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Dienstag, 08.05.2018 Kommentar

Kämpfen lohnt sich

Ein Kommentar über den Erhalt des Görlitzer Siemenswerkes von SZ-Redakteur Sebastian Beutler.

Von Sebastian Beutler

Sebastian Beutler
Sebastian Beutler

© robertmichaelphoto.de

Es ist noch einmal gut gegangen. Siemens wird auch künftig in Görlitz Industriedampfturbinen entwickeln und bauen, das Werk soll die weltweite Zentrale für dieses Geschäft im Siemens-Konzern werden. In der Oberlausitz sind dafür Tausende Menschen auf die Straße gegangen, sangen gemeinsam Weihnachtslieder vor dem Siemens-Tor.

Görlitzer Siemensianer radelten bis nach München – bei Wind und Schnee. Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege schrieb an die Bundeskanzlerin, Ministerpräsident Michael Kretschmer reiste nach München zu Siemens-Chef Joe Kaeser. Sie alle vereinten sich hinter dem Slogan „Keep Görlitz Alive“ – Haltet Görlitz am Leben. Sie alle können sich nun über den Erfolg freuen – kämpfen lohnt sich.

Aber ist damit alles gut? Nein. Die Wirtschaft in Görlitz, aber auch in der gesamten Oberlausitz ist zu stark abhängig von einigen großen Konzernen. Zwar hat sich ein solider Mittelstand entwickelt, aber es fehlt ihm häufig an Forschung und Entwicklung, an Endprodukten und an Fachkräften. Es ist gut, dass Siemens in Görlitz bleibt. Noch besser wäre es, wenn nun auch die Elektrifizierung der Bahnstrecken von der Oberlausitz nach Berlin und Dresden käme, wenn die Hochschule Zittau/Görlitz zu einer Europa-Universität ausgebaut und die aufstrebende IT-Branche in ein Görlitz-Valley investieren würde. Vielleicht mit Hilfe des zugesagten Zukunftsfonds von Siemens für die Lausitz. Dann hätte der Kampf nachhaltigen Erfolg.

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