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Montag, 02.07.2018

„Junge Spieler aus unteren Ligen zu holen, ist mit Risiko verbunden“

Budissa-Coach Torsten Gütschow über die Vorbereitung der neuen Saison. Und warum seine Familie nicht nach Bautzen zieht.

Bautzens Cheftrainer Torsten Gütschow mit seiner Frau Cathleen und den beiden Zwillingen Adrienne und Lucienne, die ebenfalls sehr sportlich sind.
Bautzens Cheftrainer Torsten Gütschow mit seiner Frau Cathleen und den beiden Zwillingen Adrienne und Lucienne, die ebenfalls sehr sportlich sind.

© privat

Bautzen. Fußball-Regionalligist FSV Budissa Bautzen steckt mitten in der Vorbereitung auf die Saison 2018/19. Cheftrainer Torsten Gütschow muss zwar keine neue Mannschaft formieren, aber einige Leistungsträger der Vorsaison ersetzen. Am kommenden Sonnabend steht ein Turnier in Königswartha an. Da werden sich die Budissen erstmals wieder im sportlichen Wettstreit präsentieren. Auch für den Bautzener Coach eine wichtige Standortbestimmung.

Herr Gütschow, Sie haben mit Budissa die bisher höchste Punktzahl seit dem Regionalliga-Aufstieg eingespielt. Dennoch verließen viele Spieler den Verein. Warum?

Da spielen sicher auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. Ich wusste schon lange, dass uns Kapitän Franz Pfanne verlassen wird. Er verdient bei seinem neuen Verein mehr Geld und hat dort andere sportliche Ziele. Das muss man so akzeptieren.

Wie sehr ärgert Sie es, dass ein Tobias Heppner oder ein Paul Milde innerhalb der Regionalliga Nordost wechseln?

Wie gesagt, so ist das Geschäft. Damit halte ich mich nicht lange auf. Unsere Philosophie steht. Wir holen junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler. Natürlich weiß ich, dass da auch ein Risiko dabei ist, schließlich kommen die meisten Neuzugänge aus unteren Ligen.

Aber die Achse steht?

Natürlich, hinten haben wir Torhüter Ebersbach, dazu kommen Pavel Patka, Martin Hoßmang oder Tony Schmidt. Gefreut habe ich mich natürlich auch, dass Sepp Kunze und Kevin Bönisch ihre Verträge verlängert haben. Ein Spieler wie Eric Merkel, der aus Bischofswerda kam, steht uns natürlich sehr gut zu Gesicht.

Thomas Hoßmang weilte kürzlich in Bautzen. Er ist Nachwuchschef beim 1. FC Magdeburg. Was war der Grund?

Gut beobachtet. Ja, wir werden zwei Jungs vom FCM holen. Die Magdeburger A-Junioren sind unter „Hossi“ in die Bundesliga aufgestiegen. Die Verträge werden wohl in dieser Woche unterzeichnet.

Können Sie noch etwas zu den zuletzt verpflichteten Neuzugängen sagen?

Philipp Dartsch ist zwar erst 24, hat aber fußballerisch schon eine Menge Erfahrungen gesammelt. Er kann Innenverteidiger und im defensiven Mittelfeld spielen. Er muss jetzt schnell fit werden. Christopher Schulz ist unser zweiter Torhüter hinter Maik Ebersbach. Unser Torwarttrainer Stefan Richter ist von ihm angetan, zudem bringt Christopher mit 1,90 Metern eine richtig gute Körpergröße mit. Positiv ist auch zu bewerten, dass er ein spielender Torhüter ist, der nicht auf der Linie klebt.

Stürmer Marek Langr kommt aus Kamenz, hat aber bis Juni 2017 in der Kreisoberliga gespielt. Reicht das aus?

Im offensiven Bereich hat es in der Vorsaison bei uns etwas gehakt. Marek steht uns richtig gut zu Gesicht. Er geht als Stürmer dahin, wo es auch wehtut. Er macht vorn Bälle fest, was uns in der Vergangenheit etwas gefehlt hat. Und er ist sehr schnell. Zusammen mit den anderen offensiven Spielern sieht das gut für Konter aus.

Viele sprechen von der stärksten Regionalliga Nordost, die es 2018/19 geben wird. Sie auch?

Ja, für uns wird das knüppelhart. Mal sehen, wie unser Auftaktprogramm aussieht. Es wäre wichtig, mit ein paar Erfolgserlebnissen zu starten. Die 41 Zähler aus der Vorsaison wieder zu erreichen, wird extrem schwer. Aber wir geben alles, um die Liga zu halten. Ich denke, für den Verein wäre das wieder ein Riesenerfolg.

Gab es für Sie als Spieler eine ähnliche Situation?

Ja. Wir spielten 1990/91 mit Dynamo Dresden um die Qualifikation zur Ersten Bundesliga. Vor der Saison hatten uns Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Atze Döschner, Hans-Uwe Pilz und Andreas Trautmann verlassen. Die waren alle Nationalspieler. Uns brach die halbe Stammelf weg, aber wir haben es trotzdem zusammen mit Hansa Rostock geschafft.

Und Sie wurden Fußballer des Jahres.

Ja, zuvor hatten 1989 und 1990 Trautmann und Kirsten gewonnen. Die Auszeichnung erhielt ich vor dem ersten Bundesligaspiel gegen Kaiserslautern. Beim FCK wurde Stefan Kunz geehrt, der hatte sich im Westen durchgesetzt.

Und Andreas Trautmann weiß bis heute nicht, wo der Pokal geblieben ist, oder?

(lacht) Da muss er mal zu mir nach Hause kommen. Da steht er. Ich musste den Wanderpokal ja nicht wieder abgeben. Zwei Jahre hatte ich den Schuh auch mal an das Dresdner Fußballmuseum ausgeliehen.

Sie haben Ihren Vertrag bis 30. Juni 2019 verlängert. Warum holen Sie Ihre Familie nicht nach Bautzen?

Als Fußball-Trainer weiß ich, dass das meist kein fester Job über viele Jahre ist. Wir haben ein Haus in Zeven in Niedersachsen, meine Frau Cathleen arbeitet in der Nähe in einem Krankenhaus und unsere Zwillinge kommen jetzt aufs Gymnasium. Ich fahre regelmäßig nach Hause, wir bekommen das gut hin.

Sind Ihre Zwillinge noch im Leistungssport engagiert?

Ja, Adrienne und Lucienne sind im Rollkunstlauf aktiv. Sie starten auch bei den Norddeutschen Meisterschaften.

Familienurlaub passt jetzt in den Schulferien bei Ihnen nicht so richtig ins Konzept, oder?

Wir kennen das. Meine Frau kommt mit den Mädels für ein paar Wochen hierher. Meine Schwiegermutter hat ein Wochenendgrundstück in Weixdorf und wir werden sicher genug Zeit finden, um viele schöne Ausflüge zu organisieren.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.