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Freitag, 15.06.2018

Krabatfestspiele und ihr Erfolgsrezept

Veranstalter und Mitwirkende fiebern der Premiere entgegen. Auch 2018 waren die 9 000 Karten viel zu schnell weg.

Von Constanze Knappe

Festspielleiter Peter Siebecke, Autor Michael Kuhn und der künstlerische Leiter Alexander Siebecke (v.li.) fiebern der Premiere entgegen. Ministerpräsident Michael Kretschmer übernahm die Schirmherrschaft.
Festspielleiter Peter Siebecke, Autor Michael Kuhn und der künstlerische Leiter Alexander Siebecke (v.li.) fiebern der Premiere entgegen. Ministerpräsident Michael Kretschmer übernahm die Schirmherrschaft.

© Constanze Knappe

Auf Hochtouren laufen die Proben. Das ist Alexander Siebecke sogar anzusehen. Die hochsommerlichen Temperaturen der vergangenen Woche zauberten dem künstlerischen Gesamtleiter der Krabat-Festspiele 2018 eine beneidenswerte Bräune ins Gesicht. „Die typische Schwarzkollmer Mühlenbräune“, wie er schmunzelnd sagt. Bei den Proben habe man ganz schön geschwitzt. Die wochenlange intensive Arbeit geht dem Höhepunkt entgegen: der Premiere am 28. Juni in Schwarzkollm (Generalprobe am 27. Juni).

Nach sechs Folgen seit 2012 beginnt in diesem Jahr mit „Krabat – in der Dunkelheit des Licht‘s“ ein neuer Zyklus. Eigentlich, so hieß es bei der Vorstellung der Akteure gestern im Autohaus Kieschnick in Hoyerswerda, sei die Sage um Krabat „in wenigen Minuten erzählt“. Müller, zwölf Müllerburschen, Mühle, Kantorka und Beifall, zählt Alexander Siebecke die Zutaten fürs Theater auf. Die Kunst bestehe darin, dennoch etwas Neues zu finden. Und das ist 2018 der Part von Michael Kuhn. Der in Hoyerswerda geborene Autor und Schauspieler ist nicht nur seinem Dresdner Publikum bekannt. „Es steht uns nicht an, die Sage zu verändern, aber wir können nach anderen Aspekten suchen“, schildert er sein Herangehen. Mit der Frage als Ausgangspunkt, wie der Schwarze Müller zum Schwarzen Müller geworden ist und warum er auf der linken Seite eine Augenklappe trägt. Michael Kuhn selbst taucht im Stück in der Figur des Juro auf. Dabei handelt es sich um einen der ersten Müllerburschen. Dieser stellt sich dumm, weil er dahintergekommen ist, dass immer der klügste Müllerbursche verschwindet. Auf der Suche danach, wie Juro den Schwarzen Müller besiegen kann, kommt ihm „Krabat als Lichtgestalt“ gerade recht ...

Was da wie im Einzelnen passiert, lassen sich die Veranstalter nicht entlocken. Mehr als 300 Beteiligte werden auch 2018 dafür sorgen, dass die Krabat-Festspiele mit 15 Vorstellungen bis zum 15. Juli zu einem tollen Erlebnis werden. Neun professionelle Darsteller, dazu 72 Statisten, unter ihnen 14 Kinder, zudem fünf Pferde, Tauben und ein Frosch kommen im Stück vor. Bis zu 70 Helfer sichern pro Abend die Vorstellungen ab. Und dann lassen sich künstlerischer Leiter und Autor doch noch ein bisschen in die Karten gucken: Die Zwillinge Anton und Richard Fuchs aus Lauta sowie Vivien Fischer aus Bröthen avancieren zu Hauptdarstellern. Alle drei sind schon länger „mit sehr viel Herzblut“ dabei. Um sie nicht zu überfordern, wurden ihnen die Rollen sozusagen auf den Leib geschrieben. Für die Zwillinge, die ihr Abitur so gut wie in der Tasche haben, wird es der letzte Einsatz bei den Krabat-Festspielen sein, bevor sie in die Welt ziehen, wie es Festspielleiter Peter Siebecke formuliert. „Deshalb lassen wir sie noch mal glänzen“, sagt er. Regisseur Uli Schwarz, der zweite Neue im Gestalterteam, trägt dafür die Verantwortung.

Authentizität als Erfolgsrezept

Im vorigen Jahr waren 9 000 Zuschauer dabei, bei der Erstauflage 2012 gerade mal in vier Vorstellungen jeweils 300 Gäste. Das Erfolgsgeheimnis des Sommerspektakels liegt in der Authentizität. Angefangen von der „Landschaft als wunderschöne Gegend“, wie es Stadtmensch Michael Kuhn empfindet. Über die Laiendarsteller und Statisten, die nach dem Motto „Ein Dorf macht Theater“, aus Schwarzkollm und Umgebung stammen. Bis hin zu den Details. So stammt das Kirchengeläut nicht etwa aus dem Archiv, dafür wurde extra der Klang der Glocken in Schwarzkollm aufgenommen. Alltags- und Abendmahlstrachten kommen ebenfalls vor. „Die Vielfalt der Trachten und Bräuche, das macht uns aus“, erklärt Tobias Zschieschick. Der Geschäftsführer der Krabatmühle Schwarzkollm gGmbH verweist auf das gemeinsame Anliegen, bei den Krabat-Festspielen immer auch das Sorbische zu präsentieren. „Und diese Traditionen sind ja nicht künstlich auf die Bühne gebracht, sie sind im Alltag lebendig“, begründet Autor Michael Kuhn. Ihn fasziniere, dass selbst junge Leute in Tracht in Tanzgruppen aktiv sind. Dass viele Beteiligte, selbst Kinder, Sorbisch können und damit wissen, was sie sprechen und singen, auch das macht Authentizität und den Erfolg der Krabat-Festspiele aus.

Die Zuschauer kommen von Schweden bis Italien. Gestartet war man 2012, um das Areal an der Schwarzen Mühle in Schwarzkollm touristisch zu beleben. Inzwischen sind die Krabat-Festspiele bei Reiseanbietern sehr beliebt. Online ist der Run auf die 600 Plätze pro Vorstellung ebenfalls riesig. Die Erweiterung sei schwierig und den Statisten nicht so einfach zuzumuten, so Peter Siebecke. „Wir machen uns Gedanken, wie wir es weiter erschließen können. Aber doppelte Besetzung würde auch doppelte Kosten bedeuten“, sagt er. Einfach eine Tribüne aufzubauen, lehnt er bislang ab. Es würde das Flair zerstören. Enttäuschten Interessenten, die leer ausgingen, bleibt nur die Hoffnung aufs nächste Jahr.

Die Krabat-Festspiele 2018 vom 27. Juni bis 15. Juli sind ausverkauft. Start des Kartenvorverkaufs für die Vorstellungen im nächsten Jahr ist am 14. Januar 2019.