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Dienstag, 15.05.2018

Kapitän und Trainer suchen nach Erklärungen

Dynamo hat den Klassenerhalt geschafft, aber wie ist diese Saison zu bewerten? Marco Hartmann und Uwe Neuhaus ziehen ein erstes Fazit.

Von Sven Geisler

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Trainer Uwe Neuhaus und Kapitän Marco Hartmann blicken auf eine Saison zurück, die ein wenig einer Achterbahnfahrt glich.
Trainer Uwe Neuhaus und Kapitän Marco Hartmann blicken auf eine Saison zurück, die ein wenig einer Achterbahnfahrt glich.

© Robert Michael

Die Pfiffe hört Uwe Neuhaus kaum. „Ich war so schnell weg, so schnell konnten sie gar nicht pfeifen“, sagt Dynamos Trainer zur Reaktion der Fans nach der Heimniederlage im Ost-Duell gegen Union Berlin. „Nein, wirklich, ich war selber gefrustet. Deswegen kann ich es nachvollziehen.“ Den Klassenerhalt geschafft, aber einen schlechten Eindruck hinterlassen: Die Gemütslage bei den Dresdnern ist zwiespältig. Marco Hartmann drückt es so aus: „Erleichterung, aber keinerlei Freude.“ Es sei „ein ganz komisches Gefühl, mit dieser Stimmung in die Sommerpause zu gehen“.

Der Kapitän konnte mal wieder nicht spielen, Muskelfaserriss in der rechten Wade. „Wir haben noch rumgewurschtelt, aber wenn du nicht gehen kannst, brauchst du auch keinen Fußball zu spielen.“ Nur in 15 von 34 Spielen stand er in der Startelf, viermal wurde er eingewechselt. Seine Saison, meint er ironisch, sei „ähnlich grandios“ gewesen wie die der Mannschaft.

Die Ausfallliste wird ein Thema sein bei der Ursachenforschung für die Schwierigkeiten in diesem zweiten Zweitliga-Jahr, die zum Abschluss noch mal deutlich werden. Hartmann fasst sie so zusammen: „Du triffst das Tor nicht, liegst plötzlich hinten und dann fehlen dir die Körner, hier noch etwas rauszuholen.“

Warum Dynamo nicht weiter oben steht

Abgänge vor der Saison: „Wir haben viel geredet in den vergangenen Wochen und versucht, die letzten Reserven rauszukitzeln“, erzählt Hartmann – und pustet erst einmal durch. „Dadurch ist man irgendwie verbraucht. Ich bin froh, dass es vorbei und geschafft ist.“ Letztlich hat es gereicht, wenn auch knapp und am Ende dank der Schützenhilfe anderer. „Trotzdem: Wir müssen uns nicht entschuldigen für 41 Punkte.“ Damit hat Dynamo schließlich die magische Marke übertroffen, die man sich vornimmt, wenn man mit dem Ziel startet, sich in der Liga zu behaupten. Und nichts anderes war realistisch nach dem erneuten Substanzverlust mit den Abgängen im vorigen Sommer.

Qualität: Es ist weder gerechtfertigt noch sinnvoll, Einzelne für das mannschaftliche Abschneiden verantwortlich zu machen. Das meint auch Hartmann mit seiner Einschätzung. „Über das Jahr gesehen ist es eine Frage der Qualität.“ Er habe selber häufig betont, dass die Mannschaft zu gut sei, um abzusteigen. „Aber als es drauf ankam, wurde es immer enger. Vielleicht sind wir dann doch nicht so gut.“

Konstanz: Über die Qualität des Kaders lässt sich diskutieren. Eine mangelnde Konstanz ist jedoch sichtbar: Denn die Saison glich lange einer Achterbahnfahrt, bis es nach hinten heraus eher bergab ging. Dabei schien Dynamo mit dem 3:2-Sieg zu Hause gegen Heidenheim am 9. März so gut wie durch zu sein: als Neunter mit 35 Punkten, fünf Zähler vor dem Relegations-, acht vor dem Abstiegsplatz. Dass doch noch bis zum Schluss gezittert werden musste, lag zweifellos an den eigenen Schwächen und vier sieglosen Spielen in Folge mit dem 0:4 im eigenen Stadion gegen Holstein Kiel als Tiefpunkt.

