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Freitag, 18.05.2018

Kommentar: Vorsicht vor der Dunkelziffer

Thomas Staudt über Sucht und wirksame Mittel dagegen

© Wolfgang Wittchen

Eigentlich könnten sich die Verantwortlichen zurücklehnen: So schlecht sehen die Zahlen beim Drogenkonsum für den nördlichen Landkreis Görlitz gar nicht aus. Im mittelfristigen Vergleich ist die Zahl der Beratungssuchenden sogar zurückgegangen. Was stutzig macht, sind der beobachtete Anstieg beim Konsum von Cannabis und die annähernd konstante Zahl der Beratungsgespräche. Auch der Konsum von Crystal bleibt ein Problem. Dazu kommt, dass die Zahlen nur die Beratungstätigkeit der Diakonie in Niesky und Weißwasser widerspiegeln, nicht aber die tatsächliche Situation. Außerdem fanden sich nur 154 Ratsuchende freiwillig in den Beratungsstellen ein. Sie machen damit fast die Hälfte aller Klienten aus. Das alles lässt nur den Schluss zu, dass das tatsächliche Bild anders aussieht: Die Zahl der von einer Suchtproblematik Betroffenen dürfte ungleich höher sein, als die im Jahresbericht der Diakonie erfassten Zahlen.

Deshalb ist es gut, wenn Beratungszeiten nicht abgespeckt, sondern hochgesetzt werden und sei es um fünf Wochenstunden. Auch die Entscheidung, mehr Zeit und Energie in die Prävention zu investieren, ist richtig. Nur so lässt sich der Kreislauf von Ursache und Wirkung unterbrechen und Drogenproblematiken erst gar nicht entstehen. Hoffentlich.