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Mittwoch, 08.08.2018

Kleinbus statt Bahn

Die Städtebahn hat Probleme, die Müglitztalbahn zu bedienen. Einige sind hausgemacht.

Von Maik Brückner

Weil die Städtebahn Personalnot hat, musste die Fahrgäste im Müglitztal umsteigen, so wie hier am Montag in Altenberg. Ein Taxiunternehmen sprang ein, weil Busunternehmen den Schienenersatzverkehr nicht gewährleisten konnte.
Weil die Städtebahn Personalnot hat, musste die Fahrgäste im Müglitztal umsteigen, so wie hier am Montag in Altenberg. Ein Taxiunternehmen sprang ein, weil Busunternehmen den Schienenersatzverkehr nicht gewährleisten konnte.

© Foto: Egbert Kamprath

Müglitztal. In den letzten Tagen kam es wiederholt vor, dass die Triebwagen der Städtebahn nicht durchs Müglitztal rollten. Stattdessen fuhren Kleinbusse eines Taxiunternehmens, so am Freitag, am Sonnabend und zuletzt auch am Montag. Während sich die meisten Kunden damit abgefunden haben, gab es einige, die darüber verärgert waren. Der SZ sind zwei Fälle bekannt, bei denen Kunden das Nachsehen hatten, weil die Kleinbusse keine Fahrräder transportieren konnten. Sie mussten sich nach Alternativen umsehen. Kritik gab es auch von Mitarbeitern Uhrenbetriebe. So wurde moniert, dass zu kurzfristig über die Änderungen informiert wurde. Zu einigen Zeiten reichte die Kapazität der Großraumtaxis nicht aus , um alle Fahrgäste entlang der Strecke mitzunehmen. Torsten Sewerin, Geschäftsführer der Städtebahn Sachsen, begründete den Schienenersatzverkehr mit dem hohen Krankenstand. 22 Prozent der Lokführer sind krankgeschrieben.

Eigentlich wollte die Städtebahn Busse als Schienenersatzverkehr einsetzen. Doch die Busunternehmen, mit denen die Städtebahn kooperiert, haben zurzeit zu wenig Busse und Busfahrer. Ähnliche Probleme plagen die Städtebahn schon seit Monaten. Auch hier ist die Personalsituation angespannt. Um den Betrieb der Städtebahn abzusichern, bräuchte man 40 Lokführer, sagt Sewerin. Derzeit stünden ihm nur 34 zur Verfügung, erklärt er. Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer sei das Gehalt. Über Jahre zahlte das Unternehmen weniger als Mitbewerber. Die Lokführer wechselten zu anderen Unternehmen.

Städtebahn will attraktiver werden

„Hier haben wir nachgebessert“, sagt Sewerin. Ende August stehen Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) an, an denen auch Arbeitnehmervertreter teilnehmen werden. Sewerin hofft auf eine schnelle Einigung. „Es hat schon Vorgespräche gegeben“, sagt er. Doch Geld allein wird nicht reichen, um die Personalnot zu lösen. „In ganz Deutschland ist ein Mangel an Lokführern zu erkennen“, sagt Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Dieser bestellt den Zugverkehr im oberen Elbtal und wacht über die Einhaltung der Vereinbarungen mit der Städtebahn. In den vergangenen Monaten mussten unter anderem auch Bahngesellschaften in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und anderen Teilen Sachsens Ausfälle wegen fehlendem Personal melden, so Schlemper.

„Uns ist bewusst, dass die Situation deutschlandweit schwierig ist“, sagt VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen. Der Verkehrsverbund erwarte deshalb, dass sich die Städtebahn verstärkt um die Nachwuchsgewinnung und Ausbildung kümmere. Das tue man, versichert Sewerin. Derzeit befinden sich vier Lokführer in der praktischen Fahrausbildung. Sollten sie ihre Prüfung bestehen, wäre der eigene Personalbestand im September fast wieder vollzählig. „Uns liegen außerdem zwei, drei Bewerbungen vor“, sagt Sewerin.

Anfang August hat zudem ein Lokführerlehrgang mit zehn Teilnehmern begonnen. Im Mai 2019 soll dieser abgeschlossen sein. Bis die Maßnahmen greifen, will die Städtebahn auf Mitarbeiter des Unternehmensverbundes zurückgreifen. Dort sind insgesamt 150 Lokführer beschäftigt.

Kritik an der Deutschen Bahn


Doch nicht nur das Personal macht der Städtebahn zu schaffen, sondern auch die Technik. Noch immer fehlen dem Unternehmen Triebwagen, die in den letzten Monaten bei Unfällen mit Bäumen beschädigt worden sind – zuletzt zwischen Radeberg und Kamenz. Dort waren am Wochenende nach einem schweren Gewitter mehrere Bäume auf die Gleise gestürzt. Ein Zug konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen; verletzt wurde niemand. Die Reisenden mussten knapp zwei Stunden im Zug ausharren, bis sie ihre Fahrt per Taxi fortsetzen konnten. Vielen Osterzgebirglern kommt das bekannt vor. Ähnliche Situationen gab auch im Müglitztal. Schuld sei hier die DB Netz AG, eine Tochter der Deutschen Bahn AG, sagt Sewerin. Diese sei für die Unterhaltung des Schienennetzes verantwortlich und komme dieser Aufgabe nicht im vollen Umfang nach.

Diese Kritik der Städtebahn gibt es schon länger. Weil die DB-Tochter Anfang 2018 nicht handelte, stellte die Städtebahn den Zugbetrieb im Müglitztal ein. Das zeigte Wirkung. Die DB reagierte, schnitt Bäume und Sträucher zurück, im Juli gab es eine zweite Runde. Allerdings habe die DB nicht alle Wünsche der Städtebahn erfüllt, sagt Sewerin. Der Haltepunkt Burkhartswalde-Maxen ist immer noch zugewachsen und sehr schwer einsehbar. Auch auf anderen Strecken, auf denen die Städtebahn unterwegs ist, sieht Sewerin Handlungsbedarf. „Die Strecken der DB Netz AG werden immer unsicherer, da sie immer mehr zuwachsen.“ Seit der Übernahme des Bahnbetriebes durch die Städtebahn im Jahr 2010 vernachlässige die Deutsche Bahn als Eigentümer der Strecken den kompletten Vegetationsschnitt entlang der Trassen. Die Folgen für die Städtebahn seien enorm, so Sewerin. Von ihren 15 Triebwagen stehen fünf in der Werkstatt. Die Reparaturen seien aufwendig. Weil die firmeneigene Werkstatt in Ottendorf dazu nicht in der Lage sei, müsse man auf spezialisierte Werkstätte zurückgreifen. Von denen gibt es nicht viele. „Wir müssen unsere Triebwagen nach Delitzsch, Stendal und sogar ins Ruhrgebiet bringen“, sagt Sewerin. Die Instandsetzungen dauern Monate. „Es gibt Ersatzteile, die extra angefertigt werden müssen“, erzählt Sewerin. Gern würde er auf Leihtriebwagen zurückgreifen. Doch der Markt sei leer gefegt. Auf neue Triebwagen müsse man drei Jahre warten.

Die Städtebahn hofft, dass sie im September ohne Schienenersatzverkehr auskommt. Allerdings müssen diese Bedingungen erfüllt sein, erklärt die Geschäftsführung. Es dürften keine Bäume auf die Gleise fallen, es darf keine Kündigungen geben und der Krankenstand muss sich wieder normalisieren. Mit den Neueinstellungen sollte es keine Probleme mehr geben.