Hin und Her in der Liga: Es verloren Spitzenteams gegen Abstiegskandidaten. Es waren, sagt Neuhaus „schon teilweise erschreckende Ergebnisse“ dabei. Die Liga spielte verrückt und Dynamo fiel plötzlich ab. „Ich glaube, irgendwann war die Überzeugung nicht mehr da“, meint Hartmann. 18 Punkte in der Rückrunde – das ist die Ausbeute eines Absteigers, nur Eintracht Braunschweig (17) war noch schlechter. Von der miesesten Heimbilanz aller Zweitligisten mit nur fünf Siegen, aber acht Niederlagen ganz zu schweigen.

Was Dynamo jetzt anders machen muss

Es sind einige Hebel anzusetzen. Gespräche, kündigt Hartmann an, werde es in den nächsten Tagen geben. Auf den Trainer müsse er nicht zugehen. „Ich denke, dass meine Meinung gefragt ist“, sagt der Kapitän. „Es gibt jetzt aber nichts, was ich ihm dringend sagen müsste, weil wir in den letzten Wochen so viel geredet haben, dass wir genau wissen, wie wir denken.“ Wie er denkt, verrät Hartmann: „Es muss uns Ansporn sein, neu und anders in die Vorbereitung auf die nächste Saison zu gehen, weil: So ist es am Ende doch ganz schön trist.“

Die Pause sei jetzt „brutal wichtig“, um dieses bescheidene Gefühl abzuschütteln, es am letzten Spieltag nur dank fremder Hilfe geschafft zu haben. Wobei das so wiederum eben nicht stimmt. „Die 41 Punkte haben wir ja irgendwann geholt und die haben wir auch verdient“, sagt Hartmann. Er hat den Urlaub längst gebucht. „Der Plan steht, weil ich ja immer davon überzeugt war, dass wir es schaffen.“ Ab in den Süden mit Freundin Jule und Sohn Carlie, die Sonne genießen, am Meer Abstand gewinnen zu einer Saison, die doch irgendwie besser war, als es sich am Ende anfühlt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Oliver

    Hallo Trainer gleich mal ne frage... Wieso sitzt unser bester Torschütze auf der Bank oder ist nicht im Kader.... Wieso setzt man immer nur auf Hartmann und lässt Konrad ziehen... Wieso hört man vor den Spielen immer nur große Worte und beim Spiel sieht man nichts mehr davon... Wieso werden bei den Pressekonferenzen nicht auch mal unbequeme Fragen gestellt, ist dies verboten? Über Antworten würde ich mich freuen

  2. Hm

    @1 und wieso sitzt eigentlich Herr Neuhaus und nicht Herr Oliver auf der Bank?

  3. Mal ne Anmerkung

    Einfach mal die Kolumne von Hansi Kreische in der heutigen Morgenpost zum Thema lesen.Alles gesagt!Herr kreische sagt dort Wahrheiten ,die einem Herrn Neuhaus nicht schmecken werden,sofern er dies liest. Da wird die Einstellung der Mannschaft kritisiert ,richtig ,da wird die Auswechslung von Haris Duljevic kritisiert (auch unter uns Fans im Stadion totales Unverständnis)richtig, und dann noch dieser Sportfreund Mlapa,kraftloser ,keine Kopfball gewinnender und im Zweikampf stets das Nachsehen habender Ausfall ,der 90 min auf dem Platz bleiben durfte. Wo war Lucas Röser ,der Stürmer mit den meisten Toren für unsere SGD? Es wird Zeit ,das sich der Aufsichtsrat und die sportliche Leitung zusammensetzt um so eine Saison nicht noch mal zu wieder. Scheinbar ist der Trainer ,und das wäre nicht gut ,der trainer resistend auf Kritik von Fachleuten(nicht ich aber Hansi Kreische und auch Dixi Dörner)! Und an @2 HM ,ich stehe nicht als Trainer zur Verfügung(aus rein beruflichen Gründen)

  4. Glocke 22

    Aber Nummer 1 hat völlig recht! Ich hätte sie auch so formuliert! Diese Fragen müssen so gestellt werden. Auf Dynamo

  5. Oliver

    @2... Schön das es immer wieder Leute hier gibt die noch nicht mal ihren Namen schreiben können... ist kritisches Hinterfragen nicht mehr erlaubt?

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