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Donnerstag, 17.05.2018

Jeder Dritte fällt durch die Fahrprüfung

Sachsen steht im Bundesvergleich schlecht da – aber die Zittauer schneiden besser ab.

Von Jan Lange

Mit einem knallgelben Auto fährt Florian Krause mit seinen Fahrschülern durch die Stadt. So fallen die Fahrschulautos auf den ersten Blick auf.
Mit einem knallgelben Auto fährt Florian Krause mit seinen Fahrschülern durch die Stadt. So fallen die Fahrschulautos auf den ersten Blick auf.

© Matthias Weber

Zittau. Florian Krause fordert seinen Fahrschüler freundlich auf, bei der nächsten Möglichkeit rechts abzubiegen. Es ist einer von zahlreichen Hinweisen, die der junge Fahrlehrer während der Fahrstunde gibt: „Auf den Schulterblick achten“ oder „Die Kupplung langsam kommen lassen“ hören die Fahrschüler immer wieder. Heutzutage brauche ein Fahrlehrling mindestens 30 Fahrstunden, bis er die praktische Prüfung absolvieren kann, erklärt Christian Krause von der City Fahrschule Krause aus Zittau. Früher haben die angehenden Autofahrer im Durchschnitt 25 Fahrstunden bis zur Prüfung benötigt. Wie viele Fahrstunden absolviert werden müssen bis zur Prüfung, dafür gibt es keine gesetzliche Regelung. Vorgeschrieben sind lediglich zwölf Sonderfahrstunden, zum Beispiel nachts oder auf der Autobahn.

Doch auch wenn die Zahl der absolvierten Fahrstunden gestiegen ist, eine Garantie, den Führerschein gleich beim ersten Versuch zu bekommen, ist es nicht. Etwa jeder Fünfte fällt beim ersten Mal durch, sagt Christian Krause. Damit liegt die Zittauer Fahrschule unter dem Sachsendurchschnitt. Laut Kraftfahrbundesamt sind im Jahr 2017 im Freistaat 32,8 Prozent der Fahrschüler durch die praktische Prüfung gefallen. Noch mehr schaffen die Theorie beim ersten Mal nicht: Hier liegt die Durchfallerquote in Sachsen bei stolzen 44 Prozent. Nur in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch höhere Werte.

Der Zittauer Fahrlehrer Gerd Donat, in dessen Fahrschule etwa jeder Dritte durch die theoretische und praktische Prüfung rasselt, sieht den Grund vor allem an der Einstellung zum Lernen. Die sei nach seinen Worten stark rückläufig. Die Fahrschüler wollen zwar einen Führerschein haben, aber nicht dafür lernen. Die Lernbereitschaft habe in den vergangenen Jahren nachgelassen. So wundert es nicht, dass die Zahl der Durchfaller seit Jahren steigt. 2011 sind sachsenweit nur knapp 38 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung gefallen.

Die vielen ausländischen Fahrschüler seien nach Ansicht des Fahrlehrer-Dachverbandes der Grund für steigende Durchfaller-Zahlen bei der Führerscheinprüfung. Fahrlehrer Heinz Müller aus Eckartsberg sieht das ähnlich. Bei ihm habe ein Syrer sechsmal die Theorieprüfung nicht bestanden. Dabei können ausländische Fahrschüler die Prüfung auch in ihrer Heimatsprache absolvieren. Die Regelung, dass Fahrschüler nach drei nicht bestandenen Prüfungen eine Pause von drei Monaten einlegen müssen, gebe es inzwischen nicht mehr, erklärt Christian Krause. Auch in seiner Fahrschule wollen viele Ausländer, darunter zahlreiche Tschetschenen, Syrer und Afghanen, aber auch ausländische Studenten, ihren Führerschein erwerben. Sie brauchen in der Regel etwas länger, so Krause. Das gelte vor allem auch für die Praxis, wie sein Fahrlehrerkollege Heinz Müller sagt. „Sie haben andere Vorstellungen von Prüfungen und dem Verkehr.“

Doch auch deutsche Fahrschüler bestehen die Prüfungen nicht. Es gebe zwar auch welche, die drei- bis viermal zur Prüfung antreten müssen, aber bei den meisten reiche der einmalige „Schuss vor den Bug“, meint Gerd Donat. Bei 80 Prozent der Fahrschüler, die beim ersten Versuch durchfallen, habe es oft an kleineren, nicht so gravierenden Fehlern gelegen, so Donat.

Für den Automobilclub ADAC liegen die Gründe für die höhere Durchfallerquote unter anderem in der zunehmenden Komplexität des Verkehrs und den gestiegenen Anforderungen. Da sind die Zittauer Fahrlehrer anderer Meinung. Zittau bleibe eine Kleinstadt und der Verkehr ist hier in den vergangenen Jahren nicht komplexer geworden, findet Gerd Donat. Auch für Christian Krause sind die Anforderungen nicht das Problem, warum so viele Fahrschüler die Prüfungen nicht bestehen. Christian Krause hat ein klares Kriterium, wann ein Fahrschüler für die Prüfung bereit ist. In den letzten sechs bis sieben Fahrstunden muss alles reibungslos klappen und der Schüler ohne Hilfe des Fahrlehrers die Strecke absolvieren. Dass die Fahrlehrer dabei keine „Stunden schinden“, beweist Heinz Müller sogar den Eltern. „Ich nehme sie auch mal auf eine Fahrt mit, damit sie selbst sehen, wie ihr Nachwuchs fährt“, sagt der Fahrlehrer aus Eckartsberg.

Bei manchen dauert es eben etwas länger. So wollte bei Gerd Donat mal ein älterer Herr aus Hirschfelde seinen Führerschein erwerben und brauchte dafür 127 Fahrstunden. Das sei sein bisheriger Rekord gewesen, so Donat. Der ältere Fahrschüler hat die Prüfung letztlich aber auch geschafft.