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Freitag, 25.05.2018

Jetzt ran an die Früchtchen

Beim Obstbau Görnitz läuft die Ernte der Freilanderdbeeren. Auch Selbstpflücker können nun täglich loslegen.

Von Ines Scholze-Luft

Zum Anbeißen. Vom Brockwitzer Feld des Obstbaubetriebs Görnitz gehen die Erdbeeren gleich in den Handel. Die Selbstpflücke ist täglich von 7 bis 19 Uhr möglich.
Zum Anbeißen. Vom Brockwitzer Feld des Obstbaubetriebs Görnitz gehen die Erdbeeren gleich in den Handel. Die Selbstpflücke ist täglich von 7 bis 19 Uhr möglich.

© Norbert Millauer

Coswig. Kräftiges Grün, soweit das Auge reicht. Die Erdbeerpflanzen auf dem Feld des Obstbaubetriebs Görnitz an der Cliebener Straße machen einen sehr gesunden Eindruck. An vielen Stellen blitzt es rot, die Früchte sind reif.

Und so herrscht am Freitagvormittag ordentlich Betrieb zwischen den Pflanzenreihen. Auf der einen Seite die Lohnhelfer, auf der anderen die Selbstpflücker. Zwischendrin steht Geschäftsführer Michael Görnitz am Feldrand und zeigt mit der Schuhspitze, wie trocken der Boden hier ist. Beinahe unglaublich angesichts der üppigen Pflanzen und ihrer Früchte, die groß und rot in den Plastikschalen landen.

Das Geheimnis des Erfolgs: Über einen unterirdischen Tröpfchenbewässerungsschlauch erhalten die Erdbeerpflanzen Wasser und Nährstoffe – Kalium, Kalzium, Magnesium. Eine wasser- und energiesparende Methode, erklärt Michael Görnitz. Doch erst mal muss das Wasser herangebracht werden, über zwei Tiefbrunnen auf der Plantage und zwei weitere an der Elbe. Das hat Trinkwasserqualität, sagt der Obstbauer. Wie Bodenproben und Pflanzenanalysen gehören Grundwasserkontrollen zweimal im Jahr zum Betriebsalltag.

Chemischer Pflanzenschutz kommt nicht infrage. Von daher könnte man jede Erdbeere ungewaschen essen, sagt Michael Görnitz. Dem es auch sehr auf den Geschmack der roten Früchte ankommt: Hocharomatisch ist das Ziel. Die kontrollierte Ernährung der Pflanzen ist dafür ebenso wichtig wie die angebauten Sorten. Zwölf sind es insgesamt in Brockwitz. Von zeitig bis sehr spät. Auf 15 Hektar insgesamt, 7,5 Hektar neu angelegt.

Ganz früh kommen die Sorten Clary und Quicky. Daroyal noch eher. Dafür wurde sie mit Verfrühungs- und Frostschutz-Vlies abgedeckt. Malwina dagegen wird erst im Juli erwartet.

Genutzt werden die Unterschiede beim Erntetermin, um die frischen Früchte über einen langen Zeitraum für die Region anbieten zu können, sagt Obstbauer Görnitz. Und um eine arbeitsmäßige Verteilung zu erreichen. Käme alles auf einmal, würde er 300 Leute auf dem Feld brauchen.

Jetzt sind 34 Erntehelfer im Einsatz, aus Rumänien und der Ukraine. Sie liefern die Stiegen mit den gefüllten Plastikschälchen bei Vorarbeiterin Mirella Ziesche ab. Obstbaumitarbeiterin und seit 1980, seit LPG-Zeiten, mit Erdbeeren beschäftigt. Auf die freut sie sich jedes Mal, sagt die resolute Frau, die heute noch Kontakt mit früheren polnischen Erntehelfern hält. Kaum sind die Früchte gewogen, werden sie in einen Transporter verfrachtet, der sie umgehend zum Händler bringt.

Allerdings reichen die Lohnpflücker nicht, wir warten noch auf 40 Leute, sagt Michael Görnitz. Er spricht von einem verfrühten Jahr und dass die Helfer auch bei weiteren Kulturen gebraucht werden und nicht zuletzt beim Unkrautbekämpfen.

Außerdem werden weiter Erdbeeren im Gewächshaus in Nieschütz geerntet. Etwa zwei Wochen noch, dann ist dort die große Ernte durch, sagt der Obstbauer. Ab Montag soll der Preis für 500 Gramm im Handel unter zwei Euro gehen. Bei 3,80 Euro für ein Kilo liegt er derzeit bei der Selbstpflücke. Bis zu 500 Leute pro Tag nutzen dieses Angebot. Dass gern genascht wird, weiß das Görnitz-Team. Und rechnet mit 150 Gramm Erdbeeren pro Kunde, die auf dem Feld gegessen werden. Michael Görnitz: Das Kosten ist erwünscht und erlaubt.

Zu erreichen ist das Erdbeerfeld über die Cliebener Straße. Da setzt eine Kritik von Michael Görnitz an. Zum wiederholten Mal gibt es genau zur Erdbeerernte an dieser Straße eine Baumaßnahme – die Cliebener ist Einbahnstraße, nur Richtung Neusörnewitz zu befahren. Und die Stadt habe den Betrieb nicht mal davon informiert, dabei sei gerade die Erdbeerselbstpflücke eine wichtige Einnahmequelle. Michael Görnitz setzt sich dafür ein, dass zumindest für den weiteren Verlauf des Straßenbaus eine akzeptable Variante gefunden wird.

http://www.obstbaugemeinschaft.de/