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Donnerstag, 08.03.2018

Konsequenzen nach der Brandrede

Das Training ist straffer als üblich – aber was wird Dynamos Trainer personell verändern?

Von Daniel Klein

Auch Schreien half nichts. Uwe Neuhaus hatte nach dem Spiel einen ganz dicken Hals.
Auch Schreien half nichts. Uwe Neuhaus hatte nach dem Spiel einen ganz dicken Hals.

© Robert Michael

Die Aussagen sind unmissverständlich. „So kann man in der zweiten Liga nicht bestehen.“ Oder: „Wenn man den Gegner zu solchen Geschenken einlädt, dann wird es richtig happig.“ Und: „In den nächsten Tagen wird es lustig.“ Die Zitate stammen alle von Uwe Neuhaus, gesagt hat das Dynamos Trainer aber nicht nach der Heimniederlage gegen Darmstadt am vergangenen Freitag, sondern vor gut einem halben Jahr nach dem 2:3 in Bochum.

Passen würden sie aber hundertprozentig auch zur jetzigen Situation, was vor allem eines zeigt: Dynamos Probleme mit den ständigen Aufs und Abs sind keine neuen, sondern altbekannte. Neuhaus neigt nicht zu Brandreden und öffentlicher Kritik, er favorisiert eher die schützende Hand. Es muss ihm also schon etwas gehörig gegen den Strich gehen, wenn er verbal derart ausholt. „Das wird Konsequenzen haben“, hatte er am Freitagabend angekündigt. Nur welche sind das konkret?

Los ging es am Tag danach mit der Videoanalyse, die etwas länger dauerte als üblich. „Da ist es ein bisschen lauter geworden“, berichtete Marcel Franke beim Fußballtalk 19:53. Auch die Trainingseinheiten Anfang der Woche seinen „schön straff“ gewesen, da „ging es ordentlich zur Sache. Aber das muss ja auch so sein in unserer Situation“, meinte der vom englischen Zweitligisten Norwich City ausgeliehene Innenverteidiger. Laut Philip Heise, bei beiden Darmstädter Treffern der Hauptschuldige, lag der Schwerpunkt auf Laufeinheiten und Krafttraining.

Man könnte das auch mit Straftraining übersetzen, wobei dies nicht übertrieben werden darf. Knüppelhartes Konditionsbolzen, bei den Spielern besonders unbeliebt, ist in dieser Saisonphase völlig kontraproduktiv, weil dadurch die Spritzigkeit verloren geht.

Blieben noch die personellen Konsequenzen, doch da sind die Alternativen überschaubar. Gefragt wären Führungsspieler, die in kritischen Phasen die Nebenleute antreiben können. Sören Gonther, Marco Hartmann und Pascal Testroet werden nach ihren schweren Verletzungen aber auch am Freitag gegen Heidenheim fehlen. Infrage käme aufgrund seiner Erfahrung Andreas Lambertz, der jedoch auf dem Platz kein Lautsprecher ist und in diesem Jahr noch keine Minute gespielt hat.

Unzufrieden mit seiner Reservistenrolle war zuletzt Haris Duljevic, mit seiner Schnelligkeit und Technik wäre er auf jeden Fall eine Bereicherung fürs Offensivspiel. Allerdings fiel er nach seiner Einwechslung gegen Darmstadt vor allem durch übermotivierte Abschlüsse und ständiges Meckern auf. „Wir haben nur noch reklamiert“, sagte Neuhaus und meinte damit wohl auch Duljevic.

Womöglich greift der Trainer zu einer ungewöhnlichen Maßnahme und kopiert Bielefelds Trainer Jeff Saibene. Der hatte zuletzt nur 17 Spieler für eine Zweitligapartie nominiert, also einen Platz im Kader freigelassen. Ihm hatte beim Training „einiges nicht gepasst“, deshalb habe er „konsequenterweise so entschieden“. Bielefelds Gegner war übrigens Heidenheim.

Neuhaus hatte von seiner Mannschaft Erklärungen eingefordert. Doch für Franke ist die Leistung vor allem in der zweiten Halbzeit weiterhin „unerklärlich“. Es fehle die Durchschlagskraft, auch ein Standardtor würde mal guttun, findet der 24-Jährige. Richtige Erklärungen sind das aber noch nicht.

Nach der Wutrede von Neuhaus in Bochum folgten erst ein Unentschieden, dann ein Sieg gefolgt von einer Niederlage. Eine Langzweitwirkung hatte sie also nicht.

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