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Freitag, 21.12.2012

KiKA-Skandal: MDR-Chefin Wille stellt Oberkontrolleur Gehler kalt

Gegen den inzwischen beurlaubten Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp und zwei weitere KiKA-Mitarbeiter ermittelt die Staatsanwaltschaft. Jetzt hat der MDR mit Daniel-Alexander Gehler auch den Chef der Innenrevision beurlaubt.

Von Jens Jungmann

Als die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen KiKA-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp laut wurden, folgte die Suspendierung.
Als die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen KiKA-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp laut wurden, folgte die Suspendierung.

© dpa

Dresden. Die Finanzskandale beim Kinderkanal (KiKA) nehmen kein Ende: Nicht nur gegen den inzwischen beurlaubten Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp laufen Ermittlungen, auch gegen zwei weitere KiKA-Mitarbeiter erhebt die Staatsanwaltschaft Vorwürfe. Bis zu 100.000 Euro seien als „Produktionskosten“ veruntreut worden. Nun wurde auch der Chef der MDR-Innenrevision beurlaubt.

MDR-Intendantin Karola Wille - federführend auch für den KiKA zuständig - griff hart durch: Kaum wurden die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Kottkamp an sie herangetragen, beurlaubte sie ihn sofort. Im 43-köpfigen MDR-Rundfunkrat wird diese Konsequenz begrüßt: Mitglieder sprechen von „hohem Aufklärungswillen und schneller Reaktion“.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Kottkamp (Morgenpost gestern) sind wohl nur der Anfang: „Wir führen Ermittlungen gegen vier Beschuldigte durch. Drei davon stammen aus dem KiKA selbst, eine betrifft eine externe Erfurter Firma. Es geht um Rechnungen, die für vermeintliche Produktionsdienste ausgestellt und in die Kosten für Personal und Feierlichkeiten eingerechnet wurden. Es geht um einen Wert von etwa 100.000 Euro“, so Hannes Grünseisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, zur Morgenpost. Ermittlungen wegen Untreue und Beihilfe zur Untreue wurden eingeleitet.

Beurlaubt wurde zeitgleich mit Steffen Kottkamp auch Daniel-Alexander Gehler, Leiter der Revisionsabteilung des MDR. Gegen ihn wird aber nicht ermittelt, wie Grünseisen bestätigt. Intendantin Wille sagt, man habe sich „einvernehmlich“ auf eine Beurlaubung geeinigt. Einen „ursächlichen Zusammenhang“ mit dem Fall Kottkamp gebe es nicht. Offenbar, so der Tenor der Rundfunkräte, sei Wille tief enttäuscht, dass ausgerechnet der MDR-Oberkontrolleur nichts von dem neuen Skandal wusste und der Fall wieder einmal erst über die Staatsanwaltschaft ans Licht kam.

Denn Gehler war federführend bei der internen Aufklärung des Betrugsskandals um KiKA-Herstellungsleiter Marco Kirchhof (5 Jahre, 3 Monate Haft): Der hatte den Sender durch Scheinrechnungen in Höhe von mindestens 4,6 Mio. Euro in 48 Fällen betrogen.

Als „Abwesenheitsvertretung“ im KiKA hat Karola Wille nun Tobias Hauke benannt. Hauke war bis dato Chef vom Dienst beim SachsenSpiegel. Er sollte eigentlich zum Jahresbeginn gemeinsam mit Noch-SachsenSpiegel-Chef Thomas Reiche das geplante „Kinderradio“ konzipieren.