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Montag, 04.01.2010

Kein Schnulli: Die Stadt wirbt mit Dulli

Der Aktendulli ist ein mysteriöses Ding: Jeder gebraucht ihn, doch wer das nützliche Büro-utensil erfunden hat und wa-rum der Dulli Dulli heißt, ist selbst in seiner Heimatstadt nahezu unbekannt - obwohl er 2010 hier zu neuen Ehren gelangen soll.

Von Mandy Schneider

Chemnitz - Der Dulli ist ein typischer Chemnitzer: ein wenig unscheinbar, doch in höchstem Maße praktisch und langlebig. Vor 70 Jahren gründete Carl Kohl in der heutigen Eisenstruckstraße die Firma „Dulli Bürotechnik“.

Seine Tochter Christa Paarmann (68) kann das Geheimnis um den Namen lüften: „Mein Vater war Vertreter für die österreichische Firma Kores, handelte mit Büromaterialien. Dadurch kam er auf das Wort ,dulli‘, was im Wiener Dialekt so viel wie ,vortrefflich‘ bedeutet.“ 1941 ließ Kohl das Gebrauchsmuster beim Patentamt eintragen - als eine von etwa einem Dutzend Neuerungen fürs Büro, die unter seinem Namen auftauchen.

Den Erfolg wusste Kohl auf eigene Weise anzukurbeln. Tochter Christa: „Mein Vater ließ meine Tante als Kundin in Schreibwarenläden nachfragen, ob Aktendullis vorrätig sind. Gab’s keine, stand er am nächsten Tag vor der Tür und bot sie dort an.“

Millionenfach verließen die Heftstreifen aus Pressspan jahrelang die Chemnitzer Firma, die mit dem Slogan warb: „Wo Akten wichtig - ist Dulli richtig!“ So bekannt die Wortschöpfung nach dem Krieg im Osten wurde, so unbekannt blieb sie im Westen, wo Herlitz sie als Heftstreifen nachproduzierte.

Bis 1992 wurden Aktendullis in Chemnitz hergestellt. Erfinder Kohl geriet bald nach seinem Tod 1950 in Vergessenheit. Wäre da nicht der Chemnitzer Geschichtsprofessor Friedrich Naumann gewesen, der sich vor Jahren für einen Kalender über Chemnitzer Erfindungen auf die Suche nach der Kohl’schen Tochter und den alten Unterlagen gemacht hätte.

Mittlerweile interessiert sich auch das Stadtmarketing für den Dulli. Werbeagentur-Chef Ulf Simons (45): „Wir wollen Aktendullis mit Chemnitzer Logo für Gäste der Stadt als kleines und nützliches Geschenk mit Aha-Effekt herstellen lassen.“ Die Tochter des Erfinders freut’s: „Es wäre meinen Eltern eine Ehre.“