erweiterte Suche
Mittwoch, 11.07.2018

Kleines Neiße-Abenteuer

Wie paddelt es sich auf dem Schlauchboot auf einer gar nicht mal so gemächlichen Strecke? Eine Probefahrt.

Von Anja Wallner

Die letzte Hürde vor dem Endpunkt der Neiße-Schlauchboot-Tour: die Wehranlage in Rothenburg. Mutige „stürzen“ sich im Boot hinunter, ansonsten gibt‘s vorher einen Steg zum Anlegen. Unterwegs geht es zuweilen ruhiger zu auf der Strecke, auf der man übrigens den laut Markierung östlichsten Punkt Deutschlands passiert.
Die letzte Hürde vor dem Endpunkt der Neiße-Schlauchboot-Tour: die Wehranlage in Rothenburg. Mutige „stürzen“ sich im Boot hinunter, ansonsten gibt‘s vorher einen Steg zum Anlegen. Unterwegs geht es zuweilen ruhiger zu auf der Strecke, auf der man übrigens den laut Markierung östlichsten Punkt Deutschlands passiert.

© Wallner

Die Herren hängen fest. Feixend und auf und ab hüpfend versuchen sie, ihr Schlauchboot wieder flottzukriegen. Hätten sie mal bei der Einweisung richtig zugehört: Nicht mehr als zwei Personen dürfen im Boot sein, um an der Wehranlage Rothenburg die Neiße hinabzusausen.

Wehranlage? Da darf man so einfach hinunterfahren? Nun ja, wenn man beim Tourismusunternehmen Neiße-Tours die „Action-Tour“ mit dem Schlauchboot von Deschka nach Rothenburg bucht, dann liegt das Wehr praktisch auf dem Weg. Und wenn der Wasserstand passt, dann geht‘s auch im Boot abwärts. Wer ängstlich ist und sich vor dem „Mini-Wasserfall“ fürchtet, der kann ein paar Meter vor dem Wehr an einem Steg aussteigen und seine Mitfahrer ihrem „Schicksal“ überlassen oder gleich komplett anlegen und das Boot die restlichen Meter bis zum Ziel tragen.

Keine Angst – und Lospaddeln

Angst braucht aber keiner zu haben, im Gegenteil. Im Prinzip überwindet man hier eine größere Stromschnelle – gerade für abenteuersuchende Jugendliche ist das ein großer Spaß, der viel zu schnell vorübergeht. Ist das Hindernis überwunden gilt es allerdings, sich zu konzentrieren, feste loszupaddeln und sich nach links zum Ufer zu bewegen, ansonsten kann einen die Strömung packen.

Wer das geschafft hat, hat auch die zwölf-Kilometer-Strecke flussabwärts ab Deschka gemeistert, denn kurz nach der Wehranlage, am Standort von Neiße-Tours in Rothenburg, ist der Endpunkt der Tour, die mit dreieinhalb Stunden Dauer veranschlagt ist. Aber man schafft sie auch in kürzerer Zeit, selbst als ungeübter Schlauchbootfahrer, der sonst in der Regel in den viel wendigeren Spreewald-Paddlern unterwegs ist. Was ein wenig aufhalten kann – auch weil man vor Lachen seine Kräfte an der falschen Ecke verpulvert – ist der Versuch, sein Boot wieder auf Kurs zu bringen, nachdem man sich aufgrund des aktuell sehr niedrigen Wasserstandes mehrmals festgefahren hat.

Nach der Paddelei können sich die wackeren Freizeitsportler am Imbiss von Neiße Tours direkt am Ufer mit Bratwurst, Kartoffelsalat und Radler stärken. Bierzeltgarnituren stehen bereit; eine Toilette gibt es auch. Gut zu wissen, gerade für diejenigen, die hier ihren Bootsausflug starten. Unterwegs sieht es dahingehend nämlich mau aus…

Gewusel an der Anlegestelle

Jetzt zur Mittagszeit tummeln sich hier mehrere Jugendgruppen und Mitarbeiter auf Betriebsausflug. Boote legen an, Boote werden zu Wasser gelassen. Ganz schön was los. „Ach was“, winkt Neiße-Tours-Chef Tino Kittner ab. „Das ist noch gar nichts.“ Fünf seiner Mitarbeiter seien heute nur hier im Einsatz. Festangestellt sind in seinem Unternehmen acht Personen, dazu kommen etliche Saisonkräfte, die jetzt zur Ferienzeit so richtig zu tun haben dürften. 70 Boote für zwei oder mehrere Personen hat das Unternehmen in der Vermietung. Die Einlassstellen und Endpunkte sind an verschiedenen Orten, je nach gebuchter Strecke. Da ist logistische Planung für Transporter und Bootstrailer notwendig.

