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Mittwoch, 16.05.2018

Investitionen mit dem KfW-Unternehmerkredit umsetzen

Jedes Unternehmen ist auf Investitionen angewiesen. Ohne sie ist kein Wachstum möglich und bei Investitionsverzicht geht die Wettbewerbsfähigkeit schnell verloren. Wer nicht investiert, verspielt die Zukunft. Leider kosten Investitionen fast immer eine Menge Geld - Geld, das im Unternehmen nicht unbedingt vorhanden ist. Dann sind Kredite gefragt.

Banken zeigen sich bei Firmenkrediten allerdings häufig ziemlich sperrig. Sie scheuen das Risiko oder lassen sich die Risikoübernahme zumindest teuer bezahlen. Aus diesem Grund gibt es öffentliche Förderprogramme, mit denen eine günstige Finanzierung möglich ist. Die Förderlandschaft ist bunt und vielfältig. Alleine auf Bundes- und Länderebene existieren rund 1.700 Förderprogramme für unterschiedlichste Zwecke. Eine wichtige Fördermaßnahme im Bereich der Investitionsfinanzierung ist der KfW-Unternehmerkredit.

Der KfW-Unternehmerkredit - eine Allzweckwaffe

Der KfW-Unternehmerkredit ist ein Programm der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW ist auf Bundesebene das zentrale Förderinstitut, wenn es um die Förderung von Unternehmen mit Finanzierungsbedarf geht. Beim KfW-Unternehmerkredit erfolgt die Förderung über langfristige zinsgünstige Darlehen, die für Investitionszwecke eingesetzt werden können. Es richtet sich an vor allen an kleine und mittlere Unternehmen, die sich bereits am Markt etabliert haben, also schon länger bestehen. Für Existenzgründer bietet die KfW eigene Fördermaßnahmen.

Bei der Gestaltung des Förderprogramms wurde besonderer Wert auf breite Einsatzmöglichkeiten gelegt. Der KfW-Unternehmerkredit kann für die unterschiedlichsten Investitionsvorhaben genutzt werden, auch für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte (Patente, Lizenzen usw.) oder für Übernahme-Finanzierungen. Selbst Betriebsmittel- und Warenlager-Finanzierungen sind in bestimmten Grenzen möglich. Bei den Kreditbeträgen zeigt sich der KfW-Unternehmerkredit ebenfalls sehr flexibel. Die Finanzierungs-Obergrenze liegt bei 25 Millionen Euro. Damit lassen sich sogar größere Investitionsprojekte im industriellen Mittelstand darstellen. Es sind aber auch Darlehenssummen von wenigen zehntausend Euro möglich. In diesem Sinne bildet der KfW-Unternehmerkredit eine wahre Allzweckwaffe der Investitionsförderung.

Was bedeutet das Hausbankenverfahren?

Der Weg zum KfW-Unternehmerkredit führt immer über eine Bank. Denn Förderkredite werden fast ausschließlich nicht direkt an die Unternehmen vergeben, sondern über Kreditinstitute. Die Förderbank - hier die KfW - stellt der Bank die Finanzierungsmittel zur Verfügung, die sie wiederum als normalen Bankkredit zu den besonderen Bedingungen des Förderinstitutes vergibt. Bei der Beantragung der Fördermittel übernimmt die Bank eine wichtige Filterfunktion. Sie prüft, ob die Voraussetzungen für die Förderung erfüllt sind und kümmert sich auch um die Antragstellung. Man nennt dieses Verfahren auch Hausbankenverfahren.

Oft stellen Investitionsfinanzierungen eine Kombination aus mehreren Krediten dar. In dem Finanzierungspaket sind dann unter Umständen Kredite aus mehreren Förderprogrammen und/oder normale Bankdarlehen enthalten. Es sind unterschiedliche Lösungen denkbar. Über Plattformen wie COMPEON lässt sich relativ einfach die Finanzierung mit den besten Konditionen am Markt identifizieren.

Wer kann den KfW-Unternehmerkredit erhalten?

