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Donnerstag, 14.06.2018

Kirschenpracht in Hoyerswerda

Kirschen? Köstlich! Obgleich sie noch nicht „dran“, sondern, je nach Sorte, erst Anfang Juli verzehrreif sind. Aber in Hoyerswerda, an der B 96 (Elsterstraße), zwischen Kreisverkehr und Abzweig Altstadt, errötet das Obst schon jetzt.

Dabei gehören Kirschen nicht nach Deutschland! Sie sind nicht einmal „Neophyten“, „Neupflanzen“, die nach Christoph Kolumbus’ Entdeckung von Amerika nach 1492 nach Europa eingeschleppt wurden, sondern„Archäophyten“: noch früher Eingewanderte – unfreiwillige, aber willkommene.

Zu verdanken haben wir sie laut dem Geschichtsschreiber Plutarch dem römischen Feldherrn Lukullus (117 v. Chr. – 56 v. Chr), einem Inbegriff für Tafelfreuden, der von Feldzügen nach Kleinasien (um 74-64 v. Chr.) die Kirsche zu uns brachte. Sie stammt aus dem Nordosten der Türkei, vom Schwarzen Meer, und „Kirsche“ ist eine Ableitung von „Kerasos“, einer Stadt, die heute Giresun heißt.

Lukullus hat’s nichts geholfen. Laut Bertolt Brecht („Das Verhör des Lukullus“ -1940-) wogen seine Kriegs-Untaten weit schwerer: „Ins Nichts mit ihm“ befand das Gericht. Die Kirsche ist aber heute nicht nichts, sondern etwas sehr Gegenwärtiges – auch in Hoyerswerda. (JJ)

Foto: Ralf Grunert