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Dienstag, 13.03.2018

Japaner am Webstuhl

Der Titel, zu Sachsens schönsten Dörfern zu gehören, hat eine Delegation aus Asien nach Obercunnersdorf gelockt.

Von Daniela Pfeiffer

Über die Schultern geschaut: Japanische Gäste sehen Kathrin Tröger bei der Arbeit am Handwebstuhl in Obercunnersdorf zu.
Über die Schultern geschaut: Japanische Gäste sehen Kathrin Tröger bei der Arbeit am Handwebstuhl in Obercunnersdorf zu.

© Matthias Weber

Obercunnersdorf. Wie funktioniert diese alte Maschine in diesem so besonderen Umgebindehaus? Die japanischen Gäste neigen sich über die Schulter von Kathrin Tröger, die am alten Webstuhl alle Fäden in der Hand hält und den Gästen die alte Handwerkskunst demonstriert. Der Besuch der Asiaten kommt nicht von ungefähr, denn auch in Japan kennt man eine Interessengemeinschaft, die dem Zusammenschluss „Sachsens schönste Dörfer“ ähnelt und die „Most Beautiful Villages of Japan“ heißt. Zwei Vertreter dieser Assoziation waren vergangene Woche in Sachsen unterwegs, um sich hier ein Bild zu machen von den vielfältigen Bemühungen um ländliche Baukultur.

Die Gäste haben dabei fünf verschiedene Dörfer besichtigt, die alle in der Interessengemeinschaft vereinigt sind. Die Rundreise startete am vergangenen Donnerstag in Obercunnersdorf, führte dann über Hinterhermsdorf (Sebnitz) nach Naustadt (Gemeinde Klipphausen) und weiter nach Dreiskau-Muckern (Gemeinde Großpösna). Den Abschluss der Reise bildete Schmilka (Bad Schandau). Das teilte der Obercunnersdorfer Ortsvorsteher Josef Kempis jetzt mit. Dabei sei es nicht nur um besondere ländliche Architektur, sondern auch um regionale Delikatessen und Angebote gegangen, hieß es weiter.

Die schönsten Dörfer Sachsens und Japans kennen sich schon von den internationalen Treffen der „Schönsten Dörfer der Welt“, die jährlich in einem Mitgliedsland stattfinden. Ende Mai dieses Jahres wird die französische Organisation der Gastgeber sein. Die „Plus Beaux Villages de France“ sind die Urheber des in mehr als zehn Ländern weltweit verfolgten Konzeptes der Bewahrung ländlicher Baukultur als Grundlage lokaler Entwicklung. In Frankreich, aber beispielsweise auch in Italien und Spanien, wurden daraus zugkräftige touristische Marken entwickelt, die den Besuchern ein authentisches Landerlebnis versprechen. Dabei geht es aber nicht um Museumsdörfer, sondern um lebendige Orte, die für Einheimische und Besucher gleichermaßen attraktiv sind.

Die Interessengemeinschaft „Sachsens Schönste Dörfer“ wurde 2008 als Untergliederung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. gegründet. Sie ist die erste derartige Organisation in Deutschland. Zusammen mit Partnern, wie der Arbeitsgemeinschaft „Historische Dorfkerne im Land Brandenburg“, wird jetzt die Ausweitung zu „Deutschlands schönsten Dörfern“ verfolgt. (SZ)

www.sachsens-schoenste-doerfer.de