erweiterte Suche
Freitag, 09.11.2018

Kontroverse um Kohlelagerplatz

Sollen auch Wohnungen gebaut oder nur ein Bürgerpark – darum ging es im Stadtrat.

Von Udo Lemke

Die Luftaufnahme zeigt das strittige Areal des ehemaligen Kohlelagerplatzes zwischen Eisenbahn und Triebisch.
Die Luftaufnahme zeigt das strittige Areal des ehemaligen Kohlelagerplatzes zwischen Eisenbahn und Triebisch.

© Holger Metzig

Meißen. Die Verwaltung wird beauftragt, die Möglichkeiten einer Wohnbebauung am Standort ehemaliger Kohlelagerplatz zu prüfen.“ So lautete der Antrag der Fraktion Unabhängige Liste Meißen/FDP, den Stadtrat Holger Metzig für diese am Mittwoch vortrug. „Meißen braucht junge Familien und an diesem Standort ergeben sich gute Voraussetzungen um attraktive Wohnangebote zu schaffen“, erklärte er. Positiv sei die direkte Anbindung an die S- Bahn nach Dresden, die Nähe zu Schule, Kita, Einkaufszentrum und Sportplatz. „Probleme wie Hochwasserschutz und Altlasten sind natürlich zu untersuchen und zu berücksichtigen.“

Nachdem sich bereits der Bauausschuss für den Prüfauftrag an die Stadtverwaltung ausgesprochen hatte, sollte nun auch der Stadtrat dafür stimmen. Allerdings gibt es bereits Stadtratsbeschlüsse, die die Errichtung eines Bürgerparks mit Spiel- und Erholungsangeboten auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz vorsehen. Jedoch, so Metzig, hätten sich die Prognosen für die Stadtentwicklung in Meißen sehr positiv verändert. Der Stadtrat habe sich in der Sondersitzung im August erstmals wieder mit dem Thema eines möglichen Bevölkerungswachstums beschäftigt. „Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, kann man am Kohlelagerplatz durch die Verbindung von Park und Wohnen noch mehr für Meißen, insbesondere für das Triebischtal, erreichen? Die aktuellen sozialen Probleme in diesem Gebiet sind allen Stadträten bekannt.“

Ingolf Brumm von der Initiative „Bürger für Meißen – Meißen kann mehr“ erläuterte deren Position. Der Plan, einen Teil des ehemaligen Kohlelagerplatzes zur Bebauung mit höherwertigem Wohnraum für besser „Betuchte“ zu nutzen, werde gnadenlos scheitern und neuen Ärger provozieren. „Wer zehn Euro Miete bezahlen soll, wird sich weder mit dem Eisenbahnlärm noch mit freudig spielenden Kindern arrangieren und schon gar nicht mit Jugendlichen, die nach dem Sandmann noch auf den Liegewiesen verweilen möchten.“

Die Bürgerinitiative fordere, dass jeder Quadratmeter der Fläche ausschließlich als Bürgerpark genutzt werden solle. Die Ufer der Triebisch müssten naturnah gestaltet werden und genügend Raum zur Hochwasseraufnahme haben. Dort sollten Freibad-, Matsch- und Wasserspielflächen entstehen. „Damit können wir in relativ kurzer Zeit dem Wunsch der Meißner Bevölkerung nach einer Freibadgelegenheit, vor allem für sozial schwache Familien mit Kleinkindern, Rechnung tragen.“

Nach Vorstellung der Bürgerinitiative sollte der Bürgerpark so gestaltet werden, dass ihn die Triebischtalschule und die anliegenden Kindergärten nutzen könnten. Wanderwege, Sportgelegenheiten, Freizeitbereiche, Lehrtafeln zu Flora und Fauna und vor allem ein Schulgarten, sollten Bestandteil dieses Projektes werden. „Damit entfallen völlig sinnlose Geldausgaben zur Umnutzung der alten Molkerei.“

Überhaupt solle der künftige Bürgerpark als eine Art Freilandschule gestaltet werden. Er könne für Heimatkunde, Biologie, Physik aber auch für Mathematik genutzt werden. Die Nutzung des Parks als Mathematikzimmer mit Herrn Dr. Dr. Herrmann wäre der besondere Clou. „Vorstellbar wäre die Gestaltung eines technischen Parks unter Einbeziehung des Straßenbahndepots inklusive historischer Straßenbahn, des alten Bahnhofes und der noch vorhandenen Substanz aus über 100 Jahren Verkehrsgeschichte.“

Brumm erklärte, dass das Triebischtal genügend Raum für Wohnbebauungen, gerade auch für höhere Ansprüche bietet und nannte einige Standorte, so die Höroldtstraße und die alte Molkerei.

Die Stadträte stimmten mit 13 Stimmen für die Prüfung einer Wohnbebauung auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz. Es gab sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.