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Mittwoch, 06.06.2018

Keine Chance auf Champions League

Von Michaela Widder

Dresden Im Fußball wäre das undenkbar. Dass die Uefa nach Saisonabschluss die Regeln ändert und der Bundesligadritte und -vierte auf einmal nicht mehr in der Königsklasse starten darf. So ähnlich ist das jetzt passiert beim Europäischen Volleyball-Verband, der die Champions League umgekrempelt hat.

Als Pokalsieger ist der Dresdner SC für den zweitklassigen Europacup qualifiziert, hätte als Meisterschaftsdritter aber eigentlich auch an der Qualifikation für die Champions League teilnehmen können. Da jedoch kurzfristig die Vergabe der Startplätze verändert wurde, ist das nun nicht mehr möglich. In den vergangenen Jahren wurden die Plätze anhand der Ergebnisse aller drei europäischen Wettbewerbe errechnet. Jetzt fließen allein die aus der Champions League ein. Da aber MTV Stuttgart und der SSC Palmberg Schwerin 2017 auf die Königsklasse verzichteten, fehlen wichtige Punkte im Nationen-Ranking.

Deshalb stehen der Frauen-Bundesliga nur noch zwei Plätze – ein fester in der Gruppenphase und einer in der Qualifikation – zu, und der DSC fühlt sich in gewisser Weise als Leidtragender. „Die aktuelle CEV-Änderung zeigt deutlich, dass ein Verzicht wie in der abgelaufenen Saison sofortige Konsequenzen hat“, kritisiert DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann indirekt ihre Bundesliga-Konkurrenten und betont: „Wir stehen dazu, dass wir das Ziel haben, Champions League zu spielen.“ Doch selbst bei einem Verzicht von Meister Schwerin oder Vizemeister Stuttgart dürfte der DSC nicht nachrücken. Bei den Männern erhält die Volleyball-Bundesliga dagegen drei Startplätze, davon zwei feste. Zudem wird es kein Final-Four-Turnier mehr geben, für das der Gastgeber automatisch qualifiziert ist. Stattdessen findet ein klassisches Endspiel auf neutralem Boden statt.

Der DSC misst sich mit der internationalen Konkurrenz einen Wettbewerb darunter. „Der Europapokal ist immer etwas ganz Besonderes“, betont Trainer Alexander Waibl, „nicht nur, weil wir das letzte deutsche Team sind, das einen gewonnen hat“. Im Jahr 2010, in seiner ersten Saison beim DSC, holte er den Challenge Cup. Schon elf Jahre in Folge ist der Klub auf internationalem Parkett unterwegs, und stets ist es ein finanzieller Kraftakt. Der Klub benötigt dafür ein Extra-Budget zwischen 100 000 und 150 000 Euro. Waibl ist froh, dass der DSC dennoch die Chance immer wieder ergreift. „Man trifft auf andere Spielideen, hat die Möglichkeit, sich mit Topteams aus anderen Ligen zu messen“, sagt er. Und längst kommt nicht mehr nur die Bundesliga, sondern auch der Europacup in der Margon-Arena gut an. Der DSC gehört im europaweiten Ranking mit 2 786 Zuschauern im Durchschnitt aller Wettbewerbe zu den Top-drei-Frauenteams.

International läuft es jetzt auch wieder besser für die deutschen Volleyballerinnen, die in der Nationenliga ihren dritten Sieg nacheinander feierten. Die Mannschaft um die überragende Angreiferin Louisa Lippmann setzte sich zum Auftakt des Turniers im polnischen Bromberg gegen Belgien mit 3:1 durch. Von insgesamt zehn Partien haben die Deutschen nun vier gewonnen.

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