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Freitag, 10.08.2018

Kommt noch jemand?

Der Landkreis Görlitz ist auf eine mögliche neue Flüchtlingswelle gut eingestellt – auch wenn es derzeit nicht danach aussieht.

Die Stadtbrücke in Görlitz, auch hier gab es in jüngster Vergangenheit Kontrollen.
Die Stadtbrücke in Görlitz, auch hier gab es in jüngster Vergangenheit Kontrollen.

© nikolaischmidt.de

Görlitz. Die Bundesregierung stellt sich wohl auf eine neue Flüchtlingswelle ein. Derzeit kommen offenbar vor allem in Spanien viele Geflüchtete an. „Wir befürchten, dass sich viele Migranten auf den Weg nach Frankreich, den Beneluxländern und Deutschland machen könnten“, sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Helmut Teichmann, unlängst der „Bild am Sonntag“.

Erstmals seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 seien im ersten Halbjahr 2018 mehr Bootsflüchtlinge in Spanien angekommen als in Italien. In Spanien waren es rund 23500. Laut der Internationalen Organisation für Migration stammen die meisten aus afrikanischen Krisenländern südlich der Sahara sowie aus Marokko, Mali und Mauretanien. Wie viele von ihnen nach Deutschland kommen, ist offen.

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Keine Prognose über Zuweisungen vom Bund und vom Freistaat

Dem Landratsamt in Görlitz liegen derzeit keine Zahlen vor, wie viele Flüchtlinge in der nächsten Zeit eintreffen werden. Aber: Der Kreis sei vorbereitet, so Landratsamtssprecherin Julia Bjar. „Bezüglich der Unterbringungs- und Arbeitsstrukturen ist der Landkreis Görlitz auch bei möglichen größeren Schwankungen der Zuweisungszahlen gut aufgestellt“, teilt sie mit. Derzeit sind die Heimunterkünfte im Landkreis Görlitz zu ungefähr 84 Prozent belegt. Von 826 Plätzen Gesamtkapazität sind 135 Plätze nicht belegt.

Eine Unterbelegung in dieser Größenordnung ist notwendig, da immer für zu erwartende Neuzuweisungen die entsprechenden Plätze vorzuhalten sind, so das Landratsamt. Sollte erneut eine größere Zahl von Asylsuchenden aufgenommen werden müssen, könne der Landkreis flexibel reagieren und die Kapazität nach Bedarf erhöhen. Derzeit bekommt der Landkreis Görlitz etwa 30 Personen pro Monat neu zugewiesen.

Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge im Kreis geht bisher zurück


Im vergangenen Jahr wurden dem Landkreis Görlitz 447 Personen zugewiesen. 2018 waren es bis Ende Juli 224 Personen. Mit Stand 6.Juli dieses Jahres gab es im Landkreis Görlitz 1151 Asylsuchende, darunter 428 Einzelpersonen, meist Männer, unbegleitete minderjährige Asylsuchende ausgenommen. Auch abgelehnte Asylbewerber werden bis zur freiwilligen Ausreise, Abschiebung oder Zuerkennung eines Aufenthaltstitels vom Kreis untergebracht, heißt es aus dem Landratsamt. Die meisten dieser Menschen stammen aus Russland, Afghanistan, Indien, Georgien, Libyen und Pakistan.

Syrer stellen den größten Teil der neu Ankommenden im Kreis

Die meisten neu in den Landkreis Görlitz überstellten Personen kamen in diesem Jahr aus Syrien (13,3 Prozent), der Türkei und Georgien (je 11,6 Prozent), zudem aus Pakistan (10,4 Prozent) und Eritrea (9,2 Prozent). Die Unterbringung erfolgt derzeit zu etwa zwei Dritteln in Gemeinschaftsunterkünften. Aktuell gibt es diese in Neusalza-Spremberg, Friedersdorf, zwei in Löbau, ebenso zwei in Zittau und eine in Niesky.

Ein Drittel der Asylbewerber lebt in eigener Wohnung

Etwa ein Drittel aller untergebrachten Personen ist dezentral untergebracht. Die Wohnungen befinden sich in Weißwasser, Rothenburg, Görlitz, Löbau, Ebersbach-Neugersdorf und Zittau, teilt das Landratsamt mit. Wesentliche Vorfälle seien in den vergangenen Monaten nicht zu verzeichnen gewesen. „Im Rahmen der Einzelfallentscheidung ist die dezentrale Unterbringung ein wesentlicher Baustein in der Unterbringungsstrategie des Landkreises Görlitz“, so Sprecherin Julia Bjar. Der Anteil von Asylbewerbern in regulären Arbeitsverhältnissen liegt im Landkreis derzeit bei etwa fünf Prozent.

Ebenso ist nicht bekannt, wie viele von ihnen in den Kreis gelangen. Wie sieht das Landratsamt die Situation bei den Flüchtlingen, die vielleicht demnächst noch ankommen?