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Freitag, 20.07.2018

Katastrophenhelfer fordern Hilfe

Das Rote Kreuz in Radebeul bemängelt Defizite im Katastrophenschutz. Die Ehreamtlichen fühlen sich benachteiligt.

Von Nina Schirmer

Vicky Adler und Heiko Welsch arbeiten seit vielen Jahren ehrenamtlich beim DRK Kreisverband Dresden-Land. Vom Freistaat fordern sie jetzt eine höhere Anerkennung ihres Einsatzes. „Wir brauchen Unterstützung“, sind sie sich mit anderen Ehrenamtlichen einig. Ansonsten sei das Rote Kreuz womöglich eines Tages nicht mehr einsatzbereit.
Vicky Adler und Heiko Welsch arbeiten seit vielen Jahren ehrenamtlich beim DRK Kreisverband Dresden-Land. Vom Freistaat fordern sie jetzt eine höhere Anerkennung ihres Einsatzes. „Wir brauchen Unterstützung“, sind sie sich mit anderen Ehrenamtlichen einig. Ansonsten sei das Rote Kreuz womöglich eines Tages nicht mehr einsatzbereit.

© Norbert Millauer

Radebeul. Februar 2018: Auf dem Netto-Parkplatz in Weinböhla läuft eine ätzende Flüssigkeit aus einem Lkw. Neben einem Großaufgebot der Feuerwehr sind auch Ehrenamtliche vom Roten Kreuz aus Radebeul im Einsatz. Drei Patienten müssen von ihnen ins Krankenhaus gebracht werden. Einen Monat zuvor: In Coswig brennt die Lagerhalle eines Holzhandels. Das DRK versorgt die Feuerwehrleute vor Ort mit Essen und richtet einen Ort zum Aufwärmen ein. Oktober 2017: Auf der A 13 bei Radeburg gibt es einen schweren Unfall mit zehn Verletzten. Sanitäter vom DRK Radebeul sind zur Stelle. Die Einsatzliste der Rotkreuzler aus den letzten Jahren ist lang. Beim Brand in der Flüchtlingsunterkunft in Naundorf halfen sie vor Ort. Bei der Gasexplosion in einem Radebeuler Wohnhaus ebenso wie während des Tornados in Großenhain. Zuletzt war das Radebeuler DRK im Einsatz, als im Mai in Dresden-Löbtau eine Fliegerbombe gefunden wurde. Die Radebeuler betreuten zeitweise mehr als 1 000 Menschen in der Messehalle. Was vielen gar nicht bewusst ist: Die „weißen Organisationen“arbeiten ehrenamtlich.

Der Wunsch zu helfen, treibt die Freiwilligen an. Doch inzwischen rufen sie selbst nach Hilfe und bemängeln Defizite beim Katastrophenschutz des Freistaates. Das beginnt beim Thema Lohnausgleich im Einsatzfall, sagt Innocent Töpper, hauptamtlicher Leiter Rotkreuz-Dienste vom Kreisverband Dresden-Land. Werden etwa Kameraden der freiwilligen Feuerwehr während ihrer Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen, wird ihrem Arbeitgeber der entstandene Lohnausfall ersetzt. Beim DRK ist das nicht automatisch der Fall. „Nur im Katastrophenfall ist dies im Gesetz verbindlich verankert“, sagt Töpper.

Das war aber in den letzten 16 Jahren nur zwei Mal der Fall: bei den Hochwasserereignissen 2002 und 2013. Die Rotkreuzler sind deshalb vollkommen auf die Kulanz ihrer Arbeitgeber angewiesen, bekommen unter Umständen auch beruflich Probleme, wenn sie zu Einsätzen fahren oder müssen dafür ihre Überstunden opfern.

Deshalb fordert das DRK eine juristische Gleichstellung mit den Kameraden der Feuerwehr. Das ist Teil einer Petition, mit der sich das Rote Kreuz gemeinsam mit der Johanniter Unfallhilfe, dem Malteser Hilfsdienst, dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft an den Sächsischen Landtag wenden will.

Eine weitere Forderung darin: Mehr Geld für die Unterbringung von Mannschaften und Einsatztechnik. In Radebeul sei man ja mit dem Gebäude in der Forststraße noch vergleichsweise gut bedient, sagt Töpper. Andere Ortsgruppen, etwa in Niederau, hätten nicht einmal Spinde und Duschen. Aber auch das Radebeuler Objekt platze aus allen Nähten.

Das zeigt sich schon in der Garage. Dicht an dicht reihen sich hier die Einsatzfahrzeuge, andere haben gar nicht mehr unter das Dach gepasst und stehen draußen. Die Fahrzeuge bekommt das Rote Kreuz vom Freistaat gestellt, für die Unterhaltung sind die Kreisverbände aber selbst zuständig. Zwar gibt es feste Fördersätze, aber die reichten nicht aus, sagt Töpper. Allein Notstromaggregate, Zeltheizungen und Beatmungsgeräte zu warten, sei sehr teuer. Schutzausrüstungen und Treibstoffe müssen auch noch finanziert werden.

Was viele Ehrenamtliche besonders ärgert: Das Geld, das sie für Sanitätsdienste zum Beispiel bei Großveranstaltungen einnehmen, fließt fast komplett in die Katastrophenschutztechnik und die Fahrzeuge. Dabei sind diese Bereiche beim DRK eigentlich strikt voneinander getrennt. „Wir freuen uns sehr über neue Katastrophenschutztechnik vom Freistaat“, sagt Töpper. „Aber wir brauchen auch mehr Unterstützung für die Unterhaltung. Das ist meines Erachtens Pflicht des Landes.“

Die Beschwerdeliste der Helfer geht noch weiter. Ehrenamtliche von der Hundestaffel zum Beispiel bekämen nicht mal Benzingeld, wenn sie zu Einsätzen fahren. Der Führerschein für große Einsatzfahrzeuge würde auch nicht finanziert.

Die Radebeuler DRKler suchen nach einem Ersatz-Standort, weil das Gelände in der Forststraße nicht mehr ausgebaut werden kann. Eine einfache Suche wird das bei der knappen Verfügbarkeit von Grundstücken in der Stadt nicht.

Das DRK bittet alle Bürger, die Onlinepetition zu unterschreiben: www.openpetition.de/petition/online/status6-helfergleichstellung-in-sachsen-jetzt