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Donnerstag, 08.03.2018

Kein Platz für Frauen

Nicht nur der Fußball ist eine Macho-Welt. Doch in keiner anderen Sportart ist die Dominanz der Männer so groß.

Von Tobias Bach

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Bibiana Steinhaus traut sich und darf als eine der wenigen Frauen Männerspiele pfeifen. Hier wollen Cottbuser Männer den Elfmeterpfiff nicht wahrhaben.
Bibiana Steinhaus traut sich und darf als eine der wenigen Frauen Männerspiele pfeifen. Hier wollen Cottbuser Männer den Elfmeterpfiff nicht wahrhaben.

© dpa/Jonas Güttler

Gleichberechtigung im Sport ist ein Marathonlauf. Das traditionelle Rollenbild scheint dort noch fester verankert zu sein als in anderen Bereichen. Noch immer sind Frauen in Führungspositionen im Sport rar. „In den Vorstellungen vieler sind Führung und Macht Männersache“, sagte DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe. Die Entwicklung in sportlichen Spitzenämtern steht im Gegensatz zu dem, womit man Sport eigentlich verbindet: Statt Veränderungen ehrgeizig zu forcieren, gibt es nur einen mühsamen, zähen Fortschritt. „Es ist ein langwieriger Prozess“, sagte die Leipzigerin Tzschoppe. Dieser brauche „im Sport als traditionelle Männerdomäne vielleicht etwas länger“.

Bestes Beispiel ist die Macho-Welt Männerfußball. Da haben Frauen nach wie vor Probleme, Zutritt zu erlangen. Deutschlands Sportart Nummer eins gleicht noch immer einem geschlossenen System - doch es regt sich Widerstand. „Es gibt überhaupt keinen sachlichen Grund, warum Frauen dieses Land oder Wirtschaftskonzerne führen können, aber keinen Fußballverein“, sagte Katja Kraus.

Die 47-Jährige arbeitete beim Hamburger SV als erste Frau im Vorstand eines Bundesligisten, in den 1990er Jahren als Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, seit 2013 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/sports. Frauen als Spitzenkräfte im Fußball sind jedoch auch heute noch die Ausnahme. Laut einer Studie des Antidiskriminierungsnetzwerks Football Against Racism in Europe besetzen Frauen gerade mal 3,7 Prozent der Führungspositionen im europäischen Fußball.

„Noch immer liegt Männern daran, das Managen eines Fußballklubs zu einer Geheimwissenschaft zu erklären. So hermetisch grenzt sich ansonsten nur noch die katholische Kirche gegen weibliche Führungskräfte ab“, sagte Kraus.

Eine Entscheider-Position auf dem Platz nimmt Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus aus Langenhagen ein. Die 38-jährige Polizeihauptkommissarin leitete am 10. September 2017 als erste Frau ein Männer-Bundesliga-Spiel. Vor und nach der Partie entwickelte sich ein Medienhype. „Bibi war die Beste“, titelte Bild – auch international wurde ihr Auftritt positiv aufgenommen. Die spanische Mundo Deportivo nannte Steinhaus eine „Pionierin im Weltfußball“.

Eine Trainerin in der Männer-Bundesliga scheint dagegen noch utopisch. Selbst in der Frauen-Eliteklasse gibt es bei zwölf Teams momentan nur zwei Cheftrainerinnen. Die Geschlechterstrukturen im Fußball sind noch deutlich verkrusteter als in der Politik oder Wirtschaft. Erst 1970 erlaubte der DFB überhaupt den Frauenfußball, da spielten die Männer schon ihre siebente Bundesliga-Saison. Zu der Zeit spielten bei Empor Dresden-Mitte Frauen bereits seit zwei Jahren Fußball.

Eine Ausnahme auf der Trainerbank eines Männer-Profiteams ist die Französin Corinne Diacre (43). „Ich war noch nicht angekommen und steckte bereits in der Schublade. Alle wussten schon, was ich als Frau im Fußball zu leisten vermochte. Nämlich nichts“, sagte die heutige Frauen-Nationaltrainerin im Rückblick auf ihre Vorstellung 2014 beim Zweitligisten Clermont Foot, den sie drei Jahre betreute.

„Der Kern der Skepsis ist nicht mangelndes Fachwissen, sondern das Problem, dass niemand elf gestandenen Männern zutraut, die Anweisungen einer Frau ernstzunehmen“, sagte Kraus.

Bislang war wohl Gisela Oeri, Ex-Präsidentin des Schweizer Erstligisten FC Basel, eine der mächtigsten Frauen im Fußballgeschäft. Als Milliardärin hatte sie aber auch Argumente auf ihrer Seite, die andere Frauen in der Fußball-Macho-Welt nicht haben. (sid)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Micha

    Lieber Herr Bach, "Doch in keiner anderen Sportart ist die Dominanz der Männer so groß." Schon mal bei der nordischen Kombination gewesen? Ja? Irgendeine Sportlerin gesehen? Bestimmt nicht... ;-)

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