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Donnerstag, 13.12.2007

„Junge Welt“-Korrespondentin verhaftet

Die 42-Jährige soll mit Linksextremisten in der Türkei Terroranschläge vorbereitet haben.

Von Norbert Demuth, Karlsruhe

Eine Korrespondentin der Zeitung „Junge Welt“ ist am Montag wegen Terrorismusverdachts vorübergehend festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft gestern mitteilte, soll die 42-jährige deutsche Journalistin Mitglied einer in Deutschland ansässigen linksterroristischen türkischen Gruppierung gewesen sein – des terroristischen Flügels der Revolutionären Volksbefreiungspartei (DHKP-C). Diese wolle den türkischen Staat mittels „bewaffneten Kampfes“ beseitigen und durch ein marxistisch-leninistisches Regime ersetzen.

Bei der Beschuldigten handelt es sich um die Griechenland-Korrespondentin der „Jungen Welt“, wie die Zeitung gestern in Berlin mitteilte. Laut Bundesanwaltschaft soll Heike S. von 1996 bis 1998 als „Aktivistin“ für die damals bestehende inländische terroristische Vereinigung tätig gewesen sein.

Mit Haftbefehl gesucht

Die 42-Jährige sei mitverantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der DHKP-C gewesen und habe dem in Köln ansässigen „Informationszentrum freier Völker“ (ÖHK) als führendes Mitglied angehört. Sie habe mehrfach an Treffen hochrangiger Funktionäre teilgenommen, die „der Planung und Vorbereitung von Brandstiftungs- und Tötungsdelikten“ gedient hätten. Die Beschuldigte sei flüchtig gewesen und seit 2001 mit nationalem Haftbefehl und seit September 2005 mit internationalem Haftbefehl gesucht wurden. Die Frau wurde am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe vorgeführt, der den Haftbefehl gegen eine Kaution und weitere Auflagen außer Vollzug setzte. Sie befindet sich damit auf freiem Fuß, darf aber das Bundesgebiet nicht ohne Genehmigung verlassen.

Die Zeitung widersprach dem Generalbundesanwalt. Die Journalistin sei nicht flüchtig gewesen. Sie lebe seit Jahren mit ihrem Ehemann legal in Athen, sei beim zuständigen griechischen Ministerium als „Junge Welt“-Korrespondentin akkreditiert und berichte regelmäßig aus Griechenland.

Die 42-Jährige war am Montag auf dem Flughafen Köln/Bonn bei der Einreise nach Deutschland von Beamten des Bundeskriminalamts festgenommen worden. Die Journalistin kam der Zeitung zufolge nach Deutschland, um ein von ihr übersetztes Buch vorzustellen. Sie wollte das Buch über eine linke griechische Stadtguerillagruppe auch am Mittwochnachmittag im Bundestag in Berlin präsentieren.

Die DHKP-C hat nach Angaben der Ermittler seit ihrer Gründung 1994 in der Türkei mehrere Menschen getötet und Brand- und Sprengstoffanschläge verübt. In Deutschland verfüge die DHKP-C über feste Organisationsstrukturen. Das Bundesinnenministerium sprach im August 1998 ein Verbot der Organisation aus.

Anklage gegen Führungsleute

Seit einer Gewaltverzichtserklärung der DHKP-C vom Februar 1999 wurden keine Gewalttaten der Terrorgruppe mehr bekannt. Im November 2007 hatte die Bundesanwaltschaft bereits Anklage gegen fünf mutmaßliche Führungsfunktionäre des terroristischen Flügels der DHKP-C erhoben. Am vergangenen Mittwoch hatten die Karlsruher Fahnder im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen mutmaßliche türkische Linksterroristen eine Razzia in mehreren deutschen Städten gestartet. (ddp)