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Donnerstag, 05.06.2014

Jeder zweite AfD-Wähler ist ausländerfeindlich

Eine Studie der Uni Leipzig stellt zwar einen Rückgang bei Hass und Intoleranz fest. Dafür werden Asylbewerber und Muslime aber umso mehr diskriminiert.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

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In der Mitte der Gesellschaft: Auch Einwohner von Schneeberg hatten mit rechten Sympathisanten und NPD-Mitgliedern bei Protesten gegen ein Heim für Asylbewerber in der Stadt mitgemacht.
In der Mitte der Gesellschaft: Auch Einwohner von Schneeberg hatten mit rechten Sympathisanten und NPD-Mitgliedern bei Protesten gegen ein Heim für Asylbewerber in der Stadt mitgemacht.

© dpa

Rechtsextreme Einstellungen sind in allen Teilen der Gesellschaft anzutreffen. Eine Forschergruppe der Uni Leipzig spürt diesen Gesinnungen seit 2002 nach und stellte gestern ihre siebte Studie vor. Die gute Nachricht: Ausländerfeindlichkeit und andere rechtsextreme Haltungen sind erneut zurückgegangen, sagt Oliver Decker, Psychologe und Sprecher des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung in Leipzig. Derzeit sei noch knapp jeder fünfte Deutsche ausländerfeindlich (18,1 Prozent). In den Jahren zuvor war es etwa jeder Vierte.

Ein Grund für den Rückgang sei die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, die immer auch politische Einstellungen beeinflusse, so Decker. Die aktuell gute Lage stabilisiere die Mitte der Gesellschaft. Der Forscher schränkt aber zugleich ein: „Bestimmte Gruppen von Migranten werden umso deutlicher diskriminiert.“ Betroffen sind vor allem Asylsuchende, Muslime sowie Sinti und Roma, die von teils mehr als 80 Prozent der Bevölkerung abgelehnt werden. Während viele Deutsche heute denken, bestimmte Ausländergruppen nutzten dem Land, würden jene Migranten die Wut auf sich ziehen, von denen die Vorstellung herrsche, sie hätten ein gutes Leben ohne Arbeit.

Die stärkste Anziehungskraft bei Wählern mit ausländerfeindlichen, antisemitischen und chauvinistischen Einstellungen hat – neben rechtsextremen Parteien – die AfD, stellt die Studie erstmals fest. Jeder zweite AfD-Wähler sei ausländerfeindlich und jeder Dritte wünsche, dass Deutschland mehr Macht und Geltung bekomme. Vielen Befragten seien ihre Ansichten keinesfalls als rechtsextreme Einstellung bewusst, sagte Decker der SZ. Daher bestünden auch keine gedanklichen Konflikte zwischen der Parteipräferenz und den eigenen Ansichten. In Landtagswahl-Umfragen liegt die AfD in Sachsen seit Jahresbeginn stabil bei sechs Prozent, sie hat damit zurzeit gute Aussichten auf einen Einzug ins Landesparlament. Bei der Europawahl Ende Mai holte sie zehn Prozent, bei den Kommunalwahlen 5,4 Prozent. Aber auch bei den Wählern der Volksparteien CDU und SPD gebe es rechtsextreme Ansichten.

Doch immerhin: Der Anteil derjenigen, die ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben, hat sich in ganz Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren fast halbiert – von knapp zehn Prozent im Jahr 2002 auf 5,6 Prozent derzeit. Dazu gehören laut der Studie die Befürwortung einer Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Sozialdarwinismus und Chauvinismus. Vor allem im Osten, bei jungen Leuten und in bildungsfernen Schichten seien die Zustimmungswerte höher. „Wo weniger Migranten leben, ist die Diskriminierung stärker verbreitet“, erklärt Forscher Elmar Brähler mit Blick auf den Osten. Kontakte hingegen verhinderten Vorurteile. Zudem bleibe Bildung der wichtigste Schutz vor rechtsextremen Einstellungen, so die Forscher.

Vertreter der Opposition äußerten sich besorgt und forderten, den Kampf gegen Rassismus zu verstärken. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter betonte, der Rassismus in Deutschland konzentriere sich auf Gruppen, die zunehmend an den gesellschaftlichen und medialen Pranger gestellt würden. Die Linksfraktion im Bundestag verlangte, gesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus müssten verlässlich und ausreichend unterstützt werden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 40 Kommentare

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  1. Macher

    Ach ja! bald sind Wählen in Sachsen und die Nazikeule muss geschwungen werden. komisch nur, dass in der AfD viele mit Migrationshintergrund Mitglied sind. Glaube als keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

  2. A.S

    Wie können Sie Millionen Leute so beleidigen?!

  3. A.Truchan

    Jeder zweite AfD-Wähler ist ausländerfeindlich? Großer Zulauf für AfD und die vergeblichen Attacken der Euro-Fans. Es hat nichts genützt. Sieben Prozent der deutschen Wähler haben trotzdem für die AfD gestimmt. Sie wollen ein Ende des seit nunmehr vier Jahren andauernden Euro-Rettungswahns. Und sie wollen eine echte Alternative zu jenen deutschen Parteien, die bisher jedes noch so irrwitzige Milliarden-Finanzpaket brav abgenickt haben. Mindestens sieben Prozent der deutschen Wähler sind der Meinung, dass die gemeinsame Währung ein teurer Irrweg ist: Einige Mitglieds-Staaten hätten den Euro nie bekommen dürfen, viele andere sind nicht reformierbar – und jetzt taumelt auch noch Frankreich dem ökonomischen Abgrund entgegen.

  4. Jens

    „Jeder zweite AfD-Wähler sei ausländerfeindlich … Vielen Befragten seien ihre Ansichten keinesfalls als rechtsextreme Einstellung bewusst, sagte Decker der SZ.“ Vielen Dank, Herr Decker, dass Sie jeden, der sich kritisch mit der Ausländerproblematik befasst, gleich in die rechtsEXTREME Ecke stellen. Woher nehmen Sie die Autorität, sich derart als „Tugendwächter“ über andere zu äußern? Die „Mainstream-Parteien“ verschweigen (politisch korrekt) die Probleme, die Migranten unserem Land bringen, bei gleichzeitiger Überbetonung der durch sie hervorgerufenen Vorteile. Da kann man der AfD nur dankbar sein, dass sie auch auf die Probleme aufmerksam macht und hierfür Lösungen anbietet (siehe Wahlprogramm). Warum liest man über letztere nichts in der SZ, über plakative Verurteilungen der AfD bzw. von AfD-Wählern dafür um so öfter?

  5. Klaus.M

    AfD-Wähler ausländerfeindlich? Wenn man die gegenwärtige politische BRD Landschaft betrachtet dann muss man leider feststellen, dass die System-Medien-Politikkultur, falls es so etwas überhaupt gibt, schwer daniederliegt. Und die System-Medien? -Was sich hier in der letzten Zeit abspielt, hat vielfach mit Kultur nichts mehr zu tun und ist allenfalls für die unterste Schublade geeignet. Volksentscheid-Entartung-Kontrollierte Einwanderung- alles Rechtspopulistisch?! und Diskussionen auf hohem Niveau- gibt's keine?! Stattdessen hat man das selbst perfektioniert, was man dem politischen Gegner (AfD) immer gerne unterstellt: Arbeiten mit Feindbildern , hier soll ein Gegner auf billigste Art und Weise demontiert werden. Die Konsequenz daraus sehen wir jetzt: Politischer Vandalismus und Untergang der demokratischen Kultur überall.

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