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Montag, 16.04.2018

Junge Pioniere von 1949 gesucht

Ein Niedersachse entdeckte beim Wandern einen besonderen Stein. Was hat es damit auf sich?

Von Gunnar Klehm und Anja Weber

Die Initialien „JP“ könnten für die DDR-Kinderorganisation Junge Pioniere stehen. Doch was steckt hinter dieser Inschrift?
Die Initialien „JP“ könnten für die DDR-Kinderorganisation Junge Pioniere stehen. Doch was steckt hinter dieser Inschrift?

© Foto: privat

Helmsdorf/ Bad Schandau. Was für ein Frevel. Tief sind die Buchstaben und Zahlen in den Sandstein geritzt. Und das mitten im Nationalpark, am Sandloch in den Affensteinen bei Bad Schandau. Doch hätten die Urheber des Schriftzuges gewusst, dass sie sich heutzutage mit so einer Ritzelei viel Ärger einhandeln könnten, hätten sie es vermutlich gelassen. Denn wenn man die „Inschrift“ richtig deutet, ist sie bereits im Jahr 1949 entstanden. Damals war die Sächsische Schweiz noch nicht mal Landschaftsschutzgebiet. Das wurde erst 1956 gegründet. Der Nationalpark dann 1990.

Das ist kürzlich auch Günther Brille aufgefallen. Der Niedersachse geht seit 1992 regelmäßig in der Sächsischen Schweiz wandern und ist in vielen Gebieten unterwegs. Zu Ostern war er wieder zu Besuch. „Bei meiner Tour rund um den Kleinen Dom im sogenannten Sandloch habe ich eine interessante Inschrift gefunden“, schreibt er in seiner E-Mail an die SZ. Diese habe ihn nicht mehr losgelassen. Er deutet die Intialien JP als Abkürzung für die in der DDR existierende Jugendorganisation „Junge Pioniere“. Darunter stehen das Wort Helmsdorf und 2. bis 4.8.1949. Günther Brille vermutet, dass die Jungen Pioniere von Helmsdorf in diesem Zeitraum ein Sommerlager abgehalten hatten und im Sandloch gewesen waren. „Vielleicht hatte in dieser Zeit jemand diese Initialen dort eingemeißelt“, mutmaßt er.

Gern würde er mehr darüber erfahren. Möglicherweise gibt es noch Zeitzeugen in der Region, die diese und andere Geschichten zum Kleinen Dom, zum Sandloch oder zur Sandlochstiege erzählen können. Letztere existierte dort bis etwa 1940. Hinweise nimmt die SZ-Redaktion gern entgegen.