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Mittwoch, 16.05.2018

Klassenzimmer Wald

105 Grundschüler aus der Umgebung entdecken den Wald. Neben Kreativität brauchen sie dazu auch Muskelkraft.

Von Anja Ehrhartsmann

Viertklässler der Ludwig-Richter-Grundschule aus Freital-Birkigt testen ihren Geruchssinn. In den Säckchen waren unter anderem Bärwurz und Harz versteckt.
Viertklässler der Ludwig-Richter-Grundschule aus Freital-Birkigt testen ihren Geruchssinn. In den Säckchen waren unter anderem Bärwurz und Harz versteckt.

© Egbert Kamprath

Freital. Aufgeregtes Kinderstimmen hallen schon von Weitem durch den Wald. Es wird gesägt, gehämmert, geschnuppert. Im Rundparcours am Waldschulheim Wahlsmühle in Schmiedeberg geben die 105 Grundschüler alles. Sie sind am Dienstagvormittag aus Hermsdorf/Erzgebirge, Freital und Possendorf angereist, um bei den 20. Waldjugendspielen ihr Können unter Beweis zu stellen. An zehn Stationen müssen die Dritt- und Viertklässler zeigen, wie gut sie über den Lebensraum Wald Bescheid wissen. Unter anderem geht es dabei um die Fragen, welche Tiere sich im Wald von den Zapfen und Samen der Bäume ernähren und wie sich ihre Bisspuren unterscheiden. Beim anschließenden Zapfenzielwerfen sind ein gutes Auge und starke Oberarme gefragt. „An jeder Station gibt es einen Erklärungs- und einen Mitmachteil“, sagt Kristina Funke, die die Waldjugendspiele im Forstbezirk Bärenfels organisiert. Auch lernen die Grundschüler den Wald als Arbeitsplatz kennen. An einer der Stationen erfahren sie Wissenswertes über den Beruf des Waldarbeiters und die Werkzeuge, die er benutzt. Dabei sollen die Kinder sehen, dass es mehr gibt als nur eine Motorsäge, sagt Kristina Funke. Unter Aufsicht dürfen sie sich dann auch selbst mal an einer Handsäge probieren und feststellen, dass sich so ein Baumstamm gar nicht so einfach durchsägen lässt.

An den Mitmachstationen werden nicht nur die Muskeln trainiert. Es geht auch darum, einen Sinn für die Umwelt zu entwickeln. Unter anderem schwärmen die Kinder aus, um Müll im Wald zu sammeln und anschließend zu erfahren, weshalb etwa ein achtlos weggeworfenes Bonbonpapier so schädlich für Pflanzen und Tieren ist. „Die Schüler laufen selbstständig ohne ihre Lehrer in Gruppen, das finden die Kinder immer prima“, sagt Kristina Funke. Natürlich gibt es auch einen kleinen internen Wettbewerb darum, welche Gruppe zum Schluss am besten ist.

Die Waldjugendspiele finden über mehrere Tage verteilt statt. Am Mittwochvormittag treten Grundschüler aus Seifersdorf, Lauenstein und Schüler des Förderzentrums „Albert Schweitzer“ aus Dresden auf dem Rundparcours am Waldschulheim Wahlsmühle an. Sechstklässler aus der Umgebung kommen dann in zwei Wochen.

Sachsenweit finden die Aktionstage zum 20. Mal statt. Aus diesem Grund wird es im Forstbezirk Bärenfels auch zum ersten Mal eine Kreativstation geben. An dieser sollen die Mädchen und Jungen einen Bilderrahmen mit Naturmaterialien füllen und ihre Vorstellungen zum Thema „Klassenzimmer Wald“ umsetzen. Die Bilder werden anschließend fotografiert und laut Kristina Funke auf der Internetseite von Sachsenforst veröffentlicht.

Jedes Jahr nehmen rund 6 000 Mädchen und Jungen der dritten und vierten sowie sechsten Klassenstufe an den Waldjugendspielen teil. Diese sind ein Gemeinschaftsprojekt der Sächsischen Staatsministerien für Umwelt und Landwirtschaft sowie Kultus und des Landesverbandes Sachsen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Auch die Abteilung Forst des Landkreises unterstützt die Aktionstage in Schmiedeberg. Bis Ende Juni gibt es in allen Forstbezirken und Großschutzgebieten 67 Veranstaltungen. Die Waldjugendspiele sind Bestandteil des waldpädagogischen Angebots des Staatsbetriebes Sachsenforst.