Der KfW-Unternehmerkredit richtet sich an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, aber auch an Freiberufler (zum Beispiel Ärzte, Steuerberater, Architekten). Voraussetzung ist, dass man schon mindestens fünf Jahre am Markt tätig ist. Deshalb ist das Programm für Existenzgründer und ganz junge Unternehmen nicht zugänglich. Bei Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft konzentriert sich das Programm vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Was darunter genau zu verstehen ist, dafür gibt es eine EU-Definition. KMU sind danach Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. Euro oder einer Bilanzsumme von weniger als 43 Mio. Euro. Es können aber auch größere mittelständische Unternehmen gefördert werden, sofern sie sich überwiegend im Privatbesitz befinden. Ihr Gesamtumsatz darf 500 Mio. nicht überschreiten. Ebenfalls gefördert werden Unternehmen und Personen, die sich im Geschäft mit Gewerbeimmobilien betätigen.

Die wesentlichen Konditionen im Überblick

Der KfW-Unternehmerkredit kann eingesetzt werden, um eine Investition zu 100 Prozent zu finanzieren, es sind aber auch Kombinationen mit anderen Förderkrediten und Bankdarlehen möglich. Kreditnehmer haben die Auswahl unter unterschiedlichen Laufzeitvarianten. Es sind Kredite mit fünf, zehn und 20 Jahren Laufzeit wählbar. Je nach gewählter Laufzeit sind ein, zwei oder drei tilgungsfreie Anlaufjahre vorgesehen. In diesem Zeitraum sind nur Zinsen zu zahlen, was gerade in der Anfangsphase einer Investition die Liquidität entlastet. Bei Betriebsmittel- und Warenlagerfinanzierungen gelten kürzere Laufzeitvarianten.

Beim KfW-Unternehmerkredit kann außerdem eine 50prozentigen Haftungsfreistellung vereinbart werden. Haftungsfreistellung bedeutet, dass die Hausbank bei Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers davon freigestellt wird, die gewährten Fördermittel an die KfW zurückzuzahlen. Dadurch reduziert sich das Finanzierungsrisiko der Bank erheblich und die Bereitschaft steigt, die Finanzierung auch mit weniger Sicherheiten als sonst üblich möglich zu machen.

Der KfW-Unternehmerkredit ist zu günstigen Zinssätzen erhältlich. Der niedrigste Zins liegt aktuell bei 1,00 Prozent. Die konkrete Zinshöhe hängt von verschiedenen Faktoren - u.a. von der Laufzeit des Kredites und der Bonität des Unternehmens - ab.

Einige typische Beispiele
Hier beispielhaft einige typische Fälle, bei denen der KfW-Unternehmerkredit zum Einsatz kommen kann:

- ein Lebensmitteleinzelhändler will seine Geschäftsräume mit einer neuen Einrichtung ausstatten, um einen ansprechendere Warenpräsentation zu bieten. Die benötigten 200.000 Euro finanziert er mit einem KfW-Unternehmerkredit, der möglichst schnell zurückgezahlt werden soll. Dafür nutzt er die Variante mit fünf Jahren Laufzeit und Tilgungsfreiheit im ersten Jahr;

- ein Zahnarzt möchte seine schon seit 15 Jahren bestehende Praxis renovieren und neue Behandlungsstühle und Möbel anschaffen. Das Investitionsvolumen beträgt 100.000 Euro und wird zu 100 Prozent mit dem KfW-Unternehmerkredit finanziert. Um die Belastung durch die Zins- und Tilgungsraten niedrig zu halten, entscheidet sich der Zahnarzt für ein Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit und zwei tilgungsfreien Anlaufjahren.

- der Inhaber eines mittelständischen Industriebetriebs möchte seine Produktionsstätte erweitern und eine neue Maschinenhalle errichten. Die Kosten für die Halle in Höhe von 1,5 Mio. Euro werden mit dem KfW-Unternehmerkredit finanziert. Weil es sich um ein Vorhaben mit langfristiger Kapitalbindung handelt, wird dafür eine Variante mit 20 Jahren Laufzeit und drei tilgungsfreien Anfangsjahren gewählt.