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Samstag, 16.09.2006

Jubel im Amt: Nach Oexles Rücktritt knallten die Korken

Ton, Steine, Scherben. 13 Jahre gab es in Sachsen keine Ausgrabung ohne ihr Wissen. Keine geschichtliche Ausstellung ohne ihr Mitspracherecht. Jetzt wirft Landesarchäologin Judith Oexle hin. „Auf eigenen Wunsch“, wie die offizielle Sprachregelung heißt, verlässt die umstrittene „Chef-Buddlerin“ ihr Amt.

Unerwartet kam die Entscheidung nicht. Seit Judith Oexle vor fünf Wochen wegen Mobbings verurteilt wurde, sah sich auch das Wissenschaftsministerium (SMWK) als Aufsichtbehörde genötigt, „eine Lösung“ zu suchen.

Zwar hatte „Scherben-Oexle“ den Vorwurf bestritten, aber das Urteil war eindeutig: Sie „schikanierte“ Museums-Chef Rainer Vollkommer, „spätestens seit Ende 2004 planmäßig und zielstrebig“. Nach dem Urteil wurde selbst im SMWK von „unschönen Arbeitsklima“ gesprochen.„Es gab dann zahlreiche Gespräche auf Staatssekretärsebene“, so Angelika Maria Wahrheit, Presse-Chefin im Ministerium. Und Staatssekretär Knut Nevermann war es denn auch, der auf einer Personalversammlung den Abschied von Frau Oexle verkündete. „Aber es war letztlich eine freiwillige Erklärung von Frau Oexle, ihr Amt abzugeben“, beteuert Frau Wahrheit. „Das war weder eine Entscheidung von Ministerin Stange, noch von deren Vorgängerin Ludwig.“

Den Mitarbeitern im Amt dürfte egal sein, wie die Amtsaufgabe zu Stande kam. „Nach der Bekanntgabe knallten die Sektkorken“, so ein Insider. Die Nachfolge im Amt ist noch ungeklärt. Frau Wahrheit: „Vorerst führt Thomas Westphalen die Geschäfte kommissarisch. Auch hier gibt es mit dem Staatssekretär Gespräche. Noch ist aber nichts endgültig.“

Unklar ist auch, wo Frau Oexle wieder „auftaucht“. Ihr Anwalt Markus Haselier: „Sie sucht nach dieser langjährigen Tätigkeit eine neue He-rausforderung. Auch deshalb legte sie ihr Amt nieder. Sie wird wohl ins Ministerium gehen.“ Das sieht Minister-Sprecherin Wahrheit allerdings anders: „So war das nie gesagt. Die Dame bekommt eine Stelle in der Landesverwaltung. Wo auch immer.“