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Freitag, 18.05.2018

Karriere in der Sackgasse

Pascal Wehrlein fährt wieder in der DTM. Dabei will er doch viel lieber in der Formel 1 Gas geben.

Von Maik Schwert

Er blickt in eine ungewisse Zukunft. Pascal Wehrlein muss nach dem Abstieg aus der Formel 1 wieder in der DTM durchstarten – am Wochenende auf dem Lausitzring.
Er blickt in eine ungewisse Zukunft. Pascal Wehrlein muss nach dem Abstieg aus der Formel 1 wieder in der DTM durchstarten – am Wochenende auf dem Lausitzring.

© dpa

Der Arbeitgeber ist der gleiche, die Serie eine Nummer kleiner. Nach zwei Jahren in der Formel 1 mischt Pascal Wehrlein wieder in der DTM mit. In dieser Serie begann er 2013 und raste ein Jahr später auf dem Lausitzring zum ersten Erfolg – als jüngster Pilot. Am Wochenende kehrt der Mercedes-Fahrer zurück, und doch ist vieles anders. 2015 gewann er den Titel – auch das als jüngster Fahrer. Anschließend stieg er in die Königsklasse auf, um im wahrsten Sinn des Wortes zu erfahren, dass man dort mehr benötigt als Steuerkünste. Geld und Kontakte spielen in der Formel 1 eine bedeutendere Rolle.

Wehrlein fuhr 2016 und 2017 besser als seine Mannschaftsgefährten bei Manor und Sauber. Im ersten Jahr holte er den einzigen Punkt für den britischen Pleite-Rennstall. In der zweiten Saison kam der Deutsche auf fünf Zähler. Teamkollege Marcus Ericsson ging leer aus. Der Schwede sitzt dennoch weiter im Auto – dank eines Konsortiums aus seinem Heimatland. Außerdem arbeiten die Schweizer mit Alfa Romeo und Ferrari zusammen. Da passt deren Junior Charles Leclerc aus Monaco besser in ihren Boliden als Mercedes-Talent Wehrlein.

„Es gibt manche Fahrer, die sich einen Sitz kaufen können“, sagt der 23-Jährige. „Ein Budget würde immer helfen, doch das ist nicht mein Ziel.“ Er möchte sich sportlich für die Königsklasse qualifizieren – so wie 2014, als Mercedes ihn nach seinem Sieg auf dem Lausitzring zum Formel-1-Ersatzfahrer befördert hat. Diesen Job erledigt Wehrlein auch in dieser Saison. Doch sein Hauptaugenmerk gilt der DTM: „Der Auftakt in Hockenheim war sehr positiv. Ich fühle mich wohl und komme gut zurecht.“ Er fuhr als Fünfter und Sechster in beiden Rennen in die Punkte, „und es wäre sogar noch deutlich mehr drin gewesen“. Nicht zufrieden war Wehrlein mit seiner zweiten Qualifikation als Elfter und den Boxenstopps, durch die er einige Plätze verlor. Dennoch kommt Wehrlein mit 18 Punkten als einer von drei Dritten zum Lausitzring und erinnert sich: „Mein erster DTM-Rennerfolg liegt zwar schon sehr lange zurück, aber das bleibt trotzdem immer etwas sehr Spezielles für mich.“

Gleiches gilt für die Formel-1-Jahre, nur irgendwie anders. Er konnte bei den kleinen Mannschaften nichts Großes zeigen: „Ich saß in einem Auto, mit dem nicht viel drin war. Da waren die paar Zähler schon echte Höhepunkte.“ Damals schlich Wehrlein hinterher: „Jetzt kann ich wieder überholen. Das macht viel mehr Spaß.“ Alle hätten das Ziel, an den ersten Rennwochenenden erfolgreich zu fahren, um sich an der Spitze zu etablieren. Denn wer sich oben festsetzt, erhält im Saisonendspurt die meiste Hilfe seines Autobauers. „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem nur noch ein oder zwei Fahrer die Meisterschaft gewinnen können. Da will ich einer von sein.“

Doch gerade bei Mercedes dürften alle so lange wie möglich gegeneinander rasen. Die Silberpfeile steigen nach diesem Jahr aus der DTM aus und 2019 in die Formel E ein. Das führt logischerweise dazu, dass die sechs Piloten sich besonders zeigen und für ein Auto und eine Serie in der nächsten Saison empfehlen wollen.

Angeblich macht er sich keine Gedanken über seine Karriere. Die Ausgangslage hat sich schließlich nicht großartig verändert: „Ich fahre jedes Jahr um meine Zukunft und muss immer das Maximale herausholen.“ Eine Alternative wäre die Super Formula in Japan. Sie sei bereits in dieser Saison eine Option gewesen. Doch Wehrlein entschied sich mit Mercedes für DTM und Formel 1. Die Silberpfeile sind eine der wenigen Konstanten in seiner Karriere, die in einer Sackgasse zu enden droht. Trotzdem träumt er weiter von der Formel 1 und benötigt dafür Siege in der DTM, am besten schon am Wochenende auf dem Lausitzring.

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