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Donnerstag, 14.06.2018

Kriegsgräber bieten traurigen Anblick

Vor über einem Jahr demolierten Diebe in Pulsnitz über 50 Grabkreuze. Bisher blieb die Reparatur aus. Das sorgt für Kritik.

Von Reiner Hanke

Über 54 Grabkreuze wurden auf dem Friedhof in Pulsnitz demoliert. Die Reparatur zieht sich hinaus. Das sorgte für Kritik im Stadtrat.
Über 54 Grabkreuze wurden auf dem Friedhof in Pulsnitz demoliert. Die Reparatur zieht sich hinaus. Das sorgte für Kritik im Stadtrat.

© privat

Pulsnitz. Es ist ein erbärmlicher Anblick: In mehreren Reihen stehen die Kreuze der Kriegsgräberstätte auf dem Pulsnitzer Friedhof. Eines wie das andere demoliert, von Metalldieben vermutlich. Die rissen bei Nacht und Nebel Mitte März des Vorjahres das Kupfer mit Gewalt von den kleinen Dächern auf den Kreuzen. Dadurch seien auch die Kreuze teilweise schwer beschädigt worden, schätzte die Stadt vor einem Jahr ein. Bürgermeisterin Barbara Lüke sagte damals, sie sei völlig sprachlos angesichts dieser sinnlosen Zerstörungswut.

Ein Friedhofsmitarbeiter hatte die Zerstörung entdeckt. Die Kirchgemeinde habe sofort die Polizei und die Stadt verständigt, so Pfarrerin Maria Grüner damals. Sie kritisierte die Respektlosigkeit gegenüber den Toten. Seit März 2017 bieten die Kreuze nun einen traurigen Anblick. Über die Gräber rankt sich Efeu. Auf manchem stehen sogar Blumen, sie werden möglicherweise von Angehörigen besucht. Für sie dürfte dieser Anblick besonders schlimm sein. Pfarrerin Maria Grüner ist dieser Zustand bewusst. Die Kirchgemeinde werde auch immer wieder von Pulsnitzern dazu angesprochen. Die Kriegsgräberstätte liege aber nicht in der Verantwortung der Kirchgemeinde, der seien die Hände gebunden.

Nach dem sächsischen Gesetz ist die Stadt in der Verantwortung, die Stätte zu erhalten. Dort kam das Thema jetzt wieder auf den Tisch. Weil sich seit März des Vorjahres nichts auf dem Friedhof an den Kreuzen getan hat, brachte der Pulsnitzer Stadtrat Ingolf Klotzsche den Fall jetzt in der jüngsten Ratssitzung wieder ins Gespräch. Ob es denn noch vor dem nächsten Winter etwas werde, fragte er und kritisierte den langen Zeitverzug. Wie ist der entstanden? Die Straftat fiel in einen Zeitraum, in dem die städtische Baubehörde mit Personalmangel und auch Schwierigkeiten auf der Leitungsebene zu kämpfen hatte. Erst mit dem neuen Leiter des Fachbereichs, Kay Kühne, kam wohl im Herbst 2017 wieder Bewegung in die Sache. Es habe eine Begehung gegeben. Dabei sei festgestellt worden, so Kay Kühne, dass es mit neuen Kupferblechen nicht erledigt sei. Alle 54 Kreuze müssen komplett erneuert werden. Es habe schließlich keinen Sinn, das neue Blech auf altes morsches Holz zu bringen.

Dazu kommt das insgesamt ziemlich komplizierte amtliche Prozedere in diesen Dingen. Das sei dann mit einem Schreiben an den Verband der Kriegsgräberfürsorge weitergegangen. Dessen Einwilligung zur Reparatur sei Voraussetzung für alle weiteren Schritte. Die kam Anfang dieses Jahres und war auch Voraussetzung für den nächsten Antrag auf eine sogenannte denkmalschutzrechtliche Genehmigung bei der unteren Denkmalbehörde im Landratsamt. Der ging Anfang April raus. Die vielen fristgebundenen Bauvorhaben, die die Stadt in der Verwaltungsgemeinschaft stemmen müsse, ließen eine frühere Bearbeitung nicht zu, heißt es aus dem Rathaus. Sonst hätten im Frühjahr dringende Baumaßnahmen nicht begonnen werden können .

Ende Mai kam dann grünes Licht aus Bautzen. Die Stadt kann nun den nächsten Schritt gehen. Das ist der Antrag auf Kostenübernahme. Der geht über das Landratsamt zur Landesdirektion. Die Kosten werden derzeit mit 11 000 Euro beziffert. Bis wirklich etwas losgeht vor Ort, kann das also noch dauern. Es sehe sehr schlimm aus und sei furchtbar, dass sich die Sanierung so lange verzögere, sagt Pfarrerin Maria Grüner, „Wir hatten auch Angebote für Spenden“, sagt die Pfarrerin oder von Bürgern selbst mit Hand anzulegen bei der Reparatur. Spenden seien der Stadt durchaus willkommen, heißt es aus dem Rathaus. Denn es sei nicht klar, ob der komplette Betrag gefördert werde.