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Donnerstag, 13.09.2018

Kaum neue Asylbewerber im Landkreis

Die Zahl der Hilfesuchenden liegt konstant bei 1 100. Die Wohnplätze wurden deutlich reduziert.

Von Frank Seibel

Symbolbild.
Symbolbild.

© dpa

Landkreis Görlitz. Zwei Monate nach dem Berliner Regierungsdrama um die deutsche Flüchtlingspolitik versteht Heike Zettwitz den ganzen Wirbel nicht. Vor drei Jahren kamen fünfmal so viele Asylbewerber in den Landkreis wie heute. So steht es in der aktuellen Statistik der Dezernentin für Ordnung und Wirtschaft im Landkreis Görlitz. 2 082 Flüchtlinge kamen im Jahr 2015, in diesem Jahr werden es am Ende aller Voraussicht nach 410 sein. Sachsenweit liegt aber die Zahl der Neuankömmlinge noch immer deutlich über dem Wert vor fünf oder sechs Jahren, vor der großen Flüchtlingskrise also.

Natürlich beobachtet man im Landratsamt die Weltlage: Was wird, wenn Syriens offizieller Herrscher Bashar al Assad die Großstadt Idlib angreift? Wie lange wird die Türkei syrische Flüchtlinge aufnehmen und somit eine größere Zuwanderung in die EU und nach Deutschland abfangen?

„Das ist alles ein Blick in die Glaskugel“, sagt Heike Zettwitz. Derzeit gebe es für einen Anstieg der Zuwanderungszahlen kein Anzeichen. „Aber wir schauen früher und genauer hin“, sagt Dezernentin Zettwitz. „Das ist die Erfahrung aus dem Jahr 2015.

Auch ist noch völlig offen, wie die so genannten „Anker-Zentren“ konzipiert werden, die die sächsische Staatsregierung plant. In Dresden werden derzeit zwei solcher Unterbringungen mit je 500 bis 600 Plätzen vorbereitet. Aber noch seit völlig unklar, wie lange Flüchtlinge dort untergebracht werden, sagt der Ordnungsamtsleiter im Landratsamt, Peter Hoffmann. Sollte der Freistaat versuchen, eine große Zahl der nach Sachsen kommenden Flüchtlinge bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag in diesen Ankerzentren zu halten, dann würde sich das deutlich auf den Landkreis auswirken.

Aber vorerst laufe alles sehr routiniert ab. Zwei Busse pro Monat mit je 20 bis 25 Menschen kommen vor der Außenstelle des Landratsamtes in der Görlitzer Innenstadt an. Etwa genauso viele Menschen verschwinden aus dieser Sparte der Statistik: Entweder verlassen sie den Landkreis, oder sie bleiben hier, weil ihr Antrag bewilligt wurde. Die Zahl der Asylsuchenden liege konstant bei rund 1 100, sagt Amtsleiter Hoffmann. Die Zahl der Ausländer insgesamt beziffert er mit aktuell 12 000 – das wären gut 1 600 mehr als vor eineinhalb Jahren.

Sollte sich an der Gesamtlage etwas ändern, hätte der Landkreis derzeit keinen großen Puffer, was die Unterbringungsmöglichkeiten betrifft, sagt Hoffmann. „Wir haben uns angewöhnt, nahe an der 100 Prozent zu arbeiten.“ Soll heißen: Vor allem private Wohnungen , die der Kreis zunächst angemietet hatte, wurden gekündigt. Es gibt derzeit nicht viele freie Mietwohnungen für Flüchtlinge. Denn Geld erhält der Landkreis vom Freistaat nur für tatsächlich anwesende Asylbewerber, nicht für Plätze auf Vorrat.

Etwas mehr Spielraum gibt es bei den Gemeinschaftsunterkünften. Hier sind derzeit noch 113 von 826 Plätzen in sechs Flüchtlingsheimen frei. Die Auslastung lag zu Beginn des Jahres noch bei 75 Prozent, jetzt ist sie auf 86 Prozent gestiegen.

Probleme hat der Landkreis nach eigener Auskunft derzeit lediglich mit dem Heim in der Fichtestraße. Dort sind überwiegend alleinstehende junge Männer untergebracht. Damit Konflikte sich nicht entladen, habe der Landkreis zusätzliches Personal eingestellt, sagt Amtsleiter Hoffmann. „Wir haben frühzeitig gegengesteuert. Sonst gäbe es dort Probleme“, sagt Amtsleiter Hoffmann.

Beschwerden aus der Bevölkerung seien übrigens sehr selten. „Diejenigen, die sich auf Facebook auslassen, wollen meist gar nicht mit uns diskutieren.“