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Mittwoch, 25.07.2018

Kleingärtnerverband entsetzt über Neonazi-Treff

Der Vorsitzende sagt dem Sparten-Chef Unterstützung zu und duldet keine rechten Symbole auf den Parzellen.

Von Andreas Weller

Steffen Pätzig wurde zusammengeschlagen und bedroht, wohl weil er als Vorsitzender Rechtsextreme aus der Gartensparte geworfen hat.
Steffen Pätzig wurde zusammengeschlagen und bedroht, wohl weil er als Vorsitzender Rechtsextreme aus der Gartensparte geworfen hat.

© Sven Ellger

Steffen Pätzig hat Rechtsextreme aus der Gartensparte Sommerland in Strehlen geworfen, den Wirt des Vereins-Lokals ausgetauscht und wird dafür massiv angegangen. Zweimal ist der Vorsitzende des Kleingartenvereins zusammengeschlagen worden, dazu kommen Verleumdungen, er wird terrorisiert, sagt er (SZ berichtete).

„Steffen Pätzig steht massiv im Feuer“, sagt auch Dresdens oberster Kleingärtner Frank Hoffmann. Er ist Vorsitzender des Verbands Dresdner Gartenfreunde, mit ungefähr 360 Kleingärtnervereinen, die etwa 49 700 Kleingärtner in rund 23 265 Parzellen beherbergen. Hoffmann ist entsetzt darüber, was Pätzig widerfährt. „So ein Treffpunkt ist in Dresden einmalig gewesen.“ Es sei gut, dass Pätzig gehandelt habe. In der Kneipe der Sparte hatten NPD-Leute, Mitglieder der von der Justiz als kriminelle Vereinigung eingestuften „Freie Kameradschaft Dresden“ und andere Rechtsextreme sich zum Feiern getroffen.

„Das sind politische Äußerungen, die wir nicht haben wollen“, so Hoffmann. Dass Pätzig seitdem drangsaliert wird, sei hart. „Allerdings habe ich auch nur eine Handhabe, wenn ich weiß, von wem das ausgeht.“ Sollten es „Gartenfreunde“ sein, werde er diesen kündigen. Doch die Ermittlungen der Polizei sind bisher ins Leere gelaufen. Da keine Verdächtigen ermittelt wurden, kann nicht bewiesen werden, dass Rechtsradikale Pätzig angegriffen und schwer verletzt haben.

Hoffmann sagt, dass es derartige Vorfälle in Dresdens Kleingärten noch nie gab. Ihm sind drei Fälle bekannt, in denen Schilder mit rechten Parolen oder von Reichsbürgern aufgestellt wurden. „Die Vereine wurden abgemahnt. Darauf wurden die Schilder entfernt, sonst wäre den Pächtern gekündigt worden.“

Durch das Bekanntwerden der Neonazi-Attacken gegen Pätzig ist es auch ein Fall für die Politik. Linken-Fraktionschef André Schollbach: „Für sein mutiges und konsequentes Handeln gegen rechtsradikale Umtriebe gebühren Herrn Pätzig Respekt und Anerkennung. Ich finde das sehr beeindruckend.“ Schollbach sieht Pätzig als eine Art Vorbild. „Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung braucht es noch viel mehr aktive Menschen wie ihn. Dass die extreme Rechte darauf mit Gewalt reagiert und auf Einschüchterung setzt, zeigt deutlich, dass sie eine Gefahr darstellt, der entgegengetreten werden muss.“ Das tut Pätzig weiterhin.