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Mittwoch, 10.10.2018 Gerichtsbericht

Junger Mann tickt in S-Bahn aus

Ein Libyer aus Klingenberg tritt im Zug aus Pirna eine Scheibe kaputt und verletzt eine Frau. Es ist nicht sein einziger Ausraster.

Von Stephan Klingbeil

Ein 22-jähriger Lybier musste sich vorm Amtsgericht in Dippoldiswalde verantworten. Den letzten Prozess ließ er platzen.
Ein 22-jähriger Lybier musste sich vorm Amtsgericht in Dippoldiswalde verantworten. Den letzten Prozess ließ er platzen.

© Egbert Kamprath

Dieses Mal sollte der Prozess nicht platzen: Vor Kurzem musste sich am Amtsgericht Dippoldiswalde ein 22-jähriger Libyer verantworten. Er soll am 15. Oktober 2016 mittags in einer S-Bahn zwischen Pirna und Dresden randaliert. Offenbar nach einem Streit mit einem Zugbegleiter in Heidenau sei der Angeklagte ausgetickt. Eine Glastür ging zu Bruch. Der Sachschaden betrug etwa 1 550 Euro. Obendrein wurde eine Passagierin von Glassplittern am Kopf verletzt.

Darüber hinaus hatte er schon im Juli 2016 im Landratsamt in Pirna gegen eine Wand geschlagen, sodass ein Bilderrahmen zerstört wurde. Dem vorausgegangen sei eine Auseinandersetzung mit Mitarbeitern. Er habe damals mit einem fehlerhaften Schein doppelt Taschengeld abholen wollen. Als ihm die erneute Auszahlung verweigert wurde, wäre der Mann ausgerastet.

Der junge Libyer räumt die Vorwürfe ein. Eigentlich sollte er schon im Juni angeklagt werden. Nachdem er damals nicht in Dippoldiswalde erschienen war (SZ berichtete), wurde er per Sitzungshaftbefehl von der Polizei gesucht. Mitte Juli klickten die Handschellen. Seither saß er im Gefängnis.

Der Angeklagte ist kein Unbekannter, stand bereits vor Gericht – wegen Schwarzfahrens, aber auch wegen unerlaubter Einreise nach Deutschland. Wie bei vielen derartigen Verfahren im Zuge der Flüchtlingskrise wurde auch das gegen den Libyer eingestellt. Er war einst als Kind nach Marokko gezogen, verließ dann das Land als Teenager gen Spanien. Nach eigenen Angaben ging er dort zur Schule, die staatlichen Hilfen für ihn endeten aber, als er 18 wurde.

In Deutschland sei dies anders, habe er gehört. Ende 2014 kam er über Belgien nach Sachsen, wo er zunächst in Heidenau wohnte. Später wurde der Mann in Klingenberg untergebracht. Dort sei er zwar registriert, aufgehalten habe er sich dort aber kaum. Der abgelehnte Asylbewerber, der nicht abgeschoben werden könne, weil er keinen Pass hat, hält sich lieber in Dresden auf. Dort spielt er Fußball, ist mit Freunden unterwegs. Auch Drogen kaufte er da. In einem Park wurde er von Beamten erwischt. Im Oktober 2016 war er ebenfalls auf dem Weg nach Dresden. Der Schaffner hatte ihn nach dem Ticket gefragt. „Der hat aber nicht mal bitte gesagt und später noch Scheiß Araber gesagt“, erklärt der Libyer. Daraufhin habe er sich geärgert. Er trat gegen die Tür, hinter der eine 23-Jährige saß, die zur Arbeit fahren wollte. Sie erlitt Schnittverletzungen und hatte zwei Wochen lang Kopfschmerzen. Noch im Zug entschuldigte sich der Angeklagte bei ihr.

Der Zugbegleiter bestritt, den Libyer beleidigt zu haben. Das Gericht glaubte ihm. „Und selbst wenn der Vorwurf doch stimmen würde, die Reaktion war nicht angemessen“, so der Richter zum Angeklagten. Das Gericht verurteilt den zur Tatzeit noch Heranwachsenden zu drei Wochen Dauerarrest. Die Strafe ist abgegolten. Der Libyer saß schon in etwa so lange in Sitzungshaft.