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Freitag, 09.11.2018

Kohl-Witwe wehrt sich

Maike Kohl-Richter ärgert sich über den Vorwurf, das politische Wirken ihres Mannes verklären zu wollen.

Von Franziska Springer

Maike Kohl-Richter, die Witwe des verstorbenen Altkanzlers fühlt sich öffentlich verunglimpft und schmiedet Pläne, um ihre Kritiker Lügen zu strafen.
Maike Kohl-Richter, die Witwe des verstorbenen Altkanzlers fühlt sich öffentlich verunglimpft und schmiedet Pläne, um ihre Kritiker Lügen zu strafen.

© picture alliance/dpa

Als respektlos, unwürdig und vor allem unwahr hat Maike Kohl-Richter, die Witwe von Altkanzler Helmut Kohl, die anhaltende Diskussion um ihre Person bezeichnet: „Gucken Sie sich mal die Debatte um die Witwe an, die auf den Akten sitzt“, sagte sie jetzt dem Deutschlandfunk in einem ihrer seltenen Interview.

Die 54-Jährige war zu Lebzeiten ihres 34 Jahre älteren Mannes immer wieder nachgesagt worden, ihn abzuschotten und zu kontrollieren. Ein weiterer Vorwurf lautete, dass die promovierte Volkswirtin Kohls politische Erfolge geschichtlich verkläre und sein Wirken idealisiere. Die Öffentlichkeit unterstellte ihr menschliche Kälte, nachdem bekannt wurde, dass der Streit mit den Söhnen Kohls nach dessen Ableben im Juni 2017 eskalierte. Das Elternhaus durften beide da schon nicht mehr betreten. Auch der Beerdigung des Vaters blieben sie fern. Unklar ist außerdem, ob sich in Kohls Besitz Unterlagen befunden haben, die der CDU oder der Bundesrepublik gehören. Kohl-Richter bestreitet das.

Den Unmut gegen ihre Person erklärt sie sich dennoch vor allem mit Neid auf die Privilegien, die sie als Alleinerbin des Altkanzlers genieße: „Alle wollen ein Stück vom Kohl-Kuchen“, kontert die zierliche Frau. Ihr gehe es nicht darum, alleine über das Erbe ihres Mannes zu herrschen. Sie verlange lediglich, dass, wenn man etwas zu Helmut Kohl mache, dies „im Einvernehmen“ mit ihr geschehe.

Wie zum Beweis bekräftigte sie das Vorhaben, seinen Nachlass in einer Stiftung zusammenzuhalten und seriös zugänglich zu machen. Dabei fühle sie sich vor allem der Wahrheit verpflichtet – und das schnörkellos: „Man muss den Leuten auch eine Möglichkeit geben, mal ins Schlafzimmer zu gucken“, sagte Kohl-Richter.

Bevor es so weit sei, will sie aber den Rechtsstreit um die sogenannten „Kohl-Protokolle“ beenden. Die Rekord-Entschädigung von einer Million Euro hatte ihr Mann kurz vor seinem Tod erstritten. Diese, findet Maike Kohl-Richter, stehe ihr zu. Ansprüche auf Geldentschädigungen seien jedoch nicht vererbbar, urteilte das Landgericht Köln. Kohl-Richter sieht das anders. Sie kämpft weiter um die Wahrheit – notfalls bis zur letzten Instanz. (mit dpa)