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Samstag, 30.04.2011

Kliniken machen Millionengewinn

Trotz interner Probleme weist das Elblandklinikum das beste Ergebnis seit seiner Gründung aus. Doch wie geht es weiter?

Von Ulf Mallek

Die neue Augenklinik am Radebeuler Krankenhaus war früher eine Apotheke. Jetzt ist sie ein hochmodernes Augen-Diagnostik-Zentrum auf dem medizinischen Niveau einer Universitätsklinik. Das Besondere: Die Klinik gehört mehrheitlich den Ärzten. 1000 Patienten kamen im Vorjahr. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Elblandkliniken-Geschäftsführer Dr. Stefan Geiger am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz in Radebeul.

Ganz so reibungslos läuft es mit den vier weiteren Tochtergesellschaften der Gruppe nicht. Es gibt Streit mit der Gewerkschaft Verdi um Tarife. Vor Ostern drohten einige Gewerkschafter sogar mit Streik. Inzwischen wird wieder verhandelt. Die Gewerkschaft möchte einen einheitlichen Vertrag für alle, die Klinikleitung nicht. Jetzt wird nach einem Kompromiss gesucht: ein gemeinsamer Manteltarifvertrag mit unterschiedlichen Einzelverträgen.

Das wirtschaftliche Jahresergebnis fiel trotz der internen Probleme gut aus. Vier Millionen Euro Jahresüberschuss sind verbucht. Das höchste Ergebnis seit der Gründung der Gruppe 2008. „Ein durchschnittliches Krankenhaus macht über drei Prozent vom Umsatz minus“, sagte Geschäftsführer Markus Funk. „Wir haben das fast als Gewinn.“ Inzwischen ist das Elblandklinikum mit seinen 2 300 Mitarbeitern nach dem Klinikum Chemnitz das zweitgrößte in Sachsen.

Dennoch ist die Zukunft offen. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist im Umbruch, viele Krankenhäuser müssen schließen. Die Elblandkliniken haben sich ein Strukturkonzept 2014 verpasst. Für viele Mitarbeiter bedeutet das Konzept Gehaltseinbußen oder sogar den Verlust des Arbeitsplatzes.

„Wir haben aber keine andere Wahl“, sagte Funk. „Entweder wir stellen die Mittagessen für unsere Patienten zu marktüblichen Preisen her oder wir lagern das eben aus.“ Ein Krankenhaus, sagte Funk, verstehe er als Team so wie eine Bundesliga-Fußballmannschaft. Da gibt es die Spezialisten, die Außenstürmer oder eben Herz-Chirurgen, und die Leute im Hintergrund, die diese Spitzenleistungen erst möglich machen: Fahrer, Betreuer und Köche. „Jeder hat da seine Rolle“, sagte Funk.

Das gute Ergebnis relativierte er gleich wieder. Die Personalkosten der Gruppe liegen bei 91 Millionen Euro. Eine Gehaltserhöhung von nur drei Prozent lassen das Geld schnell wieder verschwinden. Die Millionen werden für Investitionen benötigt. 100 Millionen Euro fließen bis zum Jahr 2015 in den Ausbau der Kliniken, davon sind 45 Prozent Fördergelder. Den Rest muss die Klinik übernehmen. Das meiste geht nach Riesa. Dort entsteht am alten Standort ein komplett neues Krankenhaus.