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Samstag, 03.02.2018

Kann ich das essen?

Allergen-Hinweise sind Pflicht im Restaurant. Doch längst nicht alle halten sich daran, sagt eine Verbraucherschützerin.

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Vorbildlich: Nicole Hammer (l.) und Nicole Fehrmann vom Restaurant Zeitlos im Militärhistorischen Museum in Dresden können ihren Gästen eine Speisekarte mit ausgewiesenen Allergenen präsentieren.
Vorbildlich: Nicole Hammer (l.) und Nicole Fehrmann vom Restaurant Zeitlos im Militärhistorischen Museum in Dresden können ihren Gästen eine Speisekarte mit ausgewiesenen Allergenen präsentieren.

© ronald bonß

  • Vorbildlich: Nicole Hammer (l.) und Nicole Fehrmann vom Restaurant Zeitlos im Militärhistorischen Museum in Dresden können ihren Gästen eine Speisekarte mit ausgewiesenen Allergenen präsentieren.
    Vorbildlich: Nicole Hammer (l.) und Nicole Fehrmann vom Restaurant Zeitlos im Militärhistorischen Museum in Dresden können ihren Gästen eine Speisekarte mit ausgewiesenen Allergenen präsentieren.

Wenn Allergiker das Falsche essen, kann das bei ihnen zum Beispiel Quaddeln auslösen. Oder sie richtig krank machen. Oder mit einem tödlichen Kreislaufzusammenbruch enden. Sieben Prozent der Deutschen kämpfen mit Allergien oder Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel, schätzt der Deutsche Allergie- und Asthmabund. Auslöser können Milchzucker – also Laktose –, Gluten und Erdnüsse sein, aber auch Soja, Fisch oder bestimmte Obstsorten.

Im Supermarkt wissen Nahrungsmittelallergiker, was in den Einkaufskorb darf: Bei verpackten Lebensmitteln müssen alle Allergene auf der Verpackung stehen. Hingegen sind sie im Restaurant, Café oder Schnellimbiss oft aufgeschmissen, sagt Silke Schwartau, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Frau Schwartau, wie kann ein Allergiker im Restaurant erkennen, ob er bestimmte Speisen meiden sollte?

Seit 2014 schreibt ein EU-Gesetz Gastwirten vor, Speisen so zu deklarieren, dass der Gast allergene Bestandteile im Essen erkennen kann. Momentan betrifft das 16 Stoffe, darunter Milch und Nüsse, auf die Wirte hinweisen müssen – und zwar schriftlich. Das kann auf der Speise- und Getränkekarte sein, auf einem Aushang oder einer Tafel über oder neben der Kasse, wenn sie gut lesbar ist. Die Allergene nur im Internet zu nennen, reicht nicht. Die Vorschrift gilt auch für den Küchengruß oder das Brötchen als Vorspeise.

Halten sich die Wirte an die Vorschriften?

Leider nicht immer. Im November haben wir in Hamburg die Allergenkennzeichnung auf den Speisekarten von 38 Restaurants überprüft. Zwei von fünf Gastronomen schnitten gut ab. Doch bei mehr als der Hälfte der Restaurants war die Kennzeichnung ungenügend. Mal fehlten die Allergenhinweise ganz, mal waren sie falsch, mal unvollständig. Oder es wurden Zusatzstoffe und Allergene durcheinandergeworfen. Ein Restaurant hing einfach eine Karte aller Allergene ohne Bezug zu den angebotenen Gerichten auf.

Sind teure Restaurants da besser?

Nein. Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht finden Sie im einfachen Familienrestaurant ebenso wie im Nobelrestaurant. Hingegen kennzeichnen Restaurantketten häufig gut. Sie sind international unterwegs. Und sie haben, anders als der Besitzer eines kleinen Cafés, auch Abteilungen, die das Ganze managen, Speisekarten vorgeben und layouten und auch hinter einer korrekten Kennzeichnung her sind.

Warum ist eine Allergene-Kennzeichnung in der Gaststätte so wichtig? Früher ging es doch auch ohne.

