist die kostensparende Stilllegung der Bahnstrecke zugunsten des Transportes per Bus also eine gute Idee gewesen?

Nein, sagt der Nossener Peter Wunderwald, Kreisrat der Fraktion SPD/Grüne/Piraten. Bei den angegebenen Zahlen des VVO handele es sich „um ein Täuschungsmanöver, das den Zweck erfüllt, den Misserfolg des Busnetzes zu kaschieren.“ Nach seiner Rechnung kommen die gestiegenen Fahrgastzahlen zustande, weil alle Buslinien addiert worden seien, die die ehemalige Regionalbahn Meißen–Nossen–Döbeln ersetzen. „Im Gegensatz zur Bahnlinie, wo jeder Fahrgast nur einmal gezählt wurde, wird die Buslinie in Nossen gebrochen. Umsteigende Fahrgäste werden dann einfach ein zweites Mal mitgezählt“, so Wunderwald in einer Pressemitteilung seiner Fraktion.

Anders als durch den VVO dargestellt, hätte sich die tatsächliche Fahrgastzahl um fast 30 000 verringert. „Außerdem wurden der ehemaligen Regionalbahn 110 die Buslinien 424, 412, 416, 418 und 750 gegenübergestellt. Aber nur zwei der fünf Linien bedienen den unmittelbaren Einzugsbereich der alten Bahnstrecke“, so Wunderwald. Hinzu kommt nach seiner Auffassung, dass die stark frequentierte Buslinie 424 zwischen Wilsdruff und Dresden einfach dem Nossener Busnetz zugerechnet wurde. Das beschönige die „unseriöse“ Statistik des VVO zusätzlich.

Die Realität sieht laut Wunderwald so aus: „Außerhalb des Berufs- und Schulverkehrs sitzen selten mehr als fünf Reisende in den Bussen. Verspätungen von fünf bis 15 Minuten zwischen Nossen und Dresden sind die Regel. Dadurch verpassen Reisende ihre Anschlusszüge.“ In Döbeln komme es zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Diese Tatsachen bestätigten die Vorhersagen der Bahnbefürworter vollends. „Deshalb benötigt die Region Döbeln – Nossen – Meißen eine Eilzugverbindung nach Dresden und Leipzig“, fordert Wunderwald in der Presseerklärung. Der aufgeblähte Busersatzverkehr entspreche keinesfalls den Wünschen der Menschen in der Region. „Das haben die über 25 000 Unterschriften aus den Jahren 2011 und 2014 für den Erhalt der Regionalbahn 110 deutlich gemacht“, sagt Wunderwald.

Konfrontiert mit den Vorwürfen des Kreisrats bestätigt VVO-Pressesprecher Christian Schlemper gegenüber der SZ: „Die Fahrgastzahlen enthalten auch Personen, die umsteigen und daher doppelt gezählt wurden.“ Aus zweierlei Gründen sei diese Zahl aber sehr gering. So seien in der Vergangenheit nur zwei Fünftel der Fahrgäste im Zug über die gesamte Strecke gefahren. Dieses Verhältnis verringere sich eher weiter. „Denn der Großteil der Reisenden, die von Döbeln nach Meißen fahren, nutzt die direkte Linie 416“, sagt Christian Schlemper.

Nach Auffassung des VVO bestätigen die steigenden Fahrgastzahlen das gute Angebot für die ganze Region. Das Busnetz sei nicht aufgebläht. Es ermögliche im Gegenteil Verbesserungen für die ganze Lommatzscher Pflege, insbesondere auf den Strecken Döbeln–Meißen, Nossen–Meißen und Nossen–Dresden. Auch beim Thema Eilzug ist der VVO-Sprecher skeptisch: „Mit der Durchbindung nach Dresden würden sich die Fahrtstrecken der Züge und damit auch der Zuschussbedarf mehr als verdoppeln. Die Strecke Meißen–Nossen ist 21,8 Kilometer lang, die Strecke Meißen– Dresden Hauptbahnhof 26,8 Kilometer.“ Von einer Verbesserung sei nicht auszugehen, zumal die Fahrgastzahlen schon während des Eisenbahnverkehrs sehr niedrig waren. Die Details zum Busverkehr, so Schlemper, seien umfangreich untersucht worden und öffentlich einsehbar.

Die Studie: www.vvo-online.de/de/vvo/projekte-tagungen/rb-110-neues-busnetz-248.cshtml