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Samstag, 11.08.2018

Krauschwitz rückt den Alpen näher

Fern der großen Berge konstituiert sich am Montag eine Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins. Davon haben viele was.

Von Constanze Knappe

Am 31. Juli wurde Kinderkletterfelsenanlage in Krauschwitz errichtet.
Am 31. Juli wurde Kinderkletterfelsenanlage in Krauschwitz errichtet.

© Rüdiger Mönch

Krauschwitz. Was macht der Alpenverein auf dem flachen Land? Bernd Stieler, 1. Vorsitzender der Sektion Zittau, schmunzelt bei der Frage. Es gebe 356 Sektionen in ganz Deutschland, auch eine in Rostock. Warum also nicht ebenso in Krauschwitz? Dort hat man zwar nicht solche Berge wie im Zittauer Gebirge oder gar in den Alpen, aber so ganz flach sei es ja nun auch wieder nicht. „Ganz im Gegenteil“, sagt er und verweist auf die entstehende Kletterlandschaft mit dem 18 Meter hohen Kletter- und dem drei Meter hohen Kinderfelsen.

Die Kletterlandschaft des grenzüberschreitenden Projekts „Abenteuer Neiße“ ist der Anlass für die Gründung einer Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins – Sektion Zittau. Am Montag um 17 Uhr findet die konstituierende Sitzung mit der Wahl des Vorsitzenden, seines Stellvertreters und des Kassenwarts statt. Die Ortsgruppe wird zwar über ein eigenes Budget verfügen können, aber rechtlich gesehen nicht selbstständig sein. Der Sektion Zittau gehören auch Gruppen in Görlitz und sogar im tschechischen Novy Bor an.

Kletterlandschaft passt zu 100 %

„Überall, wo Bergfreunde wohnen, schließen sie sich zusammen, um beispielsweise Alpenfahrten zu koordinieren“, erklärt Bernd Stieler. Drumherum passiert in den einzelnen Sektionen und Ortsgruppen aber noch sehr viel mehr. Das weiß auch der Krauschwitzer Bürgermeister Rüdiger Mönch. Selbst begeisterter Wanderer und Kletterer, ist er schon seit Beginn der Neunzigerjahre Mitglied in der Sektion Zittau des Deutschen Alpenvereins (DAV). Regelmäßig leistet er Dienste in der Jonsdorfer Hütte, nahm an Kletterlehrgängen im Zittauer Gebirge teil, war sogar beim Eisklettern. „Unsere Kletterlandschaft passt 100-prozentig zum Alpenverein“, ist er überzeugt. Als das Projekt in Krauschwitz gedanklich mehr und mehr Gestalt annahm, von den Felsen selbst aber weit und breit noch keine Spur war, stand schon die Frage, wie man das Ganze nach Fertigstellung denn betreuen werde. Allein aus sicherheitsrelevanten Aspekten eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Vor zwei Jahren wandte sich Rüdiger Mönch deshalb an den Vereinsvorstand der Zittauer Sektion – und stieß dort auf offene Ohren. Dennoch dauerte es seine Zeit, die Gründung der Krauschwitzer Ortsgruppe in die Wege zu leiten. Am Montag nun will man Nägel mit Köpfen machen.

Alles in allem hat Rüdiger Mönch auf seinem Zettel 25 Namen von Leuten, die vorab schon mal Interesse zur Mitarbeit bekundet haben. Etliche von ihnen sind sowieso Mitglieder des Alpenvereins, die anderen müssten es werden. Nicht alle wohnen in der Gemeinde Krauschwitz. Das aber sei auch gar nicht nötig, so Rüdiger Mönch. Er jedenfalls hofft, dass sich mit der Eröffnung der Kletterlandschaft im nächsten Jahr noch mehr Menschen für die Arbeit des Alpenvereins begeistern könnten. Schließlich gehören auch Erhalt und Pflege von Natur und Landschaft zu dessen selbstgewählten Aufgaben. Und natürlich geht es auch um den Spaß an den gemeinsamen Freizeit-Interessen.

Die neue Ortsgruppe in Krauschwitz wird sich um die Kletterfelsen kümmern und nicht nur ein Auge auf das Gipfelbuch haben. So sind regelmäßig die Griffe zu kontrollieren. Die Abseil-Automaten erfordern ebenfalls sicherheitstechnische Überprüfungen. Bei den Kinderfelsen ist auf die Halterungen zu achten, ebenso auf den Fallschutzsand, um nur einige Beispiele zu nennen. Angeleitet werden die Mitglieder der Krauschwitzer Ortsgruppe in diesen Sicherheitsfragen durch die Sektion Zittau und sie werden darüber hinaus noch anderweitig weitergebildet. Drei von ihnen haben Interesse, Übungsleiter zu werden. Ob es gelingt, in Krauschwitz eine Kindergruppe aufzubauen? Soweit möchte sich Rüdiger Mönch noch nicht aus dem Fenster lehnen. Um Kinder und ihre Eltern neugierig zu machen, veranstaltet der Alpenverein heute in einer Woche ein internes Schnupperklettern an den Felsen in Krauschwitz. Die Jugendfeuerwehr der Gemeinde wird dabei sein, Kinder und Jugendliche aus Polen und vermutlich auch der Kletternachwuchs aus Kindergruppen in Zittau.

Zittauer haben selber genug Felsen


Ansonsten, so räumt Bernd Stieler ein, werden Kletterer des Alpenvereins aus Zittau sich eher selten an den Krauschwitzer Felsen zu schaffen machen – wo man doch zu Hause Felsen gewissermaßen vor der Nase habe. Da bräuchte man nicht erst anderthalb Stunden zu fahren. Man werde die Krauschwitzer aber gern mit den Erfahrungen aus der langjährigen Zittauer Vereinsarbeit unterstützen.

Der Deutsche Alpenverein – Sektion Zittau ist zweitgrößter Sportverein im Landkreis Görlitz mit 1100 Mitgliedern, darunter Mountainbiker und sogar Gymnastinnen. Dass sich mit der Ortsgruppe in Krauschwitz die Chance bietet, im Norden des Kreises noch mehr Menschen für die Berge und den Sport zu begeistern, ist gemeinsames Anliegen. Dafür lohnt sich der Weg von Zittau nach Krauschwitz, so Stieler.

Konstituierende Sitzung am 13. August um 17 Uhr in der Gaststätte „Kombüse“ der Erlebniswelt Krauschwitz. Interessenten sind dazu herzlich willkommen.