erweiterte Suche
Montag, 12.11.2018

Junger Landwirt mit Bestnote

Paul Schröter hat bei Zachmanns in Markersdorf gelernt und einen super Abschluss hingelegt. Jetzt lernt er weiter.

Von Anja Gail

Paul Schröter auf dem Dreiseitenhof seiner Eltern in Weinhübel.
Paul Schröter auf dem Dreiseitenhof seiner Eltern in Weinhübel.

© nikolaischmidt.de

Mit einer Eins vor dem Komma gehört Paul Schröter zu den besten Jungfacharbeitern in einem grünen Beruf im Landkreis Görlitz. Hinter dem Komma sei es wohl eine Drei gewesen, überlegt der 22-Jährige kurz. Er habe ja nur seine Ausbildung gemacht, sagt er, da sei das mit den Leistungen und der Gesamtnote so gekommen. Eva-Maria Zachmann aus Markersdorf sieht das etwas anders. Im Landwirtschaftsbetrieb ihres Mannes sei Paul äußerst beliebt. „Und an den super Leistungen, da besitzt zuallererst er den größten Anteil.“

Bei den Landwirten erzielte er die besten Ergebnisse im Kreis. Das bescherte ihm und seinen Ausbildern dann auch noch eine Einladung nach Dresden. Dort ehrte das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft im Oktober Lehrlinge wie Paul, weil sie mit ihrem „herausragenden Wissen und Können Bestleistungen in den beruflichen Abschlussprüfungen erreichen konnten“.

Für den jungen Mann aus Weinhübel ist nach drei Jahren Lehrzeit das Lernen längst nicht abgeschlossen. Vielmehr hängt er eine Ausbildung zum Techniker im Landbau dran. Das komme einer Meisterausbildung gleich, erklärt er. Damit lasse er sich für später die Möglichkeit offen, einen landwirtschaftlichen Betrieb leiten zu können. Die Theorie wird in den Wintermonaten in Freiberg vermittelt. Im Sommer laufen Praktika. Das erste davon hat er schon absolviert – in seinem Ausbildungsbetrieb bei Zachmanns.

Für einen Beruf, der mit der Natur zu tun hat, habe er sich schon als Kind interessiert. Sein Großvater, sein Vater und der Onkel haben ihn mit dem Interesse an der Landwirtschaft angesteckt, erzählt er. Der Großvater, der gleich neben dem Dreiseitenhof in Weinhübel wohnt, betreibe bis heute Landwirtschaft im Nebenerwerb, sein Bruder halte Schafe, auf dem Hof der Eltern finden sich Hühner und Kaninchen. Zu Zachmanns gab es über die Familie schon immer Kontakt. „Ich habe dort auch in den Ferien gearbeitet“, sagt er. Nach der zehnten Klasse überbrückte er ein Jahr mit Arbeit in der Landwirtschaft bei seinem Onkel in Ebersbach. Dabei hatte er schon Aussicht auf einen Ausbildungsplatz bei Zachmanns.

Der Betrieb gehört zu den über 40 Unternehmen im Landkreis Görlitz, die Landwirte ausbilden. Die Richtung ist umfassend und schließt die Pflanzen- und die Tierproduktion ein. „Wobei ich mich mehr für die Pflanzenproduktion interessiere“, sagt Paul. Alles wachsen zu sehen und dann auch ernten zu können, das mache das Besondere daran für ihn aus. „Nach der Arbeit weiß ich, was ich alles geschafft habe an einem Tag.“ Hinzu kommt auch sein großes Interesse an der Technik in der Landwirtschaft. Das alles zusammen erwecke Spaß und Freude an diesem Beruf. Dass zunehmend Arbeitsgänge automatisierter ablaufen und immer mehr Arbeitskraft durch Technik ersetzt werde, sei auch in der Landwirtschaft eine Entwicklung, die voranschreitet. Internet und GPS (globale Navigationssatellitensysteme zur Positionsbestimmung) seien da heute nicht mehr wegzudenken.

Entsprechend werden an die Ausbildung auch hohe Anforderungen gestellt. Diese würden sich insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung und die eingesetzte Technik in einem rasanten Tempo verändern, informiert das Landwirtschaftsministerium. Gemeinsam mit Paul Schröter haben in diesem Jahr im Landkreis Görlitz 38 Jungfacharbeiter ihre Zeugnisse und Berufsurkunden erhalten. Sie sind jetzt Land- oder Tierwirte, Fachkräfte für Agrarservice, Hauswirtschafter, Landwirtschaftswerker oder Gartenbauwerker. Die Ausbildung verläuft dual. Die Berufsschule befindet sich in Löbau, im beruflichen Schulzentrum. Zu den grünen Berufen gehören auch Forstwirte, Pferdewirte und Gärtner.

Für den Ausbildungsbeginn 2019 hat die Suche nach geeigneten Lehrlingen begonnen. „Bei uns ist das fast ein Selbstläufer“, sagt Eva-Maria Zachmann. Der Betrieb beschäftige regelmäßig Auszubildende und Praktikanten und könne auf geeignete Interessenten zurückgreifen. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Berufe in der Landwirtschaft bei jungen Menschen gefragt sind, sagt Frau Zachmann.

Das ist aber nicht überall so. Trotz der guten Berufsaussichten würde die aktuelle Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse nicht ausreichen, um den Nachwuchsbedarf in der Landwirtschaft abzudecken, schätzt Norbert Eichkorn, Präsident des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, ein.

In der Jobbörse der Arbeitsagentur suchen bereits Betriebe in der Neißeaue, in Niesky, Waldhufen und Königshain ab August 2019 nach Auszubildenden in der Richtung Landwirt. Im Onlineportal „Insider Görlitz“ zur Berufsorientierung im Landkreis finden sich weitere Ausbildungsbetriebe für grüne Berufe. Am besten funktioniert das so wie bei Paul Schröter meistens, wenn sich der Auszubildende und der Betrieb schon vorher kennen, durch Praktika oder Ferienjobs. Dann sind Verständnis für den Beruf und Einblick in den Betrieb bereits vorhanden.