erweiterte Suche
Sonntag, 16.09.2018

Krankes Pussy-Riot-Mitglied in Berlin

Die Band-Mitglieder sprechen von einem Mordanschlag. Nun ist Pussy Riot-Aktivist Wersilow in Berlin angekommen. Spezialisten sollen feststellen, ob der als „Flitzer“ vom WM-Endspiel bekannt gewordene Mann vergiftet worden sein könnte.

Bild 1 von 3

Medienberichten zufolge fanden Ärzte im Blut von Pjotr Wersilow starke Psychopharmaka.
Medienberichten zufolge fanden Ärzte im Blut von Pjotr Wersilow starke Psychopharmaka.

© Archivbild/Pavel Golovkin/AP/dpa

  • Medienberichten zufolge fanden Ärzte im Blut von Pjotr Wersilow starke Psychopharmaka.
    Medienberichten zufolge fanden Ärzte im Blut von Pjotr Wersilow starke Psychopharmaka.
  • Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.
    Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.
  • Die „Flitzer“ wurden daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.
    Die „Flitzer“ wurden daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.

Berlin/Moskau. Das möglicherweise vergiftete Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, Pjotr Wersilow, wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einem Berliner Krankenhaus ärztlich behandelt. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass Wersilow am späten Samstagabend mit einem Ambulanz-Flugzeug in Berlin-Schönefeld gelandet sei.

Ein Sprecher des Airports bestätigte die Ankunft eines aus Moskau kommenden Ambulanz-Fliegers. Die Maschine sei um 22.45 Uhr gelandet. Wersilows Ex-Partnerin Nadeschda Tolokonnikowa veröffentlichte auf Twitter Bilder und ein Video, die offenbar bei der Ankunft Wersilows auf dem Berliner Flughafen aufgenommen wurden.

Nach Informationen der „B.Z.“ wurde Wersilow in der Berliner Charité eingeliefert. Die Klinik war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Pussy-Riot-Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Die „Flitzer“ wurden daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.

Am Donnerstag war Wersilow in ein Moskauer Krankenhaus gebracht worden. Pussy-Riot-Mitglieder mutmaßen, er sei vergiftet worden und schwebe in Lebensgefahr. Er habe nach einem Gerichtstermin zwei Tage zuvor kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können. Er habe auch das Bewusstsein verloren. Nach Medienberichten fanden Ärzte in seinem Blut starke Psychopharmaka.

Tolokonnikowa sagte der „Bild“-Zeitung, sie gehe davon aus, dass ihr Ex-Partner mit Absicht vergiftet worden sei und dass es entweder um Einschüchterung oder sogar einen Mordanschlag gehe.

Die Freundin des Erkrankten, Veronika Nikulschina, hatte am Samstag der Internetzeitung „Meduza“ gesagt, ein Freund von Wersilows Vater, der in einer Berliner Klinik arbeite, solle die Behandlung außerhalb Russlands angeboten haben. Sie selbst und Wersilows Mutter Elena wollten ihn nach Berlin begleiten.

Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden. Tolokonnikowa, mit der Wersilow eine Tochter hat, war 2012 nach einem „Punk-Gebet“ in einer Kirche verhaftet und wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu Haft verurteilt worden. Sie kam Ende 2013 frei. (dpa)