erweiterte Suche
Mittwoch, 05.10.2016

Kommissare ermitteln unterm Kreuz

Zwei Tage lang lässt der MDR in der Versöhnungskirche für den neuen „Tatort“ drehen. Die Pfarrerin outet sich als Fan.

Von Henry Berndt

Alwara Höfels alias Kommissarin Henni Sieland wird bei den Dreharbeiten am Eingang der Versöhnungskirche in Striesen in Szene gesetzt.
Alwara Höfels alias Kommissarin Henni Sieland wird bei den Dreharbeiten am Eingang der Versöhnungskirche in Striesen in Szene gesetzt.

© Sven Ellger

So viel Trubel gibt es selten zu erleben in der Versöhnungskirche in Striesen. Dutzende Männer und Frauen schlängeln sich an Kameras, Monitoren und Scheinwerfern vorbei durch die Gänge. „Ich würde ja sehr präferieren, wieder etwas mehr Unterlicht zu geben“, sagt ein Mann mit Kappe, der wichtig aussieht.

Zwei junge Männer, die zum Deutschkurs wollen, werden ins Pfarrhaus nebenan umgeleitet. Auch für ruhesuchende Kirchgänger ist dies hier am Dienstag und Mittwoch kein geeigneter Ort. Das hier ist ein Tatort – zumindest soll es mal einer werden. Der neue Film der Dresdner Kommissare Henni Sieland (Alwara Höfels), Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) trägt den Arbeitstitel „Level X“ und soll 2017 im Rahmen der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ ausgestrahlt werden.

Zuletzt wurde bereits an der Marienbrücke gedreht. Nun also die Versöhnungskirche. „Ich bin dem Regisseur damals zufällig vor der Kirche begegnet, und er schien gleich begeistert zu sein“, sagt Anke Arnold, Pfarrerin der Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz. Das war vor etwa sechs Wochen, und damit begann für sie der Stress. Erst musste sie den Kirchenvorstand und die Landeskirche von den Dreharbeiten überzeugen. „Da gab es schon vereinzelt Sorgen, die könnten irgendwas in den Sandstein bohren“, sagt sie. Letztlich war die Zusage für den MDR jedoch Formsache. „Ich bin ja schließlich auch selbst Tatort-Fan“, sagt sie und lacht.

Für Sie galt es nun, Veranstaltungen in andere Gebäude zu verlegen und Verträge aufzusetzen. Eigentlich hat sie diese Woche Urlaub. Aber so ganz spurlos geht die Aufregung dann doch nicht an der 41-Jährigen vorbei, die seit drei Jahren im Amt ist. Immerhin ist es das erste Mal, dass ihre Kirche zur Kulisse für dermaßen aufwendige Dreharbeiten wird – die sich im fertigen Film dann aller Voraussicht nach in wenigen Szenen wiederfinden.

Schon gegen 3.30 Uhr am Dienstagmorgen rückte das Filmteam der Berliner Firma Filmcontact an. Schauspieler werden pro Drehtag bezahlt, und das soll sich ja schließlich auch lohnen. Ab 9 Uhr läuft die Kamera. Rund neun Stunden Aufnahmen sind geplant. Die Techniker haben alles selbst mitgebracht. „Die vertrauen unserem Stromkabel nicht. Vielleicht ist das auch besser so“, sagt Anke Arnold.

Die Wittenberger Straße hinter der Kirche ist zugeparkt mit Transportern und Wohnwagen. An einem steht „Karin“, an einem anderen „Henni“. Ein Transporter daneben dient als Essenausgabestelle für das Filmteam. Es gibt Krautsalat.

Für die Kirchgemeinde bringen die Dreharbeiten nicht zuletzt einen dringend nötigen Geldsegen ins Haus. Das Gemeindehaus in der Sebastian-Bach-Straße wird gerade runderneuert. Dafür muss die Gemeinde stolze 200 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen, damit das Projekt namens „Seba13“ möglichst bald fertiggestellt werden kann. Bis jetzt sind allerdings erst rund 10 000 Euro an Spenden eingegangen. „Jegliche Hilfe ist daher bei uns willkommen“, sagt die Pfarrerin.

Der sehnliche Wunsch ihrer Kirchgemeinde ist es, in dem frisch sanierten Gebäude ihr Konzept „Alle unter einem Dach“ umzusetzen. Senioren und Menschen mit Behinderungen sollen hier bald mit offenen Armen empfangen werden. Genauso soll aber auch die Konfirmanden- und Jugendarbeit hier ihr neues Zuhause finden.

Womöglich werden sich die Jugendlichen dann sogar über Themen austauschen, um die es auch im neuen Dresdner Tatort „Level X“ geht. Die Kommissare tauchen dort nämlich in die sozialen Medien ein und müssen sich mit einer virtuellen Welt abseits des Realen auseinandersetzen. Anke Arnold durfte die Drehbuchblätter lesen – darüber sprechen darf sie aber natürlich nicht. „Ich bin selbst Mutter dreier Kinder und auch bei Facebook“, sagt sie. Ihrer neunjährigen Tochter könne sie in Sachen Smartphone schon nichts mehr vormachen.