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Dienstag, 10.07.2018 Fußball

Kein Mann für Ursula von der Leyen

Jedes Jahr eine neue Kanone. Der Döbelner Kicker Martin Schwibs ist so treffsicher wie kein anderer Stürmer in Sachsen.

Hat mittlerweile ein kleines Artillerie-Regiment beisammen: Martin Schwibs, der in den vergangenen Jahren jeweils Sachsens bester Torjäger im Fußball war.
Hat mittlerweile ein kleines Artillerie-Regiment beisammen: Martin Schwibs, der in den vergangenen Jahren jeweils Sachsens bester Torjäger im Fußball war.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Er ist ein Mann mit eingebauter Torgarantie. In der Fußball-Landesklasse Nord hat Martin Schwibs für den HFC Colditz in den vergangenen Jahren jeweils über 40 Saisontreffer erzielt und die Kanone des besten Sachsentorjägers erhalten. Ein Mann für Verteidigungsministerin für Ursula von der Leyen ist der 29-jährige Döbelner dennoch nicht, denn wie viel Ausrüstung bei der Bundeswehr, ist die Trophäe für 2017/18 bei der Hausdorfer Abschlussfeier erst mal zu Bruch gegangen. Dennoch will er auch in der kommenden Saison weiter auf Torjagd gehen. Ohne allerdings ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Der Döbelner Anzeiger sprach mit dem gefährlichsten Stürmer im Freistaat.

Martin Schwibs, in vier Jahren beim HFC Colditz sind sie dreimal Sachsens bester Torschütze geworden. Ihre Meinung dazu?

Viermal Torschützenkönig in der Landesklasse und dreimal Sachsenknipser. Ich denke schon, dass es eine reife Leitung ist. Im ersten Jahr waren es 19 Tore bei 21 Einsätzen, dann 42 Tore in 29 Spielen, 41 Tore in 28 Spielen und diesmal 43 Tore in 30 Spielen. Hätte ich nicht gedacht, dass ich das noch mal hinkriege.

Sind die Tore kein Ansporn, noch einmal höherklassig anzugreifen?

Nein, mit der ganzen Geschichte habe ich abgeschlossen. Ich will noch ein, zwei, drei Jahre in der Landesklasse spielen und dann ist es irgendwann vorbei. Ich bin 29, schneller werde ich nicht mehr, mein Gewicht nimmt auch zu. Ich setze jetzt andere Prioritäten.

Das war ja nicht immer der Fall?

Nein, aber ich bin durch meine jetzige Freundin und mit dem Alter erwachsen geworden. Es hat irgendwann klick gemacht, nachdem ich früher ein paar Flausen im Kopf hatte. Es ist nicht mehr wie es vor vier, fünf Jahren war. Wir haben unsere Kleine und da muss man auch Vorbild sein.

Sie sind vor fünf Jahren aus Döbeln nach Hausdorf gewechselt. War das die richtige Entscheidung?

Ich wollte wieder Spaß am Fußball haben, der in Döbeln nicht mehr gegeben war. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

Allerdings hat Ihre Mannschaft dieses Jahr nicht den angepeilten Titel geholt?

Das ärgert uns alle extrem. Gerade nachdem es zur Halbserie so toll aussah. Mit Stand jetzt muss ich aber sagen, dass es Krostitz verdient hat. Mehr als wir. Deshalb Respekt an die Krostitzer, denn die haben eine viel bessere Rückrunde gespielt als wir die Hinrunde.

Ihre Mannschaft hätte dennoch aufsteigen können, hat aber zurückgezogen?

Diese Entscheidung ist richtig, auch ich habe mich gegen den Aufstieg ausgesprochen. Es müssen gewisse Voraussetzungen gegeben sein, um Landesliga zu spielen. Das ist bei uns im Verein nicht der Fall und deshalb ist es ein schlauer Schritt zu sagen, wir gehen erst einmal nicht hoch. Auch weil du gegen Gegner spielst, die Oberliganiveau besitzen. Die schlachten dich ab. Und das hat dann Folgen für die Truppe.

Sie wurden immer wieder mit dem Döbelner SC in Verbindung gebracht?

Klar quatscht man mal darüber, aber derzeit nicht ernsthaft. Ich will, zumindest kommende Saison, in Hausdorf bleiben, weil ich mich hier wohlfühle.

Sie sind beim Döbelner SC, Stahl Riesa und Chemie Leipzig ausgebildet worden, dann nach Döbeln zurückgekommen und spielen jetzt beim HFC Colditz. In dieser Zeit hat es Angebote gegeben, warum haben Sie diese nicht angenommen?

Klar gab es die, aber sportlich habe ich mich in meiner besten Zeit in Döbeln lange wohlgefühlt. Wenn es Angebote gab, war mir das Geld egal. Ich habe mich wohlgefühlt in meiner Umgebung, es hat Spaß gemacht. Das ist jetzt in Hausdorf genauso. Ich will Spaß am Fußball haben, wobei das nicht heißt, dass ich ohne eine gewisse Aufwandsentscheidung spiele.

Sie trauern Angeboten, zum Beispiel aus der Regionalliga, nicht hinterher?

Nein, gar nicht. Im Gegenteil. So wie es jetzt ist, ist es in Ordnung. Ich habe mein Leben in den Griff bekommen, habe einen ordentlichen Beruf, eine kleine Familie, spiele nebenbei Fußball und bin gesund und munter. Das, was ich habe, reicht mir, um glücklich zu sein. Natürlich sind mal solche Spiele wie gegen Dynamo, Chemnitz oder Aue auch für mich das Größte, aber das sind sie für jeden Fußballer.

Wie viele Tore erzielen Sie 2018/19?

Das Schlimme ist, dass es normal erscheint, jede Saison über 40 Tore zu schießen. Irgendwann ist aber die Zeit vorbei, da kommt man ins höhere Fußballalter. Und wenn es nur 30 werden, ist das auch in Ordnung. Ich setze mich nicht unter Druck.

Irgendwann rückt das Karriereende dann doch näher, können Sie sich vorstellen, doch in Döbeln aufzuhören?

Sag niemals nie. Ich hab ja einen guten Draht zu den Leuten. Theoretisch würde nichts im Wege stehen, aber da mache ich mir noch keine Gedanken. Wenn es passiert, dann passiert es. Das kannst du nicht Jahre vorausplanen.

Haben Sie die Befürchtung, dass es in Haudorf nach dem Aufstiegsverzicht wie vor zehn Jahren nach unten geht?

Ich weiß, dass das dem Verein viele wünschen würden, weil die Meinung kursiert, dass hier immer noch extrem viel Geld verbrannt wird. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben hier eine extrem gute Anlage, hier spielt jeder Fußballer einfach gern. Außerdem gibt es im Präsidium fähige Leute, die den Verein gut leiten. Sollte ein Sponsor abspringen, wird das Licht nicht ausgehen, da gibt es mehrere. Deshalb habe ich nie die Befürchtung gehabt, dass wir auseinanderbrechen. Als Kapitän habe ich mich deshalb früh positioniert, hierzubleiben.

Nächste Saison gibt es mehr Derbys?

Döbeln hat sicher ein fähiges Trainerteam, eine gute Mannschaft, die sich entwickelt und eine gute Saison spielen wird. Roßwein dagegen ist eher eine Wundertüte mit Spielern, die Landesligaerfahrung besitzen, und auch Leuten, die bisher nur im Kreis unterwegs waren. Es wird dort sicher schwer, denn die Liga wird kommendes Jahr sicher wieder stärker.

Es fragte: Dirk Westphal