erweiterte Suche
Samstag, 15.09.2018

Kriminologe Pfeiffer kritisiert Missbrauchsstudie

Das Papier zum sexuellen Missbrauch weise „große Schwachpunkte“ auf. So habe es schwere methodische Mängel.

6

Kriminologe Christian Pfeiffer
Kriminologe Christian Pfeiffer

© dpa

Hamburg. Der ehemalige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sieht bei der Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche „große Schwachpunkte“. „Bei dieser Studie hat es nicht die große Befragung aller erreichbaren Betroffenen gegeben, die eigentlich stattfinden müsste“, sagte Pfeiffer dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dies wäre aber besonders wichtig gewesen: „Je gläubiger die Missbrauchsbetroffenen sind, desto schwieriger ist es für sie, ihre Geschichte zu bewältigen.“

Zudem kritisierte der Kriminologe, dass die an der Studie beteiligten Forscher der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen nicht selbst die kirchlichen Akten durchforsten durften. Das sei „ein schwerer Fehler“, sagte Pfeiffer. Er forderte eine Folgestudie, „damit mehr Licht in dieses Dunkelfeld kommt“. Pfeiffer hatte ursprünglich die Studie selbst erstellen sollen, brach den Auftrag aber 2013 ab. Schuld daran seien vor allem die Diözesen München und Regensburg gewesen, sagte Pfeiffer. Diese hätten darauf gedrängt, den Vertrag zu ändern, „bis hin zu regelrechter Zensur“, sagte der Kriminologe.

Die von der Deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie soll am 25. September auf der Herbst-Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden. Nach Berichten des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ nennt die Studie zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen. (epd)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 6 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. R.B.

    Für mich ist Herr Pfeiffer ein Demagoge und kein Wissenschaftler. Ich denke daran, was er über DDR-Bürger, weil sie als Kind gemeinsam in der Kinderkrippe auf dem Töpfchen saßen, für denunzierenden Unsinn gequatscht hat. Er hat sich bis heute dafür nicht entschuldigt!

  2. R.B.

    Der Umgang mit Kritik an Pfeiffer beweist folgendes: Der ehem. DDR-Bürger kann beleidigt werden und man kann ihm sinnloses Zeug unterstellen. Leute aber wie diese werden immer in Schutz genommen, Hauptsache der politische Richtstoß stimmt!

  3. Wolle

    Wir schreiben das 21. Jh. Und da wird immer noch versucht, Missstände, Verbrechen und Fehler der kath. Kirche zu verharmlosen oder gar in Zweifel zu stellen. Aber das tun ihre Kirchenfürsten und bornierten Anhänger bereits seit ihrem Bestehen.

  4. Dr. Watson

    Religionen haben das Leben der Menschen seit Jahrhunderten und haben diese missbraucht, um eigene Machtansprüche zu erhalten und auszubauen. Bei der Missionierung von Völker anderer Kontinente ging die Kirche über Leichen. Seit 1945 ist in Ost wie West eine Abnahme der Bindung zu Kirche festzustellen. Es gibt die Wohltat der guten Tat und der Nächstenliebe. Dafür wird aber kein Bekenntnis zu einer Religion benötigt. Jede Religion die behauptet es gibt ein Gott, die den Menschen sagt wo es lang geht, ist eine Beleidigung für jeden aufgeklärten Menschen. Die katholische Kirche redet immer von Nächstenliebe und wir müssen allen helfen. Wenn ein Mann aus dem katholischen Dienst entlassen werden soll, weil er ein zweites Mal geheiratet hat, wenn Kinder im Namen der Religion unterdrückt, misshandelt und missbraucht werden, dann passt die Religion nicht in 21. Jh. Kirchen kämpfen nicht gegen das Bevölkerungswachstum in Afrika, wollen aber alle Flüchtlinge in Europa ohne selber dafür zu zahlen

  5. MajorKong

    @3 u. 4: Ach ja, die übliche "aufklärerische" "Kirchen-und Religionskritik", als ob seitdem aufklärerische, "wissenschaftliche" Weltanschauungen mehr und mehr an Einfluss gewonnen haben, die Leichenberge kleiner geworden wären. Die Mißbrauchsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass es in einem Zeitraum von 68 Jahren 3677 sexuelle Vergehen von 1670 Tatverdächtigen gegeben hat. Es wäre zu fragen, welchen Anteil machten diese 1670 Tatverdächtigen an den in diesem Zeitraum in der katholischen Kirche in Deutschland insgesamt tätigen Geistlichen aus? Kamen die hier in Rede stehenden Straftaten damit unter katholischen Geistlichen in diesem Zeitraum häufiger vor als a) im Durchschnitt der männlichen Gesamtbevölkerung, b) bspw. durch männliche Verantwortliche in Sportvereinen? Diese Informationen sind aus meiner Sicht wichtig, um die Ergebnisse der Studie einordnen und bewerten zu können.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.