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Donnerstag, 04.10.2018

„Kinder sollten beim Essen mitbestimmen“

Wiebke Helmcke will die Schul- und Kitaverpflegung in Riesa verbessern. Im SZ-Gespräch erklärt sie, wie.

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Die Meinung über die Qualität von Essen in Schulen und Kitas geht oft weit auseinander. An der Oberschule Am Sportzentrum sind die jungen Esser laut einer Umfrage recht zufrieden.
Die Meinung über die Qualität von Essen in Schulen und Kitas geht oft weit auseinander. An der Oberschule Am Sportzentrum sind die jungen Esser laut einer Umfrage recht zufrieden.

© dpa

  • Die Meinung über die Qualität von Essen in Schulen und Kitas geht oft weit auseinander. An der Oberschule Am Sportzentrum sind die jungen Esser laut einer Umfrage recht zufrieden.
    Die Meinung über die Qualität von Essen in Schulen und Kitas geht oft weit auseinander. An der Oberschule Am Sportzentrum sind die jungen Esser laut einer Umfrage recht zufrieden.
  • Die Ökotropholgin Wiebke Helmcke ist Projektkoordinatorin der Vernetzungsstelle Schul- und Kitaverpflegung in Sachsen.
    Die Ökotropholgin Wiebke Helmcke ist Projektkoordinatorin der Vernetzungsstelle Schul- und Kitaverpflegung in Sachsen.

Riesa. Riesa ist Modellkommune. In der Sportstadt untersucht die „Vernetzungsstelle Schul- und Kitaverpflegung Sachsen“ gerade das Angebot und fragt junge Esser nach ihrer Meinung. Daraus sollen Schlüsse für Einrichtungen in ganz Sachsen gezogen werden. In der SZ spricht die Projektkoordinatorin Wiebke Helmcke aus Dresden über ihre Arbeit in Riesa.

Frau Helmcke, was macht aus Ihrer Sicht ein gutes Schul- beziehungsweise Kitaessen aus?

Eine gute Essenversorgung für Kinder ist vielfältig, kommt ohne lange Warmhaltezeiten aus und setzt auf hochwertige Lebensmittel. Erbsen zum Beispiel sollten nicht aus der Dose kommen, sondern vor dem Kochen frisch oder tiefgekühlt sein. Aber nicht nur das Essen an sich spielt eine Rolle, sondern auch Faktoren wie die Lautstärke im Speiseraum – eine angenehme Essatmosphäre. Wichtig finde ich außerdem, dass die Kinder mitbestimmen können, was auf die Teller kommt. Wir träumen natürlich davon, dass jede Einrichtung eine eigene Küche hat, in der das Essen frisch zubereitet wird. So entfallen Transportwege, die immer mit Qualitätseinbußen verbunden sind. In der Realität wissen wir natürlich, dass viele Schulküchen aus finanziellen Gründen abgeschafft wurden. Trotzdem muss die Versorgung nicht schlecht sein, wenn das Essen angeliefert wird.

Wie ist die Situation in Riesa?

Die meisten Schulen werden von dem Anbieter Gastroservice Selle beliefert. Zeitlich ist das gut organisiert. In Riesa wird die Warmhaltehaltezeit eingehalten. Die sollte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung drei Stunden nicht überschreiten – von der Verpackung in der Großküche bis der letzte Teller ausgegeben ist. Es kommt sonst zu Nährstoffverlusten und zu Einbußen bei Geschmack und Aussehen. Das ist ein ambitionierter Zeitplan, wenn Sie betrachten, dass das Essen nicht alle Einrichtungen gleichzeitig erreichen kann. Die meisten Kitas hingegen haben ihre eigenen Küchen, was natürlich super ist.

Wie würden Sie Ihren Auftrag in Riesa beschreiben?

Letztlich die Verpflegung der Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Wir, die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung, sind eine Beratungsstelle für Einrichtungen in ganz Sachsen. Aktuell begleiten wir Riesa als Modellkommune über zwei Jahre. Langfristig wollen wir Instrumente für alle Einrichtungen in Sachsen entwickeln, die die Qualität ihrer Versorgung zu verbessern und sichern wollen. Riesa hat Interesse gezeigt, Modellkommune zu werden, und die Voraussetzungen haben gepasst.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Wir sorgen dafür, dass sich die verschiedenen Akteure miteinander vernetzen. Das sind die Stadt Riesa als Schulträger, die Kitas, Schulen, Eltern, Schüler und Speisenanbieter. In den Einrichtungen haben sich zum Teil Arbeitsgruppen gegründet, die die Verpflegung konkret verbessern wollen. Ein schönes Beispiel gibt es da aus der Kita Am Park. Die Küchenleiterin dort ist sehr engagiert. Ihr Ansporn ist es, die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung so gut es geht umzusetzen. Daher hat sie bereits die Fleischmenge reduziert. Denn die Empfehlungen sagen: Zweimal in der Woche Fleisch reicht. Also hat sie angefangen, vegetarische Eintöpfe zu kochen. Außerdem macht sie jetzt mehr mit Vollkornprodukten und fettärmeren Milchprodukten. Ihre neuen Gerichte hat sie sogar abfotografiert und an andere Einrichtungen weitergegeben.

Sie haben auch die jungen Esser gefragt, wie sie die Verpflegung finden.

Die Schüler der Oberschule Am Sportzentrum haben die Versorgung überwiegend positiv bewertet. Manche würden sich ein bisschen mehr Abwechslung wünschen. Aber sowohl dem Geschmack als auch dem Speiseangebot haben die Schüler die Schulnote 2,6 gegeben. Auch die Konsistenz des Essens ist nicht durchgefallen, obwohl es nicht vor Ort gekocht wird.

In welchen Bereichen gibt es Nachholbedarf?

Schüler haben je nach Altersstufe ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Während Grundschüler manchmal etwas mehr animiert werden müssen, sich an neue Gerichte heranzuwagen, spielt bei älteren Schülern die Auswahlmöglichkeit eine größere Rolle.

Wie geht es mit Ihrer Arbeit jetzt weiter?

Ende November werden wir die erste Phase unserer Arbeit mit Riesa als Modellkommune abschließen. Wir hoffen, dass in Zukunft noch mehr Riesaer Einrichtungen mit uns zusammenarbeiten und vor Ort Verpflegungsausschüsse gründen.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.