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Freitag, 15.06.2018

Kretschmer bei Globalfoundries

Sachsens Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig besuchten Donnerstagabend die Mitarbeiter der Nachtschicht von Dresdens größter Fabrik, die vor Stellenabbau und Kurzarbeit steht.

Von Georg Moeritz und Gunnar Saft

Ministerpräsident Michael Kretschmer auf Spontan-Stippvisite bei Globalfoundries und im Gespräch mit Mitarbeitern der Nachtschicht.
Ministerpräsident Michael Kretschmer auf Spontan-Stippvisite bei Globalfoundries und im Gespräch mit Mitarbeitern der Nachtschicht.

© Globalfoundries

Dresden. Werksbesuch im Dunkeln: Unmittelbar nach der Ministerpräsidenten-Konferenz in der Bundeshauptstadt sowie einem anschließenden Treffen mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zur Zukunft der Lausitzer Braunkohleregion hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am späten Donnerstagabend die Mitarbeiter der Nachtschicht im Dresdner Werk von Globalfoundries besucht.

Er informierte sich dabei über die Situation der Beschäftigten in der Mikrochip-Fabrik, denen Stellenstreichungen und Kurzarbeit angekündigt worden waren. Mit von der Partie war auch Wirtschaftsminister Martin Dulig. Seite an Seite saß das Polit-Duo in der ersten Reihe des firmeneigenen Vortragssaals und sprach zu den rund 250 Mitarbeitern der Nachtschicht.

Der Mikrochip-Hersteller Globalfoundries hatte in dieser Woche in den USA das Ziel genannt, weltweit fünf Prozent seiner Arbeitsplätze zu streichen. Laut Unternehmenssprecher Jens Drews hatte das hiesige Globalfoundries-Werk nach Wegfall eines Großauftrages Anfang der Woche entsprechend Kurzarbeit angemeldet.

Dresdens größte Fabrik ist in den vergangenen Jahren bereits von rund 4 000 auf gut 3 400 Mitarbeiter geschrumpft und soll nach Angaben eines Sprechers in diesem Sommer „im einstelligen Prozentbereich“ Stellen streichen. Der Stellenabbau soll „freiwillig“ stattfinden, also mit Abfindungen statt mit Kündigungen. Unabhängig von diesem Sparplan hat der Dresdner Globalfoundries-Geschäftsführer Thomas Morgenstern auch Kurzarbeit angekündigt, um eine „vorübergehende Unterauslastung“ der Fabrik zu bewältigen. Der Anlass sei die Einführung einer neuen Technologie für Mikrochips, für die es noch nicht genügend Nachfrage gebe.

Globalfoundries Dresden stellt derzeit einen Teil seiner Produktion um. Jahrelang waren AMD und Qualcomm die wichtigsten Kunden, die Chips für Computer und Smartphones aus Dresden bezogen. Künftig soll die Fabrik zunehmend preiswerte und Energie sparende Chips für Autos und das Internet der Dinge herstellen. Für die Auto-Industrie hat Globalfoundries in diesem Jahr die notwendigen Zertifikate als Lieferant bekommen.

Laut Morgenstern gibt es dafür bereits 36 Kunden, doch sie seien nicht so groß, und die Produktion der neuartigen Chips werde daher nicht so schnell hochgefahren wie früher üblich. Über die Details zu Stellenabbau und Kurzarbeit wollen die Manager von Globalfoundries nun mit dem Dresdner Betriebsrat verhandeln, der gerade neu gewählt worden ist. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte darauf hingewiesen, dass sich mit dem Instrument Kurzarbeit Fachkräfte im Betrieb halten lassen. Im Gegensatz zu Globalfoundries haben Bosch und Infineon zusätzliche Arbeitsplätze in der Dresdner Chip-Industrie angekündigt.

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