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Dienstag, 15.05.2018

Iran-Geschäfte gestoppt

Sächsische Unternehmer und Wissenschaftler sorgen sich nach dem US-Ausstieg aus dem Atomdeal um ihre Projekte.

Von Nora Miethke

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Die Hoffnungen der VEM Sachsenwerk GmbH auf neue Geschäftschancen im Iran schwinden angesichts der neuen politischen Entwicklung
Die Hoffnungen der VEM Sachsenwerk GmbH auf neue Geschäftschancen im Iran schwinden angesichts der neuen politischen Entwicklung

© dpa/Arno Burgi

Dresden. Der Iran zählte zu den wenigen Wachstumsmärkten, die deutsche Unternehmen noch nicht erschlossen haben. Nach der Lockerung der Sanktionen Anfang 2016 reiste daher eine Delegation nach der anderen in die islamische Republik, um vom großen Nachholbedarf zu profitieren – auch aus Sachsen. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen sorgen sich Wissenschaftler und Unternehmer nun um gemeinsame Projekte, die aus drei Unternehmerreisen, Messebeteiligungen und anderen Terminen entstanden waren.

Peter Nothnagel, Chef der Wirtschaftsförderung Sachsen, bezeichnet die entstandenen Kooperationsansätze als „zarte Pflänzchen, von denen wir aber nun befürchten, dass sie durch die aktuellen Entwicklungen am Wachsen gehindert, möglicherweise ganz zerstört werden könnten“. Er bedauert die Entscheidung der US-Administration und rät dazu, in den kommenden Wochen und Monaten genau zu beobachten, wohin die Reise geht. „Wir werden aber unsere Bemühungen um ein Weitergedeihen des Erreichten im Rahmen der Möglichkeiten fortsetzen“, betont Nothnagel zurückhaltend.

Etwas kämpferischer gibt sich Wirtschaftsminister Martin Dulig: „Ich bin noch immer davon überzeugt, dass Verhandlungslösungen und wirtschaftliche Kontakte der richtige Weg im Umgang mit dem Iran sind. Insofern unterstütze ich unseren Außenminister Heiko Maas darin, zunächst durch intensive Gespräche eine Zuspitzung des Konflikts zu verhindern. Unsere sächsischen Unternehmen werden wir weiterhin dabei unterstützen, auch schwierige Märkte zu erschließen.“

Dulig wie auch Umweltminister Thomas Schmidt hatten sich im Frühsommer 2016 vor Ort umgeschaut. Im Mai 2017 folgte dann noch eine von der Wirtschaftsförderung Sachsen und dem Branchennetzwerk BTS Bahntechnik Sachsen e.V. organisierte Unternehmerreise. Schon zuvor hatten der BTS und der iranische Bahnverband eine gemeinsame Zusammenarbeit und Kooperation vertraglich vereinbart. Es sollte geprüft werden, wie mittelständische Firmen aus Sachsen besser in die Großprojekte der iranischen Bahn eingebunden werden könnten. Vor wenigen Wochen hatte man noch überlegt, die iranischen Partner zur diesjährigen Branchenmesse Innotrans einzuladen.

„Der Iran als Markt ist für uns nicht gestorben. Aber wir haben unsere aktiven Bemühungen erst einmal auf Eis gelegt und müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, sagt Christin Lorenz, Projektkoordinatorin beim Bahncluster BTS.

Sachsens Experten für Abwassertechnik waren schon über die Phase des Kontaktaufbaus hinaus. Das Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung Leipzig (BDZ) wollte im Iran ein Zentrum für dezentrale Kläranlagen im Iran errichten. Bis Mitte 2018 sollte der zweite Bauabschnitt beginnen. „Ich befürchte, dass es zum Bau vorerst nicht kommen wird“, sagt Roland Pöhnl von der Herstellervereinigung, die in die Vorbereitungen Geld und Arbeitskraft gesteckt hat. Pöhnl ist besorgt, dass die Sicherheitslage es künftig nicht mehr erlauben könnte, Mitarbeiter dort hinzuschicken.

Die wieder aufgelebten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Sachsen und dem Iran begannen langsam, sich auch schon etwas in der Außenhandelsstatistik niederzuschlagen. Die Exporte waren von niedrigem Niveau aus leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von 68 Millionen Euro in den Iran exportiert. Das reicht für Platz 52 der sächsischen Auslandsmärkte. Gefragt waren Erzeugnisse des Maschinenbaus.

Doch schon vor der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump war klar, dass man für Geschäfte mit dem Iran einen langen Atem braucht. Nach einer anfangs sehr hohen Erwartungshaltung erweise sich der Geschäftsaufbau als sehr langwierig, heißt es bei der Wirtschaftsförderung Sachsen. Hindernisse seien die großen bürokratischen Hürden vor Ort sowie die schwierigen Zahlungsbedingungen. Es gibt nur wenige Banken, die einen Geldtransfer ermöglichen. Finanzierungen sind wegen bestehender Embargos fast unmöglich.

Dennoch wollen sächsische Wissenschaftler an ihren Kontakten festhalten. Roland Müller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig sagte vergangene Woche, man wolle im Iran weiterarbeiten. Auch die Technische Universität Dresden, die gerade erst mit einer Delegation dort unterwegs war, beabsichtigt, die Kooperation mit den Partneruniversitäten im Iran fortzusetzen. „Wissenschaft ist aus meiner Sicht heute mehr denn je ein besonders wichtiger und geeigneter Weg, im Gespräch zu bleiben und Kontakte auszubauen“, betont Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden. (mit dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Manfred Hengst

    Während Politiker noch über Unverständnis zu Trumps Vertragsbruch schwadronieren , stellt sich die Wirtschaft schon auf die Realität ein. Denn irgendwann knickt Merkel vor Trump ein . Da wäre dann der zweite Schlag gegen besondere der ostdeutsche Wirtschaft nach den Russland - Sanktionen.

  2. Xperte

    @1: Nicht Frau Merkel knickt ein, sondern sie wird getrieben werden, durch die Wirtschaft, die Moral noch nie als Umsatzbringer sah. Wobei RU und Iran durchaus sanktionswürdig sind, so wie sich aufführen. Zu den Fakten: Deutschlands Ausfuhrvolumen in die USA 111 Mrd. €, in den Iran 3 Mrd. €. Sachsens Reihenfolge beim Außenhandel: Russland aktuell Platz 14, Iran Platz 52, USA Platz 2. Ein Schlag gegen die sächsische Wirtschaft sind also nicht Belastungen des RU- oder Iran Geschäfts, sondern der Abbruch der Geschäftsbeziehungen zu den USA. Deshalb wird zuerst die Wirtschaft einknicken und Mutti wird folgen.

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