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Mittwoch, 16.05.2018

Jung, grün und zentrumsnah

Von Hagen Linke

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Nicole Reiser und Marco Löschner mit ihren Söhnen Dario (8 Monate) und Leandro. Sie schätzen in ihrem Wohngebiet das grüne Umfeld und hier gegenüber der Broilerbar die Plastiken aus Sandstein.
Nicole Reiser und Marco Löschner mit ihren Söhnen Dario (8 Monate) und Leandro. Sie schätzen in ihrem Wohngebiet das grüne Umfeld und hier gegenüber der Broilerbar die Plastiken aus Sandstein.

© HagenLinke

  • Nicole Reiser und Marco Löschner mit ihren Söhnen Dario (8 Monate) und Leandro. Sie schätzen in ihrem Wohngebiet das grüne Umfeld und hier gegenüber der Broilerbar die Plastiken aus Sandstein.
    Nicole Reiser und Marco Löschner mit ihren Söhnen Dario (8 Monate) und Leandro. Sie schätzen in ihrem Wohngebiet das grüne Umfeld und hier gegenüber der Broilerbar die Plastiken aus Sandstein.
  • Der WK II ist ein sehr grüner Stadtteil. Er grenzt an die Schwarze Elster. Rechts oben im Bild ist die Baumschule Kmetsch zu sehen.Foto (2009): Julia Lindenberger
    Der WK II ist ein sehr grüner Stadtteil. Er grenzt an die Schwarze Elster. Rechts oben im Bild ist die Baumschule Kmetsch zu sehen.Foto (2009): Julia Lindenberger
  • Der mit Abstand jüngste Wohnkomplex der Kernstadt Hoyerswerda ist der WK II, vor dem WK IX, wo besonders viele Flüchtlingsfamilien leben. Grafik: Susann Möller
    Der mit Abstand jüngste Wohnkomplex der Kernstadt Hoyerswerda ist der WK II, vor dem WK IX, wo besonders viele Flüchtlingsfamilien leben. Grafik: Susann Möller

Seinen ersten Geburtstag hat Dario noch vor sich. Und doch hat der acht Monate alte Junge schon für einigen Trubel in seiner Familie gesorgt. „Wir wären nicht umgezogen, wenn er nicht gekommen wäre“, sagt Mutter Nicole Reiser lachend. Der Umzug Ende 2017 war nicht einfach, aber nun haben sich alle eingelebt. Und Dario hat mit seiner Geburt ungewollt dazu beigetragen, dass der Wohnkomplex, in dem er aufwächst, ein besonders kinderreicher ist. 14 Neugeborene zählte 2017 der WK II. Von den 1 891 Menschen, die Ende letzten Jahres hier lebten, sind 359 unter 18 Jahre alt. Das entspricht einer Quote von 18,98 Prozent. So viele Kinder und Jugendliche leben nirgends in Hoyerswerda, ausgenommen drei dörfliche Ortsteile. Mehr Haushalte mit Kindern gibt es nur in Dörgenhausen (26,1 %), Schwarzkollm (22,3 %) und Bröthen-Michalken (21,7 %). Als sich der zweite Sohn von Nicole Reiser und Marco Löschner ankündigte, hätten die Eltern auch woanders hinziehen können. Es muss also ein paar gute Gründe geben, warum es sich lohnt, hier zu wohnen.

Große, bezahlbare Wohnung

Eine sehr wichtige Rolle spielt natürlich die Wohnung. „Für den Preis und die Größe passt es sehr gut“, sagt Nicole Reiser. Die Familie wohnt bei der Lebensräume-Genossenschaft. Das Apartment in der Curie-Straße hat rund 80 Quadratmeter und fünf Zimmer. Es gibt ein eigenes Kinderzimmer sowohl für Dario als auch seinen vier Jahre alten Bruder Leandro. Die Familie zählt damit zu den 84 Vier-Personen-Haushalten unter insgesamt 978 Wohnungen.

Schon vor dem Umzug hat die Familie im WK II gelebt, nur 100 Meter Luftlinie von der jetzigen Wohnung entfernt. Zwei Monate vor der Geburt des ersten Kindes sind die werdenden Eltern aus der Zwei-Raum-Wohnung in der Schweizerstraße in die Einsteinstraße gezogen. Vier Räume, etwa zehn Quadratmeter weniger als jetzt. Große Wohnungen gibt es hier viele. Und ein Blick in die Statistik zeigt, dass sie besonders bei jungen Familien gefragt sind. Von 2010 bis 2017 stieg die Zahl der unter 18-Jährigen von 302 auf 359. Neben der bezahlbaren Wohnung schätzen die Eltern besonders das Umfeld. „Es ist hier sehr grün und es gibt viele Spielmöglichkeiten“. Zufällig wohnen Freunde im selben Block. Man lebt hier ruhig und dennoch zentrumsnah. Zwischen Spremberger Chaussee, Bautzener Allee, Einsteinstraße und Schwarzer Elster gibt es nicht nur einen Supermarkt, zwei Bäckereifilialen und einige kleinere Geschäfte, sondern mit Broilerbar und dem Iris Pub „Black Raven“ auch Gaststätte bzw. Wohngebietskneipe.

Bis zum Zoo ist es nicht weit, bis zum Lausitzbad auch nicht und auf dem Riesen-Spielplatz im Stadtzentrum ist man in ein paar Minuten. Wie alle Stadtteile in der Hoyerswerdaer Neustadt ist der WK II von der Schrumpfung betroffen, aber keiner hat zwischen den Jahren 2000 und 2017 weniger Einwohner verloren. 467 waren es in dem Zeitraum, das sind knapp 20 Prozent. In der gesamten Neustadt betrug der Einwohnerrückgang 44 Prozent. Das Durchschnittsalter im WK II beträgt 47,8 Jahre, in der Gesamtstadt 52,4 Jahre.

Grüne Freiflächen

Auch im Wohnkomplex II wurde abgerissen. Der 34 Meter hohe elfgeschossige Block Bautzener Allee, das erste in Hoyerswerda komplett abgerissene Hochhaus, ist bereits 2000 verschwunden. An seiner Stelle entstand ein Skulpturengarten. Andernorts fällt der Abriss Ortsfremden nicht so stark auf, weil sich die Grünflächen harmonisch in die Umgebung einpassen. Und es wurde neu gebaut. Wo einst Blöcke der Wohnungsgesellschaft standen, gibt es nun Eigenheime. Und das Unternehmen weist aktuell noch innerstädtische Bauplätze aus. Neben den beiden städtischen Großvermietern verfügt der Stadtteil auch über Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen.

Ein weiterer Umzug soll für Nicole Reiser und Marco Löschner erst mal nicht anstehen. Sie wissen schon, wo der ältere Sohn in absehbarer Zeit die meisten Vormittage verbringen wird. Es sind nur ein paar Meter durch den Park. Die von 2009 bis 2012 komplett sanierte Grundschule „An der Elster“ ist eine von zweien, die die Neustadt noch zu bieten hat.