Früher sind viele Allergiker aus Angst gar nicht mehr auswärts essen gegangen! Fakt ist: Es gibt heute mehr Lebensmittelallergien und Lebensmittelunverträglichkeiten als früher. Hinzu kommt, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Restaurants Fertigprodukte wie Soßen oder Kartoffelklöße verarbeiten – übrigens auch Spitzenköche, wie Experten vermuten.

Reicht es nicht, wenn mir der Kellner oder Küchenchef sagt, welche Allergene im Essen stecken?

Nein, der Kellner weiß das ja oft nicht. Das muss er auch nicht – nicht jeder ist ein Allergen-Profi. Außerdem ist nicht jedem klar, was es bedeutet, wenn der Gast sagt, er reagiere allergisch auf Nüsse. Hier muss die Ausbildung besser werden. Manche Servicekräfte reagieren genervt oder nehmen die Frage des Gastes nach Allergenen im Essen nicht ernst. Darum ist es wichtig, dass Wirt oder Bedienung dem Gast eine Karte in die Hand drücken können.

Wie sieht für Sie die ideale Speisekarte für Allergiker aus?

Auf dieser Speisekarte werden die Allergene gleich neben der Speise und dem Getränk genannt, und zwar in Form von Fußnoten, Zahlen oder Buchstaben. Die Erklärung dafür kann auch hinten in der Speisekarte stehen – Hauptsache, es ist eine ehrliche Karte. Wichtig ist, dass dabei zwischen Allergenen und Zusatzstoffen wie zum Beispiel Geschmacksverstärkern unterschieden wird. Und dass die Schrift lesbar ist. Wäre ich Wirt, würde ich ein paar meiner Gäste einfach mal fragen, wie sie sich die Hinweise wünschen – und das dann umsetzen.

Ist eine extra Allergiker-Speisekarte sinnvoll?

Ich kenne keinen Gastwirt, der Umsatzeinbrüche hat, weil Fußnoten oder Zahlen auf seiner Speisekarte stehen. Ich weiß aber, dass manche Hoteliers finden, dass Fußnoten oder Zahlen die Speisekarte verunstalten und Nicht-Allergikern die Lust auf die Speisen nehmen. Diese Gastronomen können gerne eine extra Allergiker-Karte drucken. In der generellen Speisekarte könnten sie auf diese Karte hinweisen – etwa mit einem Satz wie „Sprechen Sie uns an – gerne reichen wir Ihnen unsere Allergiker-Karte.“

Wie bringt man unwillige Gastronomen dazu, künftig Allergene zu nennen?

Mit besseren Kontrollen und Strafen, die dem säumigen Gastwirt auch wehtun. Seit Juli des letzten Jahres können Verstöße gegen die Allergenkennzeichnung mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro belegt werden. Dafür sind aber mehr Kontrollen notwendig.

Ist hier die Politik gefragt?

Ja. Die Allergenkennzeichnung wird nicht ausreichend überwacht. Natürlich gehen bei der amtlichen Lebensmittelkontrolle Hygienefragen vor. Aber eine korrekte
Allergenkennzeichnung ist für viele Menschen lebenswichtig. Für bessere Kontrollen sind aber mehr Kontrolleure notwendig. Sie zu finanzieren, ist Sache der Länder, auch von Sachsen. Die Verbraucherzentralen fordern eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung von Allergenen, von Zahlen, Farben, Symbolen. Jedes Restaurant macht da sein eigenes Ding, das hat unser Check leider auch gezeigt. Das verunsichert Verbraucher.

Haben wir auch in der Kantine oder der Kita das Recht auf die Information?

Natürlich. Für Kinder sind Allergen-Hinweise sogar noch wichtiger. Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind nur Schulfeste oder Events, für die Eltern oder Vereine beispielsweise Kuchen backen. Auch in jeder Kantine muss eine Karte mit den Allergenen vorhanden sein oder ein entsprechender Aushang für jeden gut sichtbar angebracht werden.

Das Gespräch führte Martina Hahn.

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