Die Tour von Deschka nach Rothenburg, so erfährt man bei der Buchung, ist eine der beliebtesten, gerade bei jungen Leuten. Eben wegen der Stromschnellen. Los geht‘s hier in Rothenburg. Vier Personen, vier Paddel, ein Vierer-Schlauchboot – aber erst mal mit einem Transporter ins rund 15 Minuten entfernte Deschka, dem Startpunkt. An der Einlassstelle erhalten die Paddler eine kleine Einweisung zum Streckenverlauf, eine Karte mit Streckeninformationen – und Ängstliche können jetzt gern in eine Schwimmweste schlüpfen.

Zunächst geht es gemächlich vorwärts. Grün, Bäume, Vogelgezwitscher, weiter voraus zwei, drei andere Neiße-Tours-Boote. Ansonsten: Stille und keine Menschenseele. Auf der Hauptspree im Spreewald geht es aktuell zur Hauptsaison vermutlich zu wie auf der A 9.

Oh, da ist die erste Stromschnelle in Hörweite. Am Ufer weisen auch Schilder kurz vor Erreichen darauf hin. Die mitgegebene Karte zeigt an, wie das Boot zu navigieren ist. Also: mittig durchfahren. Hui! Es ruckelt, es spritzt – schon vorbei. Können wir das bitte noch mal machen? Aber klar. Die nächste Stromschnelle kommt ganz sicher.

Vorbei an der Kulturinsel

In Sichtweite rücken die originellen Bauten der Kulturinsel Einsiedel in Zentendorf. Schade, dass das hübsche Café, das auf einer Art Plattform im Fluss mit gemütlichen Sofas lockt, in diesem Moment nicht geöffnet hat.

Was ist der nächste Punkt auf der Karte? Genau, die Pontonbrücke bei der Kulturinsel. Zack, untendurch, kein Problem. Spannend wird es hingegen am Wehr Nieder-Neundorf. Hier heißt es: vorher rechts ran zum Steg, aussteigen und das Boot an der Gefahrenstelle vorbeitragen. Der kurze Weg zur folgenden Einlassstelle ist ausgeschildert und das nicht eben leichte Schlauchboot zu viert gut zu tragen. Durch ruhigere Gefilde geht es weiter, immer flussabwärts. Ruhig im wahrsten Sinne des Wortes, denn nun fahren die Paddler durch ein Vogelbrutgebiet. Also bitte nicht herumlärmen und auch nicht spontan anlegen und aussteigen. Der Eisvogel, der auf den Neiße-Touren gern mal gesichtet wird, hat an diesem Tag übrigens aber keine Besuchszeit. Genug der Ruhe. Das Reisigwehr kündigt sich rauschend an. Diese Stromschnelle muss nicht an Land zu Fuß umgangen werden. Bojen kennzeichnen den Paddlern den Weg hindurch und hinunter. Schade, dass das spritzige fast schon: Rafting-Vergnügen so schnell vorbei ist. Die letzte Hürde ist die eingangs genannte Wehranlage Rothenburg, bevor es heißt: aussteigen und das Boot wieder abgeben. Oh ja, man merkt es schon beim verstohlenen Recken und Strecken. Morgen werden Schultern, Rücken und Bauch verkatert sein. Paddeln ist ein wunderbarer Ganzkörpersport.

Wer nicht auf Stromschnellen steht, gern etwas kürzer oder auch länger unterwegs sein möchte, der hat die Wahl zwischen mehreren anderen Neiße-Touren beispielsweise ab Rothenburg oder Bad Muskau (TAGEBLATT berichtete). Auch Fahrten auf Bober, Queis und Iser in Polen beziehungsweise Tschechien können gebucht werden.

Mancher mag sich vielleicht auch nach einer mehrstündigen Bootsfahrt noch weiter austoben. Dafür bietet sich der 3-D-Bogenparcours an, der sich nahe des Bootsanlegers in Rothenburg befindet. Hobbyschützen können also mit Pfeil und Bogen durchs Grün pirschen und auf die am Waldrand versteckten lebensgroßen Kunststofftiere – eben dreidimensionale Ziele, keine herkömmlichen Scheiben – schießen.

Übrigens: Die festgefahrenen Herren konnten sich aus ihrer misslichen Lage befreien und bezwangen das Wehr am Ende problemlos…

Buchungen täglich 9 bis 18 Uhr

Infos/Strecken/Angebote: www.neisse-tours.de

Kontakt: 035891 189993, [email protected]