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Montag, 25.04.2016

Kohlmühle zum Schnäppchenpreis

Das Linoleumwerk und diverse Nebengebäude kommen unter den Hammer. Ob die Stadt Hohnstein mitbietet?

Von Anja Weber

Hier kommt alles unter den Hammer. Maschinen und Kleinteile sind schon weg. Jetzt werden auch die Gebäude im Linoleumwerk Kohlmühle versteigert.
Hier kommt alles unter den Hammer. Maschinen und Kleinteile sind schon weg. Jetzt werden auch die Gebäude im Linoleumwerk Kohlmühle versteigert.

© Dirk Zschiedrich

Hohnstein. Wie ein wuchtiger Koloss steht das Linoleumwerk Kohlmühle im Tal der Sebnitz. Das riesige Fabrikgebäude scheint den Hohnsteiner Ortsteil schier zu erdrücken. Eine Last haben die Anwohner tatsächlich damit zu tragen. Denn dort, wo einige von ihnen einst in Lohn und Brot standen, dreht sich nichts mehr. Die Gebäude verfallen, und die Nachbarn leben in ständiger Angst, dass möglicherweise wieder giftige Chemikalien auslaufen, Gebäudeteile einstürzen oder sonst etwas Schlimmes passiert. Das Insolvenzverfahren der bisherigen Eigentümer läuft noch. Das Inventar wurde bereits zum Ausverkauf angeboten.

Durch die Sächsische Grundstücksauktionen GmbH kommen nun am 31. Mai die Gebäude unter den Hammer. Nicht nur das Fabrikgelände soll versteigert werden, sondern auch diverse Nebengebäude wie ein Wohnhaus und das ehemalige Bahnhofshotel. Im dortigen Speiseraum haben die Beschäftigten des Werkes zu DDR-Zeiten gegessen. Davor wurde es tatsächlich als Hotel betrieben. Auf alten Postkarten ist es noch in seiner ganzen Pracht zu bewundern, davor stehen Kutschen und viele Menschen. Der Glanz ist lange weg.

Unter den Hammer kommen auch das Heizhaus, die ehemalige Kohlmühle und ein Stück Straße. Die zuletzt in Kohlmühle tätige Gesellschaft ist nach SZ-Informationen von ihrem Interesse an dem Werk zurückgetreten. Deshalb liegt jetzt alles wieder beim Insolvenzverwalter. Dieser hat nun offenbar auch die Versteigerung der Immobilien anberaumt. Und die gibt es alle zum Schnäppchenpreis.

Denkmalschutz macht Arbeiten teuer

Das Mindestgebot für das gesamte Fabrik-Areal liegt bei 10 000 Euro. Wer es ersteigern möchte, bekommt knapp 50 000 Quadratmeter Land, bestehend aus sieben zusammenliegenden Flurstücken nebst einem imposanten Industriebau, einem früher sicher einmal schönen Bahnhofshotel und einem Wohnhaus, das mit seinen großen Loggien durchaus das gewisse Etwas hat. Dass sich ein Käufer findet, bezweifeln die Einwohner von Kohlmühle trotzdem. „Ich glaube nicht, dass die Immobilien hier alle im Paket weggehen könnten. Wenn das jemand kauft, dann kennt er sich nicht aus und hat die Häuser und die Fabrik noch nie gesehen“, sagt eine Anwohnerin. Es schwingt auch ein bisschen Angst mit, dass die Immobilie vielleicht auch in die Hände von Spekulanten geraten könnte, die hier noch die Reste herausholen und ansonsten dem Verfall weiter zuschauen.

Das Beste wäre es, die Stadt Hohnstein würde mitbieten und das Areal auch ersteigern, finden die Kohlmühler. „Das, was man nicht mehr braucht, könnte ja abgerissen werden“, sagt die Anwohnerin.

Ob sich die Stadt an der Auktion beteiligen will, ist unklar. Eine Antwort auf Nachfrage der SZ hat es aus dem Rathaus noch nicht gegeben. Das Objekt zu ersteigern, ist sicher für die Kommune nicht problematisch. Doch es zu unterhalten oder eben auch Teile abzureißen, könnte kompliziert werden und die finanziellen Kräfte der Stadt übersteigen. Zum einen steht die Linoleumfabrik selbst unter Denkmalschutz. Zum anderen ist das gesamte Objekt im Sächsischen Altlastenkataster vermerkt.

Klagende Mieter und nichts zu holen

Die Anwohner vermuten, dass sich in dem Gebäude vielleicht noch mehr Altlasten befinden als bisher bekannt. Allein im vergangenen Jahr rückten zweimal Feuerwehren an, um vom Werk ausgehende Gefahren zu beseitigen. Am 29. Mai mussten ausgelaufene Chemikalien aufgefangen und desolate Fässer geborgen werden. Am 20. September wurden in einem Gebäude Behälter mit unbekanntem Inhalt entdeckt. Das Landratsamt lehnte damals weitere Prüfungen ab.

In dem Auktions-Gutachten ist zu lesen, dass das Fabrikgebäude keine brauchbare Ausstattung mehr hat und mit dem Rückbau wiederverwertbare Teile wie Schrott bereits begonnen wurde. Das Wohnhaus ist zwar zum Teil vermietet, die Mieter klagen aber über schreckliche Zustände im Haus. Wären noch das Bahnhofshotel und das Gebäude der eigentlichen Kohlmühle. Das Gutachten gibt hier ebenfalls keine gute Zustandsbeschreibung.

Die Auktion findet am 31. Mai, ab 11 Uhr im Dorint Hotel Dresden statt.